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So gingen die heimischen Thermen mit der „Energiekrise“ um und das sagten die Gäste dazu

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Von: Heinz Seutter

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Von links: Die Thermen in Bad Aibling, Bad Endorf und Bad Reichenhall.
Von links: Die Thermen in Bad Aibling, Bad Endorf und Bad Reichenhall. © Mork / Chiemgau Thermen Bad Endorf / Bayerisches Staatsbad Bad Reichenhall (Montage)

Wie ging es den heimischen Thermen bislang in der Energiekrise, welche Maßnahmen haben sie ergriffen und wie wurde das von den Gästen angenommen? Wir haben uns in Bad Aibling, Bad Endorf und Bad Reichenhall erkundigt.

Bad Aibling/Bad Endorf/Bad Reichenhall - „In der Therme Bad Aibling stellte man sich frühzeitig auf die befürchteten Engpässe bei der Energieversorgung ein und optimiert und reduzierte überall dort, wo es den Komfort für den Gast nicht beeinträchtigt. Der Gast steht bei uns im Mittelpunkt und somit wurde die Temperaturen der Becken auch auf dem hohen Niveau belassen wie vor der Energieknappheit“, berichtet Werkleiter Stefan Barber von den Stadtwerken Bad Aibling, „Alle Angebote standen und stehen dem Gast auch weiterhin zur Verfügung. Die gesellschaftliche Verantwortung, Energie einzusparen, um in Deutschland insgesamt gut über den Winter zu kommen, wurde jedoch in der Therme Bad Aibling sehr ernst genommen. Die gesamte Energieeinsparung,. sowohl bei Strom wie auch Erdgas, im Vergleich zum Jahr 2019 betrug im Dezember beispielsweise 14 Prozent!“

„Wir haben umfangreiche Optimierungen unseres Energieverbrauches und des Energie-Mixes vorgenommen. Von 3. Oktober bis 23. Dezember des vergangenen Jahres haben wir – als Maßnahmen, die die Gäste unmittelbar betroffen haben – in der Außentherme den Strömungskanal und den Whirlpool geschlossen sowie die Wassertemperatur im Relaxbecken auf 31 °C reduziert“, so wiederum Markus Füller, Geschäftsführer der Chiemgau Thermen. „Die Tempelaufgusssauna, die größte Sauna für bis zu 60 Personen wird Montag - Freitag, außer an Feiertagen erst um 14 Uhr statt um 9 Uhr angeschaltet, Samstag und Sonntag ab 9 Uhr. Die elektrische Saunen sowie die Wasserattraktionen werden um 21.15 Uhr ausgestellt statt um 21.30 Uhr“, erläutert Najda Kuduzovic von der Bayerische Staatsbad Bad Reichenhall/Bayerisch Gmain GmbH, „Das Familienbad öffnet wochentags außer an Feiertagen und in den Bayerischen Ferien erst um 14 Uhr für den öffentlichen Badebetrieb. Damit werden die energiehungrigen Rutschenanlagen statt um 9 Uhr auch erst um 14 Uhr in Betrieb genommen. Bis 14 Uhr nutzen die Schulen den Schwimmerbereich zum Schwimmunterricht. Die Beckentemperaturen wurden auf 34°C bis 36°C eingestellt. Schließlich wird auf dem Dach der Therme wird eine 1.000 qm PV-Anlage bis Oktober 2023 errichtet. Diese wird 233 kW Peak-Leistung haben, der erzeugte Strom von 220.000 Kilowattstunden wird komplett im Eigenverbrauch sein.“

Gäste nehmen Änderungen überwiegend an

Gerade in der kalten Jahreszeit suchen viele Menschen Erholung in der wohligen Wärme einer Therme. Doch die hohen Gas- und Strompreise zwingen viele Betreiber zum Sparen, manche müssen sogar schließen, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. Die Thermen könnten die Wassertemperatur nicht einfach absenken, um Energie zu sparen, weil dann der gesundheitliche Nutzen der Heilquellen verloren gehe, so  Brigitte Goertz-Meissner, Präsidentin des Deutschen Heilbäderverbandes gegenüber der dpa. Vor Corona hatten die gut 350 deutschen Heil- und Kurbäder zusammen rund 520.000 Beschäftigte - doch die Zahl sei schon während der Pandemie deutlich geschrumpft, weil der Betrieb zeitweise eingeschränkt werden musste und viele Beschäftigte abwanderten, so Goertz-Meissner weiter.

