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„Wir sind bis unter das Dach voll“

„Personal an seinen Grenzen“: Haustiere aus Corona-Zeit füllen Tierheime

Tierheim Starnberg Corona Hunde
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Wer hat ein Herz für Maya? Sie ist einer von vielen Corona-Hunden im Starnberger Tierheim. Tanja Wieber und ihre Kollegen mussten einen Aufnahmestopp verhängen, weil so viele Tiere abgegeben wurden.

Ein tapsiger Welpe ist einfach niedlich - und war eine Bereicherung in der einsamen Pandemie-Zeit. Doch jetzt ist der Alltag zurück und der Hund groß. Für die Tierheime hat die große Nachfrage nach Haustieren während der Corona-Pandemie nun belastende Folgen.

Von: Carina Zimniok, Irena Güttel und Laura Forster

München – Da ist diese Hündin, ein Doggenmischling, die wurde von ihren Besitzern fast als bösartig dargestellt. „Dabei ist das eine ganz liebe“, sagt Allegra Rudek, Tierpflegerin im Tierheim Schongau. Trotzdem wollten Herrchen und Frauchen die Hündin wieder loswerden –und Rudek sieht darin ein Muster: „Das war vermutlich ein Corona-Hund.“ 

Corona-Hunde erkennt die Tierpflegerin schon am Alter: Viele, die jetzt im Tierheim landen, sind ein bis eineinhalb Jahre alt. Die Rassen sind oft groß und schwierig – ein Zeichen dafür, dass die Anschaffung unüberlegt passierte. Von Menschen, die eigentlich gar nicht recht wissen, was sie mit dem Tier anfangen sollen. Das rächt sich irgendwann: „Meistens sagen die Besitzer, der Hund hat gebissen“, sagt Tierpflegerin Rudek. Aber das passiere nicht ohne Grund. „Die haben sich einfach nicht mit der Rasse beschäftigt.“ Gerade solche Hunde machen viel Arbeit. „Da genießt man jetzt lieber den Sommer und schiebt den Hund wieder ab.“

Wie viele andere Tierheime in Deutschland ist das Tierheim in Schongau gerade voll. Die Betreuer sind am Limit: „Die vielen Tiere bringen das Personal an seine Grenzen“, sagt der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes Thomas Schröder. Vor allem, weil viele der Hunde viel Betreuung bräuchten. Denn die Corona-Zeit hat Spuren bei jungen Hunden hinterlassen.

„Die Hunde haben schon ein Defizit“

Das stellt auch Udo Kopernik vom Verband für das Deutsche Hundewesen fest. „Die Hunde haben schon ein Defizit“, sagt er. Sie seien daran gewöhnt worden, rund um die Uhr betreut zu werden und hatten wenig Kontakt zu anderen Hunden und Menschen. Als die Besitzer nach Monaten im Homeoffice wieder zur Arbeit mussten, seien die Probleme aufgetaucht, weil sie den Hund nicht mitnehmen konnten, dieser aber nicht allein sein oder von anderen betreut werden wollte.

Auch im Tierheim München ist die Lage angespannt wie selten. „Wir sind bis unter das Dach voll“, sagt Kristina Berchtold. Das Tierheim hat schon eine Art Aufnahmestopp verhängt, es gibt Wartelisten für Hunde, Katzen und andere Kleintiere. Allein auf der für Hunde stehen 70 Tiere, die einen Unterschlupf brauchen, weil ihre Besitzer sie nicht mehr haben wollen. Der Sommer sei eh immer schwierig: In der Urlaubszeit ist das Interesse, ein neues Haustier aufzunehmen, gering. Dann gibt es die klassische Vermittlungsflaute, die Tiere stauen sich. 

Aufnahmestopp auch im Tierheim Starnberg

Auch im Tierheim Starnberg gibt es bereits einen Aufnahmestopp. „Allein in den vergangenen zwei Wochen wurden sieben neue Hunde bei uns abgegeben“, sagt Tanja Wieber. Zum Glück gebe es auch Anfragen, berichtet sie. „Aber manchmal dauert es halt etwas länger.“

Zu den Corona-Hunden, die auch in Schongau registriert wurden, kommen laut Kristina Berchtold auch noch besonders viele „Fundtiere“. „Niemand gibt gerne zu, dass er ein Tier nicht mehr haben will“, sagt sie. Dann werden sie eben heimlich ausgesetzt. Bekommen die Tiere überhaupt einen Platz im Tierheim, warten sie lange auf einen neuen Besitzer. Große, schlecht erzogene Hunde haben natürlich besonders schlechte Chancen, ein neues Zuhause zu finden. 

Ein Problem, auf das man im Tierheim Nürnberg aufmerksam macht: Den Freiwilligen, die sonst die Hunde ausführen, kann man viele dieser Corona-Tiere nicht anvertrauen. Viele Hunde verhielten sich auffällig. Sie wissen nicht, wie sie kommunizieren sollen, reagieren aggressiv und bellen bei Unbekannten.

Ein weiteres Problem ist der illegale Welpenhandel, der durch die große Nachfrage nach Hunden in der Corona-Krise aufgeblüht ist. Allein im Nürnberger Tierheim landeten vergangenes Jahr 170 Hundebabys, die die Polizei aus illegalen Transporten befreit hatte. Viele der Welpen seien viel zu jung, um von ihrer Mutter und den Geschwistern getrennt zu werden, sagt Udo Kopernik. „Auch die Erkrankungen bei jungen Hunden können auf unseriöse Züchter zurückgehen, die keine vernünftigen Gesundheitsprüfungen bei den Elterntieren machten.“ 

Illegaler Handel mit Welpen ist durch Corona aufgeblüht

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