Nach Ärger wegen "Saufgelage" im Priener Eichental 

Wirtin zweifelt an jungen Leuten: "Warum kann man nicht gesittet feiern?"

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Der Schützenwirt im Eichental: Auf dem Parkplatz würden laut Wirtin Traudl Möbius regelmäßig junge Leute parken, um sich in der Natur zu Privatpartys zu treffen und Flaschen und Müll zurückzulassen - sehr zum Ärger der Wirtsleute. 
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Prien am Chiemsee - Er liegt so idyllisch mitten in der Natur ab vom Schuss: der Schützenwirt in Au im Eichental. Hier sagen sich Fuchs und Hase noch gute Nacht - möchte man meinen. Denn gerade im Sommer ist das Eichental beliebter Austragungsort für Privat-Partys. Scherben, leere Flaschen und Müll zeugen häufig von den nächtlichen Veranstaltungen. Der Senior-Schützenwirtin reicht's. 

Nach den jüngsten Hinterlassenschaften eines "Saufgelages" platzte Traudl Möbius der Kragen: "Am vergangenen Freitag um etwa 19 Uhr war das, dapilgerten sie wieder zu Hauf hinter in den Wald. Das waren bestimmt 200 bis 250 junge Leute - alle mit Tragerln und Flaschen bewaffnet. Geparkt haben sie wie üblich bei uns auf dem Wirtsparkplatz."

Letzteres sei "besonders ärgerlich und beinahe schon geschäftsschädigend", wie sie selbst sagt: "Wir haben im Schützenwirt oft Übernachtungsgäste, die neben den eigentlichen Gästen dann keinen Platz mehr für ihr Auto haben. Auch die angrenzende Wiese ist oft voll mit Autos - teilweise mit österreichischen Kennzeichen." Die jungen Leute würden zudem die Toiletten der Wirtschaft ungefragt mitbenutzen - ohne im Schützenwirt etwas zu essen oder zu trinken. 

"Und wenn man dann was sagt, ploppt tags drauf eine miese Bewertung im Inernet auf", ergänzt Tochter Monika Möbius. "Das ärgert mich persönlich am allermeisten." 

"Früher gab es das nicht"

Traudl Möbius schildert im Gespräch mit rosenheim24.de einen typischen Ablauf einer lauen Sommernacht im Eichental. Sie liege nachts oft wach, könne nicht schlafen, weil Musik und Stimmengewirr der Feiernden in ihr Zimmer dringen. Am nächsten Tag seien leere Flachen, Biertragerl und Müll stumme Zeugen der Treffen. 

"Das kann doch nicht sein, dass die jungen Leute den Anstand derart verloren haben - früher gab es das nicht, da hat man seinen Müll wieder mitgenommen. Aber heutzutage verabredet man sich nur noch online und bei Facebook-Partys sagen ja gleich 300 Leute zu, die von überall her kommen", wettert die 66-Jährige und stellt gleichzeitig klar: "Ich bin nicht bösartig und möchte auch niemanden eine schöne Nacht im Freien verbieten. Aber muss man denn all den Dreck und Müll wirklich liegen lassen? Wir haben es so schön hier, warum kann man nicht gesitteter feiern? Im Kneippbecken des Eichentals liegen viel zu oft Scherben, an denen sich Kinder schneiden können. Außerdem denke ich an die Wildtiere, wo sollen die nachts Schutz suchen, wenn die Feiernden lautstark in ihr Revier dringen? Es reicht ja schon, dass die vielen Hundebesitzer ihre Vierbeiner frei laufen lassen in dem Bereich."

Bilanz der Polizei: "Es war schon mal deutlich schlimmer" 

Der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Prien Josef Biermaier kann die Beschwerden von Traudl Möbius nicht im vollem Umfang nachvollziehen: "Die Situation rund um das Eichental und im Bereich des Schützenwirts ist aus polizeilicher Sicht relativ unproblematisch und oft handelt es sich lediglich um Lapalien. Es war schon mal deutlich schlimmer was Scherben und Müll nach Privat-Partys angeht. Häufig sind es eben die Schüler, die dort nach den Prüfungen im Sommer ihren Abschluss feiern." Zudem habe die Gemeinde eine Grünanlagensatzung, an die sich die Bürger halten müssen. Dies wüssten die Schüler auch, dass sie ohne Genehmigung nicht feiern dürften. 

Leere Biertragerl, Flaschen und Müll zeugen von "Saufgelagen" rund um das Priener Eichental. 

Das jüngste Treffen von Jugendlichen habe tatsächlich am Freitag, 16. August, stattgefunden und sei nicht direkt im Eichental über die Bühne gegangen, sondern auf einem Privatgrundstück eines Landwirts. Von diesem seien Biermaier zufolge bis dato keine Beschwerden eingereicht worden.
Von der Inspektion Prien sei an diesem Abend eine Streife vor Ort gewesen: "Uns ist der Verantwortliche der Party bekannt. Auf ihn wird womöglich noch eine Rechnung zukommen für die Aufräumarbeiten von Seiten der Gemeinde. Allerdings sieht man ja auch schon auf den Fotos, dass die Flaschen bereits zusammengeräumt wurden im Mülleimer und die Träger gestapelt." 

Warum die jungen Erwachsenen, um die es sich zumeist bei den Feiernden handele, überhaupt die Hinterlassenschaften in der Natur liegen lassen, erschließt sich dem Polizeibeamten allerdings auch nicht: "Das ist heutzutage leider so, dass nichts mehr mitgenommen und aufgeräumt wird und oft das Hauptproblem, mit dem wir uns in dem Bereich des Eichentals herumschlagen müssen."

"Mit Ausmaßen wie diesen hat nicht jede Gemeinde zu kämpfen"

Diesen Tenor wiederholt auch Traudl Möbius abschließend: "Ich verstehe das alles nicht. Da demonstrieren sie während der Schulzeit auf 'Fridays-for-Future'-Veranstaltungen und lassen trotzdem Müll und Dreck in der Natur zurück - wie passt das denn zusammen?

Die jüngste Aussage Martina Lehmanns von der "Prien Marketing GmbH", dass Prien nicht die einzige Gemeinde sei, die mit solchen Fällen zu kämpfen habe, könne die Senior-Wirtin nicht begreifen: "Nein, mit Ausmaßen wie diesen hat absolut nicht jede Gemeinde zu kämpfen. Und wer mir das alles nicht glaubt, den lade ich herzlich ein, bei uns im Sommer eine Woche lang zu wohnen und sich mit einem Blick auf die blanke Realität eines Besseren belehren zu lassen." 

mb

Quelle: rosenheim24.de

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