Gefährlicher Virus kann Entzündung im Gehirn auslösen

Mädchen (11) aus Maitenbeth gestorben: Rätsel um Bornavirus

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Maitenbeth - Die Bestürzung in der kleinen Gemeinde im Landkreis Mühldorf ist groß. Die Pfarrgemeinschaft trauert um ein elfjähriges Mädchen, welches an einer schweren Entzündung im Gehirn, wohl hervorgerufen durch den Bornavirus, verstorben ist. Ein Virus, der die Mediziner vor viele Fragen stellt. 

Noch immer herrscht in Maitenbeth große Trauer und Fassungslosigkeit. Ende Oktober musste ein junges Mädchen sterben. Ursache war eine schwere Gehirnentzündung, welche von dem sogenannten Bornavirus hervorgerufen worden sein soll, berichten die OVB-Heimatzeitungen. Die Elfjährige fiel ins Koma und wachte nie wieder auf.

Maitenbeth: Junges Mädchen an den Folgen des Bornavirus verstorben?

"Das von Erkrankungen bei Pferden und Schafen bekannte klassische Bornavirus kann auch bei gesunden Menschen tödliche Gehirnentzündungen auslösen". Zu diesem Ergebnis kam eine Forschergruppe um Prof. Dr. Armin Ensser vom Virologischen Institut in einer 2018 im New England Journal of Medicine veröffentlichten Arbeit. 

Wie das Robert-Koch-Insitut in einem Informationsblatt erklärt, wurde im Jahr 2018 das Virus (BoDV-1) erstmalig als Ursache für schwere Gehirnentzündungen (Enzephalitiden) beim Menschen nachgewiesen. Drei Menschen starben an dessen Folgen. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) in Greifswald beschäftigt sich seit 2015, nachdem bereits drei andere Menschen an einer abgewandten Form (Bunthörnchen-Bornavirus) verstorben waren, intensiv mit diesem Virus.   

Zwei Todesfälle im Jahr 2018

Bei den untersuchten Fällen 2018 hatten sich zwei Patienten mit hoher Sicherheit über transplantierte Organe des gleichen Spenders angesteckt. „Wir gehen bei diesem Geschehen von einem sehr seltenen Einzelfall aus“, sagte der Leiter des FLI, Martin Beer, berichtete focus.de

Das BoDV-1 ist schon seit Langem als Erreger der Borna’schen Krankheit bei Pferden, Schafen und anderen Säugetieren in Mitteleuropa bekannt. Übertragen wird das Virus über die Feldspitzmaus. Das Nagetier wurde laut Robert-Koch-Insitut als natürliches Reservoir von Borna-Virus identifiziert, wobei die Viren von infizierten Feldspitzmäusen vermutlich über Speichel, Urin und Kot ausgeschieden werden.

Es wird vermutet, dass Pferde und Schafe z.B. beim Fressen mit der Feldspitzmaus oder ihren Ausscheidungen in Kontakt kommen.

Feldspitzmaus überträgt Virus

Die 6-8 cm große Feldspitzmaus kommt in Mittel- und Südosteuropa vor. BoDV-1 kommt in Deutschland in spezifischen Gebieten vor, in denen auch die bisherigen Erkrankungen beim Menschen auftraten

Für den Menschen sind verschiedene Übertragungswege denkbar. Am wahrscheinlichsten ist, dass sich der Mensch ebenfalls über den Kontakt mit Ausscheidungen von Spitzmäusen ansteckt. Mögliche Infektionswege sind die Aufnahme über verunreinigte Lebensmittel oder Wasser, das Einatmen des Virus über kontaminierten Staub oder der direkte Kontakt bzw. Biss einer Spitzmaus.

Laut dem Robert-Koch-Institut sind bisher nur wenige menschliche Fälle (von 1996 bis 2019 bundesweit im unteren zweistelligen Bereich) bekannt. "Die Dunkelziffer von Bornavirus-Infektionen bei tödlichen Gehirnentzündungen ist unbekannt, da die Infektion bislang bei Routineuntersuchungen nicht in Betracht gezogen wurde", sagte der Leiter des FLI, Martin Beer.

Patienten leiden an Kopfschmerzen, Fieber und Sprachstörungen

Viele der bekannten erkrankten Patienten litten zu Beginn an Kopfschmerzen, Fieber und allgemeinem Krankheitsgefühl. Bei allen Erkrankungsfällen kam es anschließend zu neurologischen Symptomen, wie Verhaltensauffälligkeiten und Sprach- und Gangstörungen, und im weiteren Verlauf innerhalb von Tagen oder wenigen Wochen zum Koma.

Nach den Todesfällen im Jahr 2018 meinte der Leiter des FLI, Martin Beer gegenüber focus.de: „Wir gehen bei diesem Geschehen von einem sehr seltenen Einzelfall aus."

Eine Übertragung des Virus von infizierten Pferden oder Schafen auf andere Säugetiere seien bisher nicht nachgewiesen worden. Auch deshalb schließen die Forscher eine neue Infektionswelle aus. Das Virus könne ebenso wenig über zwischenmenschliche Kontakte übertragen werden. Im Fall des kleinen verstorbenen Mädchens aus Maitenbeth erklärte das Landratsamt Mühldorf auf Nachfrage von innsalzach24.de, "dass es sich um keine Erkrankung handelt, die von Mensch zu Mensch übertragen wird, Handlungsbedarf besteht deshalb nicht."

Ob das Mädchen tatsächlich den Bornavirus in sich trug ist unklar. "Aufgrund der gesetzlichen Schweigepflicht" darf das Landratsamt Mühldorf "keine Details über die Erkrankung des Mädchens bekannt geben".

mz

 

Quelle: innsalzach24.de

Rubriklistenbild: © Montage dpa/pixabay

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