Schwerpunkt Gefechtsdienst

Mali, Berglöwe und Wettkämpfe - Gebirgsjäger müssen sich beweisen

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Für Brigadegeneral Jared Sembritzki liegt der Schwerpunkt der Gebirgsjäger im Gefechtsdienst.
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Bad Reichenhall - Nicht erst seit der Aussetzung der Wehrpflicht befindet sich die Bundeswehr im Umbruch. Mit Brigadegeneral Jared Sembritzki sitzt seit nicht ganz zwei Jahren einer bei den Gebirgsjägern am Ruder, der klare Vorstellungen von seiner Truppe hat.

Das Wort Trendwende will der General bei einem Pressegespräch am Dienstagvormittag nicht in den Mund nehmen. "Bei der Bundeswehr sprechen wir von einer Lageänderung", erklärt er schmunzelnd. Dennoch sei es Fakt, dass die Truppe es nicht mehr so könne, das Gefecht. Das will Sembritzki ändern, denn mittlerweile müsse sich die Bundeswehr fragen: "Wie sind wir vorbereitet, wenn der Krieg kommt?"

"Natürlich kann keiner sagen, wie der Krieg aussieht. Wenn wir Krieg hören, denken wir an den zweiten Weltkrieg. Soweit muss es ja nicht kommen, aber vor allem nach den Konflikten mit Russland hat der Feind wieder ein Gesicht bekommen", so der gebürtige Berliner. Deshalb ist für ihn klar, dass nur eines in der Ausbildung der Gebirgsjäger wirklich zählt: der Gefechtsdienst.

"Können deswegen nicht den Krieg absagen"

"Die Truppe muss verstehen, dass der Gegner ebenbürtig ist", fordert Brigadegeneral Sembritzki. Dabei könne kein europäisches Arbeitszeitgesetz oder fehlende Ausrüstung vorgeschoben werden. "Wir haben zu wenig Nachtsichtgeräte, ja das stimmt. Aber nur weil ich zu wenig Nachtsichtgeräte habe, kann ich nachts keine Gefechtsübung durchführen?!" Man könne nicht nur, man müsse sogar. "Wir können deswegen nicht den Krieg absagen."

Durch Gefechtsübungen wie den 'Berglöwen' wird die Bundeswehr auch auf heimischen Straßen wieder präsenter.

Um ein Umdenken in seiner Truppe zu erreichen, hat Sembritzki klare Strukturen geschaffen. "Ich habe drei Gebirgsjägerbataillone unter mir. Davon ist eines im Auslandseinsatz, eines im Gefechtsdienst und das dritte übernimmt Sonderaufgaben wie Wettkämpfe, Ehrenposten und ähnliches." Demnach kann sich jeder Kommandeur darauf einstellen, was er mit seiner Truppe ein Jahr lang macht, dann wird getauscht.

Mali und Berglöwe

Das Gebirgsjägerbataillon 232 aus Bischofswiesen befindet sich im Einsatzjahr. Das bedeutet, dass circa 500 Soldaten ab Mitte März in Mali im Einsatz sein werden. Ein Einsatz, der gefahrentechnisch durchaus mit Afghanistan zu vergleichen ist. "Wir hatten bisher in Mali Gott sei Dank keine Gefallenen. Je mehr wir unterwegs sind, desto gefährlicher wird es aber."

Die Soldaten des Gebirgsjägerbataillons 231 in Bad Reichenhall bereiten sich im Gefechtsdienst vor allem auf die Einsatzübung 'Berglöwe' im Mai vor. Dort will Sembritzki sehen, ob seine Änderungen in der Ausbildung bereits Früchte trägt. Eines weiß er sicher: "Die Truppe will raus. Sie will auch wieder mehr Drillausbildung." Das kommt dem 49-Jährigen sehr gelegen. Er erwartet von seinen Soldaten vor allem, dass sie wieder ein Verantwortungsgefühl entwickeln, dass dann im Gefecht/Krieg zum Tragen kommt.

Der Orts- und Häuserkampf stellt einen wichtigen Teil der Ausbildung fürs Gefecht dar.

Um die Lageänderung fest in seiner Truppe zu verankern gibt Jared Sembritzki seinen Soldaten die Freiheit, nicht mehr alles machen zu müssen. Kurz, nicht für jeden Befehl eine 50-seitige Ausführung zu schreiben, sich hinter dem Computer zu verstecken. Ein Problem, das hausgemacht sei, so der Brigadegeneral. Auch müsse wieder aus den Köpfen raus, dass die Rechtmäßigkeit eines jeden Befehls hinterfragt werde. "Wir müssen die Dinge wieder beim Namen nennen." So wie der Brigadegeneral, der hofft, dass in einem Jahr, wenn es um seine Versetzung/Beförderung geht, vielleicht noch eine Verlängerung möglich ist. Denn: "Es ist ein Privileg hier zu arbeiten."

cz

Quelle: BGland24.de

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