Leser-Meinungen zu verschärften Einreisekontrollen

Freundin wohnt in Bayern - Innsbrucker: „Hoffen, dass sich menschenunwürdige Situation ändert“

Die verschärften Einreisekontrollen nach Deutschland beschäftigen zahlreiche Pendler. Unser Leser Lukas Steinegger aus Innsbruck äußert seine Meinung dazu.
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Die verschärften Einreisekontrollen nach Deutschland beschäftigen zahlreiche Pendler. Unser Leser Lukas Steinegger aus Innsbruck äußert seine Meinung dazu.

Seit über einer Woche gelten verschärfte Einreiseregelungen an den Grenzen zu Tirol und Tschechien. Ihr habt uns eure Meinungen und Erfahrungsberichte zu den neuen Grenzregelungen geschickt.

Bayern/Tirol - Seit Sonntag, 14. Februar, sind die Grenzen nach Tschechien und Tirol weitestgehend dicht. Nach den neuen Vorgaben dürfen aus den betroffenen Gebieten nur noch Deutsche sowie Ausländer mit Wohnsitz und Aufenthaltserlaubnis in Deutschland einreisen. Außerdem gibt es Sonderregeln für medizinisches Personal, Transit-Passagiere und den Warenverkehr (Plus-Artikel).

Ab sofort braucht jeder Arbeiter, der aus Tirol oder Tschechien nach Deutschland einreist, neben einem negativen Coronatest (nicht älter als 48 Stunden) auch eine amtliche Bescheinigung des zuständigen Landratsamtes – sonst kann ihn die Bundespolizei zurückweisen. Diese amtliche Bescheinigung dürfen die Landratsämter nur für Personen ausstellen, die gemäß den Leitlinien der EU-Kommission systemrelevante Tätigkeiten ausüben.

Die OVB24-Redaktion hat euch gefragt, wie eure Meinungen zu den neuen Grenzregelungen sind.

Verschärfte Einreiseregelungen nach Deutschland: Eure Meinungen und Erfahrungsberichte

Anm. der Red.: Der Inhalt der Leserbriefe gibt ausschließlich die Meinung der Einsender wieder und spiegelt nicht die Ansicht(en) der Redaktion wieder.

Dina aus Rosenheim

Also mal ehrlich: Die Grenzkontrollen und Regelungen für die Pendler sind zum Kotzen. Ich verstehe die Notwendigkeit und bin nicht neidisch auf die Personen, die derzeit problemlos über die Grenze kommen. Aber was ist mit uns Leuten, die in Tirol in einem nicht systemrelevanten Beruf wie zum Beispiel als Reinigungskraft arbeiten? Sind wir nicht wichtig? Hat sich keiner darüber Gedanken gemacht, dass wir dadurch unsere Arbeit verlieren könnten? Wir müssen schließlich auch unsere Familien ernähren!

Jetzt sitzen wir zu Hause und warten darauf, dass die Grenzen wieder öffnen. Die bayerische Regierung sollte seinen Bürgern helfen und diese nicht ruinieren. Dieses Virus bleibt nicht an der Grenze stehen, nur weil Polizisten dort kontrolliert. Jeder kann das Virus übertragen und man weiß nie, wann man sich damit anstecken kann. Ich finde, dass es langsam, aber sicher reicht.

Oberaudorfer Unternehmer Günther Harlander im Gespräch: „Grenzkontrollen machen mir sehr zu schaffen“ (Plus-Artikel)

Lukas Steinegger aus Innsbruck

Unsere Leserin Lukas Steinegger aus Innsbruck äußert seine Meinung zu den verschärften Einreisekontrollen.

Meine Freundin lebt und arbeitet in München, ich in Innsbruck. Wir sind seit 2015 ein Paar und haben uns zu einer Zeit kennengelernt, als wir beide noch studiert haben. Nacheinander haben wir uns dann einen „ersten Job“ - zunächst noch in unseren jeweiligen Heimatstädten - gesucht. Daher war bisher auch eine Heirat kein Thema, auch wenn wir das für die Zukunft möchten. Aber eben weil wir es möchten - nicht, weil wir von den Einreisebestimmungen dazu genötigt werden.

