Polizei, LKA und SEK zerschlagen Drogenbande

So kam das Kokain nach Piding, Traunstein und Kiefersfelden

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Piding/Kiefersfelden/München - Im September 2017 waren in zehn bayerischen Supermärkten, darunter auch in Kiefersfelden, Traunstein und Piding, Bananenkisten gefunden worden, die rund 200 Kilogramm Kokain enthielten. Jetzt hat die Polizei herausgefunden, wie die Drogen in die Regale gelangen konnten.

Wo kam das Kokain mit einem Marktwert von rund 400 Millionen Euro her? Wo sollte es hin? Die Beamten der Gemeinsamen Ermittlungsgruppe Rauschgift des Bayerischen Landeskriminalamtes und des Zollfahndungsamtes München (GER Südbayern) begannen gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft Landshut die Spur der Bananenkisten zu verfolgen. Sie führte sie nach Südamerika

Drogenhandel mit enormer Logistik

Dort versteckten Drogendealer das Kokain in Ein-Kilogramm-Paketen in unverdächtigen Bananenkisten. Mit dem Obst transportierten die Schiffe das illegale Pulver dann von Ecuador zum Hamburger Hafen. Von Hamburg wurden die Bananen per Lkw in Reifereien in ganz Deutschland gebracht, wo die Bananen bedampft wurden, damit sie nachreifen konnten. 

In diese Hallen brachen dann die bewaffneten Täter ein, um an "ihre" Drogen zu gelangen. So drangen sie von Juli 2017 bis April 2018 immer wieder in die Reifehallen einer großen Importfirma ein: Juli 2017 in Hessen, Oktober im Saarland, November in Nordrhein-Westfalen, im Februar 2018 in Hessen, Ende März in Bayern. Nach den Einbrüchen blieben nur die Bananen zurück – und die Kisten waren um viele Kilogramm leichter. Ein Großlieferant hatte jeden Monat hunderttausende solcher Kisten mit Bananen nach Deutschland importiert.

Wie das Bayerische Landeskriminalamt jetzt in einer Pressekonferenz bekannt gab, gehen die Ermittler derzeit davon aus, dass damals bei den Einbrüchen insgesamt fast eine Tonne, genau genommen 950 Kilogramm, Kokain entwendet wurde.

So kamen die Ermittler der Bande auf die Spur

Die Ermittler kamen den Verdächtigen im September 2017 auf die Spur, nachdem ein Einbruch in eine Reifehalle in Bayern gescheitert war und das Kokain so in die besagten Supermärkte, darunter eben auch in Kiefersfelden und Piding, gelangen konnte

Durch akribische Ermittlungsarbeit und mit der Unterstützung des Bananenimporteurs gelang es so, insgesamt über 800 Kilogramm Kokain sicherzustellen, noch bevor die Tatverdächtigen an die Drogen kommen konnten. Chemische Untersuchungen des in ganz Deutschland sichergestellten Kokains zeigten einen sehr hohen Reinheitsgrad von rund 90 Prozent. Solches Kokain wird normalerweise mehrfach gestreckt, bevor es auf den Markt kommt. Allein zehn Kilogramm des gefundenen, nahezu reinen Kokains haben so im Endeffekt einen Straßenverkaufswert, der in die Millionen geht.

Innenminister Joachim Herrmann (2.v.l.) freute sich zusammen mit den Ermittlern über den großen Fahndungserfolg.

SEK fasst überraschte Verdächtige auf frischer Tat

Aber die Ermittler stellten nicht nur den Stoff sicher, sie beobachteten auch die Tätergruppe – um sie auf frischer Tat mit dem Kokain zu stellen. Und das gelang ihnen am 25. April 2018. Kurz nach Mitternacht wollten die Einbrecher erneut zuschlagen. Eine Hamburger Reifehalle war diesmal das Ziel. Die Männer verschafften sich das Kokain und fuhren mit ihren Autos Richtung Holland

Das war der Moment, in dem das SEK zugriff und die überraschten Tatverdächtigen mit etwa 180 Kilogramm Kokain festnahm. Zeitgleich durchsuchten ebenfalls Spezialeinheiten Wohnungen in Hamburg und Hannover. 

Das stolze Ergebnis allein dieses Tages: Neun festgenommene Tatverdächtige. Auch zwei Revolver mit Munition und mehr als 30.000 Euro Bargeld stellten die Ermittler sicher. Drei weitere Beschuldigte konnten schließlich am 3. Mai festgenommen werden. Insgesamt befinden sich derzeit 12 Personen der international agierenden Bande in Untersuchungshaft.

"Diese Gruppe an Tatverdächtigen aufgespürt zu haben, ist für die Ermittler ein enormer Erfolg", teilte das Landeskriminalamt mit. Jetzt wollen die Ermittler als nächstes die Hintermänner finden, um das Millionengeschäft dauerhaft zu stoppen.

mw/Bayerisches Landeskriminalamt

Quelle: rosenheim24.de

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