„Seit 25. Dezember haben wir wieder Normalbetrieb. Das heißt, alle Außenbecken, die Innenbecken sowieso, stehen wieder mit den gewohnten Temperaturen von ca. 26 °C im Aktivbecken bis 35 °C zur Verfügung“, so Markus Füller über die Lage in der Chiemgau-Therme. In Bad Aibling und Bad Reichenhall wiederum will man die Maßnahmen vorerst fortführen. „Der Großteil unserer Gäste ist uns trotz der unpopulären Maßnahmen treu geblieben, zumal wir eine Aktion angeboten haben. Sie waren einfach froh, dass wir nicht geschlossen oder die Preise gleich massiv angehoben haben. Die Besucherfrequenz in unserer Saunawelt ist deutlich gestiegen, im Vergleich zu den Eintrittszahlen der Thermenlandschaft“, fährt Füller fort. „Die Rückmeldungen der Gäste der Therme Bad Aibling waren durchwegs positiv, da wir dem Gast weiterhin das volle Angebot bieten konnten und auch künftig bieten werden. Wir sehen durch konstant hohe Besucherzahlen, dass der Gast diese Vorgehensweise schätzt und gerne in die Therme Bad Aibling kommt“, so Werkleiter Stefan Barber. „Vereinzelt waren den Gästen die 34°C bis 36°C warmen Becken zu kalt. Die Therme hatte bis 2017 Wassertemperaturen von 33°C in den Becken. Damals gab es allerdings keinelei Anmerkungen diesbezüglich“, berichtet Najda Kuduzovics aus Bad Reichenhall.

Das Fazit: Positive Nebeneffekte der Krise aber auch deutliche Gewinnrückgänge

„Die befürchtete Energiekriese war ein deutlicher Anstoß, weiter und vor allem dauerhaft Energie einzusparen. In der Therme Bad Aibling wird man sich mittelfristig um alternative Energieformen bemühen. Beispielsweise wird bereits im Jahr 2023 auf dem Dach der Eishalle eine große PV-Anlage errichtet. Energierückgewinnungsanlagen für Therme und Sauna sind in der Planung, ebenso wie eine Beheizung der Becken über eine hocheffiziente Wärmepumpenanlage, um die Therme Bad Aibling unabhängiger von fossilen Energieträgern zu machen. Jedoch sind nicht nur größere Investitionen geplant, um die Therme energetisch zu verbessern. Es werden auch kleinere, kurzfristig umsetzbare Maßnahmen zur Optimierung ergriffen. Beispielsweise wird auf dem Dach der Hausbootsauna eine PV-Anlage errichtet, die direkt in die Stromverteilung der Sauna einspeist und somit einen Teil der benötigten Energie des Saunaofens liefern wird“, resümiert Stefan Barber.

„Nach drei sehr schwierigen Monaten, in denen wir forciert lange vorbereitete Maßnahmen umgesetzt haben, ist es uns gelungen, unseren Energieverbrauch und Energie-Mix nachhaltig zu optimieren. Insofern hat die Energiekrise als Katalysator gewirkt, weil wir langfristig die Grundlagen für einen nachhaltig optimierten Betrieb der Chiemgau Thermen gelegt haben“, schließt Markus Füller. „Es ist derzeit eine schwierige wirtschaftliche Situation für Thermen und Bäder, der Energiekostenanteil ist derzeit überproportional gestiegen und fast nicht mehr leistbar“, so Najda Kuduzovic abschließend, „Die RupertusTherme hatte bis 2019, dem letzten normalen Betriebsjahr vor Pandemie- und Kriegsbeginn jedes Jahr einen positiven Cash-Flow-Gewinn von 500.000 bis 800.000 Euro, jetzt hat sich dieser aufgrund der hohen Energiekosten ins negative gedreht.

hs

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