Schon 2020 gab es massive Grenzschließungen - welche es binationalen Paaren verunmöglichte, sich zu sehen. Aktuell sind ebendiese Regeln wieder in Kraft! Unverheirateten Partnern wird überhaupt die Einreise nach Deutschland verwehrt, selbst verheiratete Personen dürfen nur einreisen, wenn sie der in Deutschland lebende Ehepartner abholt - was ja überhaupt keinen Sinn macht (wenn es im Mutationsgebiet so gefährlich ist, dass man Reisen dorthin verhindern möchte: Warum dann diese Abholpflicht?). Zudem muss der im Ausland lebende Ehepartner trotz negativen Tests nach der Einreise in Quarantäne.

Wir hoffen sehr, dass sich diese menschenunwürdige Situation ändert. Natürlich muss eine Pandemie bekämpft werden, das möchte ich nicht in Abrede stellen. Alleine an der geschilderten „Abholpflicht“ bei Verheirateten sieht man aber, dass es hier ganz andere Möglichkeiten gäbe, als binationale Paare und Familien zu trennen.

Weitere Leser-Meinungen zu den Einreisekontrollen: „Mit Machtspielen aufhören“ und „Familien und Paare leiden genauso wie Grenzpendler“ (Plus-Artikel)

Anna Ebentheuer aus Pflach in Tirol

Natürlich ist die momentane Situation zwischen Bayern und Tirol eine große Belastung. Egal ob für Arbeitgeber oder Arbeitnehmer. Was dabei aber meist nicht erwähnt wird, sind die unzähligen Paare und Familien, die oft täglich pendeln, um ihre Lieben zu sehen.

Leider wird es auch mir und meinem im Allgäu lebenden Partner seit Kurzem wieder unmöglich gemacht, uns wie gewohnt mehrmals wöchentlich zu besuchen. Ich wohne im sehr grenznahen Reutte in Tirol und mein Partner in der Nähe von Füssen. Uns trennen gerade einmal eine kurze Autofahrt von circa 15 Kilometern und doch liegt eine Staatsgrenze zwischen uns, die wir momentan wieder einmal sehr deutlich zu spüren bekommen.

Das letzte Mal haben wir uns am Valentinstag, 14. Februar, gesehen. Keiner weiß, wann es ein Wiedersehen gibt. Natürlich gibt es andere Möglichkeiten wie lange Telefonate und Skype, aber eine einfache Umarmung kann dadurch nicht ersetzt werden. Auch schon vorher war es nicht gerade einfach, den Überblick über die sich ständig ändernden Verordnungen zu behalten. Testen, anmelden usw. gehört schon länger zu den Vorbereitungen, um sich besuchen zu können.

Das alles soll nicht heißen, dass wir die Maßnahmen nicht ernst nehmen. Aber wir leben in der Europäischen Union. Wir sind mit dem europäischen Gedanken aufgewachsen. Die Grenze gab es viele Jahre lang praktisch nicht. Eigentlich sollten die Länder doch zusammen arbeiten und sich nicht gegeneinander ausspielen. Wir pendeln/reisen der Liebe oder eben auch der Arbeit wegen und nicht zu touristischen Zwecken.

Auch interessant: „Kurzum: eine Katastrophe“ - so leiden örtliche Unternehmen durch die Grenzschließungen (Plus-Artikel)

Schickt uns eure Leserbriefe zum Thema verschärfte Einreisekontrollen

Seid ihr Grenzpendler und möchtet von euren Erfahrungen berichten? Hattet ihr bereits Probleme bei der Einreise nach Deutschland? Seid ihr Lkw-Fahrer und habt durch die regelmäßigen Corona-Tests einen höheren Zeitaufwand? Erachtet ihr die verschärften Einreiseregeln als sinnvoll? Gerne könnt ihr uns von euren Erfahrungen berichten. OVB24 ist auf eure Meinungen gespannt. Schickt uns euren Leserbrief zum Thema per Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: „Grenzpendler“ im Betreff).

Bitte sendet uns neben euren Zeilen auch unbedingt euren Namen und euren Wohnort - auch ein Foto von euch könnt ihr gerne mitschicken. Die Redaktion veröffentlicht eure Leserbriefe samt kompletten Namen und Wohnort anschließend in einem Artikel.

Anm. der Red.: Die Redaktion behält sich vor, Zuschriften entsprechend zu kürzen oder die Veröffentlichung gegebenenfalls ohne Angabe von Gründen zu verweigern.

jg

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