Vortrag zum Volksbegehren Artenvielfalt

Erschreckende Zahlen: Warum Landwirte auch "geschützt" werden müssen

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Ökologische Tierhaltung
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Landkreise – Lebensräume von Tier- und Pflanzenwelt und gleichzeitig die Arbeitswelt der Bauern verbessern: Das will die ÖDP mit dem Volksbegehren Artenvielfalt/“Rettet die Bienen“ erreichen. Erschreckende Zahlen bis hin zu einer hohen Suizidrate unter Landwirten sind im Gespräch.

Die Landwirtschaftspolitik der vergangenen Jahrzehnte hat nicht funktioniert.“ Das sagte Agnes Becker, die stellvertretende Vorsitzende der ÖDP in Bayern während ihres Vortrages am Mittwochabend in Altötting. Damit warb sie dafür, dass sich möglichst viele in der Zeit vom 31. Januar bis 13. Februar für den Volksentscheid Artenvielfalt/“Rettet die Bienen!“ eintragen. 1.000.000 Unterschriften sind dafür nötig.

Verfehlte Landwirtschaftspolitik

Hier gehts zum Artikel über das Volksbegehren: So können Sie mitmachen.

Es gehöre ein ganz neuer Ansatz her, der sowohl die Lebensräume der Tiere, als auch die Arbeitswelt der Bauern verbessere. Die Forderungen der Naturschützer seien alt, gingen an die falschen Adressaten: „Ich bin nicht gegen die Landwirte, sondern gegen die Landwirtschaftspolitik der letzten Jahrzehnte!“, betonte Agnes Becker. Deswegen werbe sie (Spitzenkandidatin des vergangenen Landtagswahlkampfes der ÖDP in Bayern) für ein Umdenken: „Dann müssen sicherlich Steuergelder aufgewendet werden, um die Bauern zu entschädigen.

Landkreise: Wie die ÖDP nicht nur dem Artensterben in Bayern sondern auch den heimischen Landwirten helfen will.

Erschreckende Zahlen

Die Zahlen, mit denen die 38-Jährige aus Wegscheid im Bayerischen Wald ihre Forderung untermauert, sind erschreckend: 

  • Von den 270 in Bayern heimischen Ackerwildkräutern sind zu einem Drittel in ihrem Bestand gefährdet
  • 75% der Fluginsekten und 54% aller Bienen sind vom Aussterben bedroht
  • 73 ehemals in Bayern ansässige Tagfalterarten sind bereits verschwunden
  • Alles zusammen wirke sich auch auf die Tiere aus, die höher in der Nahrungskette stehen: seit 1965 sind 65% aller Vogelarten aus Bayern verschwunden
  • Dabei ist die Zahl der Feldvögel zwischen 1990 und 2009 um die Hälfte zurück gegangen, und die anderer Vogelarten sogar um 80%.

Nicht genug damit, gibt es unter Landwirten eine Hohe Zahl derer, die mit Depressionen zu kämpfen haben. Das gehe bis zur Suizidgefahr. Auf erste Nachfrage von innsalzach24.de bei der Geschäftsstelle des Bayerischen Bauernverbands in Töging am Inn führt der dortige Geschäftsführer Veit Hartsperger aus, dass es in dieser Richtung tatsächlich Probleme in diesem Berufsstand aber auch Hilfsangebote wie etwa das sogenannte Montagstelefon gibt.

"Niemand tut etwas"

Während ihres Vortrages in Altötting zitierte Agnes Becker auch aus dem Agrarreport des Umweltbundesamtes von 2017: „Weder die EU noch die nationale Politik tut etwas gegen das Artensterben." Die konkret im Vortrag genannten Vorschläge für eine mögliche Gesetzesinitiative lauten:

  • Bis 2025 sollen 20% der landwirtschaftlichen Flächen auf ökologischen Landbau umgestellt sein bis 2030 dann sogar 30%.
  • Auf 10% des Grünlands soll nicht vor dem 15. Juni das erste Mal im Jahr gemäht werden dürfen.
  • Verbot eines Einsatzes von Pestiziden.
  • Dauergrünland (Brachen) sollen nicht mehr umgewandelt werden dürfen. 
  • Grundwasser in Nass- und Feuchtgünland darf nicht mehr abgesenkt werden. 
  • Alleen sollen erhalten werden Gewässerrandstreifen müssen klarer und weiter gefasst werden. 
  • Biotope sollen miteinander verbunden werden.
  • Jährliche Statusberichte der Regierung und nach jeder Legislatur ein Großer Report

"Landwirte entschädigen"

Agnes Becker räumt ein, dass Landwirte gegebenenfalls für Ernteausfälle vom Steuerzahler entschädigt werden müssten. Auch sei der Freistaat hier gefordert, der selbst über nicht wenige Wirtschaftsflächen verfügt. Die rund 30 Zuhörer im Gasthof Plankl ließen sich jedenfalls von der Begeisterung der ÖDP-Politikerin Agnes Becker anstecken, die selbst über 5 Hektar Land und 8 Hektar Wald verfügt. Dies ist eine Betriebsgröße, die heutzutage in der Landwirtschaft nicht mehr für den Haupterwerb reicht.

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Wie ein Imker aus dem Landkreis Altötting aktiv Artenschutz betreibt:

rw/pbj

Berichterstattung bei Suizid 

Generell berichten wir nicht über Selbsttötungen, damit solche Fälle mögliche Nachahmer nicht ermutigen. Eine Berichterstattung findet nur dann statt, wenn die Umstände eine besondere öffentliche Aufmerksamkeit erfahren. Wenn Sie oder eine Ihnen bekannte Person unter einer existentiellen Lebenskrise oder Depressionen leidet, kontaktieren Sie bitte die Telefonseelsorge unter der Nummer: 0800-1110111. Hilfe bietet auch der Krisendienst Psychiatrie für München und Oberbayern unter 0180-6553000. Weitere Infos finden Sie auf der Webseite www.krisendienst-psychiatrie.de.

Quelle: innsalzach24.de

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