Münchner kämpft vor Gericht gegen Räumungsklage

Nach 44 Jahren in Wohnung: Vermieterin will 89-Jährigen auf Straße setzen

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Prozesses um Eigenbedarfskündigung gegen 89-Jährigen
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München - Als Rudolf Kluge in seine Wohnung im Münchner Stadtteil Neuperlach zog, war er noch ein junger Mann. Heute ist Kluge 89 Jahre alt - nun soll er seine Wohnung in München räumen. Seine Vermieterin hat Eigenbedarf angemeldet und will den alten Mann vor die Tür setzen.

Ein Prozess vor dem Amtsgericht München zeigt die verrückte Lage auf dem überhitzten Wohnungsmarkt der Landeshauptstadt: Ein 89-Jähriger und ein 36-jähriger Vater streiten um eine Drei-Zimmer-Wohnung. Der eine will ein Zuhause für seinen Sohn, der andere ist dort seit mehr als 40 Jahren verwurzelt und weiß nicht, wie er angesichts horrender Mieten mit fast 90 Jahren etwas Neues finden soll. Die 80 Quadratmeter-Wohnung, in der Kluge seit nun 44 Jahren lebt, kostet aktuell 1000 Miete.

Vor vier Jahren starb seine geliebte Frau

Die Wohnung gehört der Mutter des 36-Jährigen, die dem Mieter vor gut einem Jahr wegen Eigenbedarfs kündigte. Seitdem steht das Leben des 89-Jährigen Kopf, seine Wohnungssuche blieb erfolglos. "Die meisten haben sich nicht gemeldet", sagte der gepflegte alte Herr am Montag, als die Räumungsklage gegen ihn verhandelt wurde. Wie es weitergeht, will das Gericht am 5. April bekanntgeben. Möglicherweise wird dann auch ein Urteil verkündet.

Rudolf Kluge bekommt nun sogar von Sigmar Gabriel Unterstützung.

Die Eigentümerin begründet den Eigenbedarf mit den Wohnverhältnissen ihres Sohnes, der am Montag als Zeuge geladen worden war. Seit der Trennung von seiner Freundin wohnt der Informatiker auf beengtem Raum bei seinem Vater. Alle paar Tage ist sein zweijähriger Sohn bei ihm, auch über Nacht. "Ich muss dem Kleinen ein stabiles Umfeld geben, er hat schon so viel wegstecken müssen", sagte der 36-Jährige.

Allerdings ist auch die Lage des betagten Mieters schwierig. "Das kann ich mir nicht vorstellen, irgendwo anders zu wohnen, das wäre ganz schlimm", erklärte der 89-Jährige. "Ich kann blind durch die Wohnung gehen und finde jeden Schalter." Die Räume steckten voller Erinnerungen, auch an seine Frau, die seit vier Jahren tot ist und auf dem nahen Friedhof liegt. 1975 zog er mit seiner Frau in die Neubauwohnung in der Kafkastraße. „Es war der Erstbezug. Wir waren glücklich. Ich vermisse meine Frau.“ 

Sigmar Gabriel unterstützt 89-Jährigen

Unterstützung erfährt der 89-Jährige nun unter anderem aus der Politik: Der ehemalige SPD-Vorsitzende sowie Vizekanzler Sigmar Gabriel meldete sich auf Twitter zu Wort. „Einem 89-jährigen Rentner soll in München nach 44 Jahren die Wohnung gekündigt werden. Das ist unsozial.“ Gabriel, der aktuell für die SPD im Bundestag sitzt, äußert zudem einen konkreten Vorschlag. Er findet, es brauche ein Gesetz: „Ich finde, ein Gesetz muss her: Menschen über 70 darf die Wohnung nicht mehr gekündigt werden“, twittert der Bundestagsabgeordnete.

"So viele Jahre sind es ja nicht mehr"

Wie die Richterin verlautbarte, sei der Eigenbedarf „wohl gerechtfertigt“. Kluge darf somit nur in seinem Heim bleiben, wenn das Gericht ihn als Härtefall anerkennt. Sein Anwalt Emil Kellner ist überzeugt, dass sein Mandant ein Härtefall ist und in der Wohnung bleiben darf, auch weil er in der Nachbarschaft fest verwurzelt ist und viele Freunde hat. „Ich habe mich in Perlach für betreutes Wohnen angemeldet", so Kluge zur Bild. Das sei für ihn aber die letzte aller möglichen Lösungen. Der 89-Jährige hat eigentlich nur einen Wunsch: "Dass ich noch hier wohnen bleiben darf, so viele Jahre sind es ja nicht mehr".

mh mit Material der dpa

Quelle: rosenheim24.de

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