Mutter und Tochter 2019 in München verschwunden

Mordprozess ohne Leichen: Ehemann (45) und Stiefvater zu jahrelanger Haftstrafe verurteilt

Seit Sommer 2019 werden Maria Gertsuski und ihrer Tochter vermisst. Von beiden fehlt seitdem jede Spur.
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Seit Sommer 2019 werden Maria Gertsuski und ihrer Tochter vermisst. Von beiden fehlt seitdem jede Spur.

Im Sommer 2019 verschwanden eine Mutter und ihre Tochter in München spurlos. Zum Shoppen seien sie gegangen, sagte der Ehemann damals - und nicht zurückgekommen. Bald kamen Zweifel an seiner Geschichte auf. Jetzt ist das Urteil im Mordprozess gefallen.

Update, 13.33 Uhr - Ehemann zu 14,5 Jahren Haft verurteilt

Im Prozess um einen Doppelmord ohne Leichen in München hat das Landgericht München I den Angeklagten am Dienstag zu 14 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Das Gericht wertete die Tötung der Ehefrau von Roman H. und von dessen Stieftochter als Totschlag.

Obwohl die Leichen der beiden Frauen nie gefunden wurden, sei die Kammer überzeugt, dass der 46-Jährige beide getötet habe, sagte der Vorsitzende Richter.

Vorbericht

Die Suche nach einer Mutter und ihrer 16-jährigen Tochter hielt München im Sommer 2019 in Atem. Auch wenn ihre Leichen nie gefunden wurden, steht der Ehemann der Frau und Stiefvater des Mädchens inzwischen wegen Mordes vor Gericht. Jetzt geht der Prozess zu Ende. An diesem Dienstag (23. Februar) wird das Urteil gegen den 46-Jährigen am Landgericht München I erwartet. Es geht um Totschlag und Mord.

Am 13. Juli 2019 um genau 12.02 Uhr gab es das letzte Lebenszeichen einer der beiden Frauen. Damals schickte Tochter Tatiana eine Whatsapp-Nachricht an ihre Freundin: „Ich schreib dir gleich“ stand darin.

Ehemann bestreitet Vorwürfe

„Doch dazu kam es nicht mehr“, sagte Staatsanwalt Daniel Meindl in seinem Schlussplädoyer. „Sie war nur 16 Jahre alt. Sie hatte ihr ganzes Leben noch vor sich.“ Der Staatsanwalt fordert lebenslange Haft für den Deutsch-Russen wegen Totschlags an seiner Frau und Mordes an seiner Stieftochter.

Meindl geht davon aus, dass Tatiana kurz nach der letzten Nachricht von ihrem Stiefvater getötet wurde - und davon, dass der Angeklagte zuvor schon Tatianas Mutter Maria umgebracht hat. Als Motiv vermuten die Ermittler einen Streit zwischen dem Ehepaar - womöglich um ein Testament, das die Frau kurz zuvor in Russland hatte aufsetzen lassen. Ihr Mann wurde darin übergangen.

Trotz intensiver Suche wurden die Leichen der beiden Frauen allerdings nie gefunden. Der Mann bestreitet die Vorwürfe. Sein Verteidiger fordert Freispruch, weil die Taten „nicht mit der erforderlichen Sicherheit“ bewiesen seien.

Das war geschehen

Die Ermittler gehen davon aus, dass der Deutsch-Russe zuerst im Streit seine Frau tötete und danach die Tochter ermordete, um die Tat zu verschleiern. Er ist wegen Totschlags und Mordes angeklagt.

Von der damals 41 Jahre alten Frau und ihrer Tochter fehlt seit dem 13. Juli 2019 jede Spur. Der Ehemann und Stiefvater hatte die beiden Frauen zunächst als vermisst gemeldet. Seinen Angaben zufolge sollen sie gemeinsam ihre Wohnung im Münchner Stadtteil Ramersdorf-Perlach verlassen haben, um in einem nahe gelegenen Einkaufszentrum shoppen zu gehen. Seit diesem Tag wurden sie nicht mehr gesehen, sie meldeten sich auch nicht bei Freunden und Angehörigen. Ihre Handys waren ausgeschaltet.

Kurze Zeit später geriet der heute 45-Jährige unter Verdacht, seine Frau und seine Stieftochter umgebracht zu haben. Die Polizei durchsuchte den Truderinger Forst nach Leichen. Auch Polizeitaucher waren im Einsatz und suchten in einem Baggersee. Ein mit einer Wärmebildkamera ausgerüsteter Polizeihubschrauber beteiligte sich ebenfalls an der Aktion - ohne Erfolg. Die Leichen der beiden wurden bis heute nicht gefunden. Bei den Suchaktionen entdeckten Polizisten aber eine Fußmatte und einen Teppich mit Blutspuren.

mh/dpa

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