Landratsamt bezieht deutlich Stellung

Urlauber fürchtet sich vor Flüchtlingen: Keine Kur mehr in Marzoll?

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Bad Reichenhall - Ein Urlauber macht seit Jahren Urlaub in Bad Reichenhall. Nun liest er daheim die Nachrichten und fürchtet auf einmal um seinen Urlaub. Wegen der Flüchtlinge, die bei uns wohnen. Was das Landratsamt dazu sagt:

Viele Leser schicken Anfragen an unsere Redaktion. Die folgende gehört zu denen, die auf den ersten Blick viel Kopfschütteln hervorgerufen hat: "Hallo. Ich war im Herbst 2015 zum letzten Mal auf Kur in Marzoll und bekam die Probleme der Flüchtlingswelle voll mit. Ich würde eigentlich gerne wiederkommen wollen, aber meine Angst und der verlorene Erholungswert hindern mich daran. Ich war immer nur zu Fuß unterwegs und meine Lieblingsstrecke führte über den Schroffen zum Thumsee über die schönen Salinenwege. Nun wohnen auf dem Schroffen Flüchtlinge habe ich erfahren und denen traue ich nicht über den Weg, denn ich bin geistig teilweise behindert und auch etwas ängstlich.

Meine Erholung war Spazieren gehen, Wandern, Ausrasten und die herrliche Gegend genießen und das haben mir die Flüchtlingsunterkünfte in Bad Reichenhall und vielen Kurorten in Bayern leider weggenommen.  Meine Frage nun: Bleiben die Flüchtlinge alle oder müssen die wieder zurück und gab es dort auch schon Probleme und Vorfälle, wie wo anders auch überall? Sind also Bad Reichenhall Flüchtlinge wichtiger als Kurgäste?"

"Betreuung der Flüchtlinge ist gut aufgestellt!"

BGLand24.de hat diese Kontaktanfrage zum Anlass genommen und das Landratsamt Berchtesgadener Land um eine Stellungnahme gebeten. "Die Betreuung der Flüchtlinge im Landkreis ist sehr gut aufgestellt", so Andreas Bratzdrum, der Pressesprecher des Landratsamtes Berchtesgadener Land im Gespräch mit BGLand24.de. Und der Sprecher erläuterte die weiteren Maßnahmen:

  • Im Landkreis übernimmt die persönliche Betreuung der Asylbewerber die Caritas, die sogenannte Asylsozial-Betreuung. Bei komplexen Behördengängen, der Arbeitssuche, oder auch in der Bewältigung von Traumata stehen die Asylsozialbetreuer den Asylbewerbern zur Seite
  • Im Landkreis BGL gibt es viele Menschen und Institutionen, die den Flüchtlingen bei der Integration helfen - Cafe International, Helferkreise oder die neue Online-Präsenz "Netzwerk für Geflüchtete Bad Reichenhall"
  • Darüber hinaus gibt es fast in jeder Gemeinde einen ehrenamtlichen Helferkreis bzw. in Bad Reichenhall sind selbst auch viele einzelne Ehrenamtliche tätig, die Flüchtlinge integrieren möchten und so auch die Asylsozialbetreuung unterstützen.
  •  Hilfe zur Selbsthilfe ist hier besonders wichtig, eine Integration bedeutet vor allem Sprachkenntnisse und Selbstständigkeit. Die Ehrenamtlichen unterstützen die Flüchtlinge bei der Arbeitssuche, geben Hausaufgabenbetreuung oder auch Deutschkurse. Manchmal werden auch Patenschaften übernommen, die eine intensive Betreuung eines einzelnen Flüchtlings ausmachen. 
  • Auch eine gemeinsame Freizeitgestaltung, das Integrieren in Vereinen wird von den Ehrenamtlichen angestrebt, um so die geflüchteten Menschen in die Gesellschaft und das Alltagsleben in Deutschland aufzunehmen oder auch eine sinnvolle Zeit bis zur Entscheidung über den Asylantrag zu ermöglichen. 
  • Daneben werden auch (zum Teil von den Helferkreisen) Veranstaltungen wie ein Café International organisiert, das auch bereits in mehreren Gemeinden besteht
  • Für die Unterkünfte gibt es auch Hausverwalter, die vom Landratsamt eingesetzt werden. Im Schroffen selbst gibt es zum Beispiel zusätzlich einen Hausmeister, der vom Eigentümer eingesetzt wird. Im Schroffen besteht noch die Besonderheit, dass in der Unterkunft regelmäßig Deutschkurse stattfinden. Diese sollen nicht nur eine schnelle Integration, sondern auch einen geregelten Alltag für die Bewohner der Unterkunft ermöglichen. In einer anderen Unterkunft in der Nähe wird dafür auch an zwei Tagen nachmittags eine Kinderbetreuung gestellt, damit die Eltern die Deutschkurse besuchen können. Letzten Dienstag fand dort auch ein Kinderfasching statt. 

"Pauschale Verdächtigungen inakzeptabel"

Bratzdurm findet abschließend klare Worte: "Nach unserem Kenntnisstand gibt es keine gesteigerte Kriminalitätsrate in Verbindung mit Asylbewerbern im Landkreis und keine Auffälligkeiten im Vergleich zu Einheimischen." Zudem seien pauschale Verdächtigungen oder Stigmatisierungen von Migranten völlig unangebracht und unakzeptabel, so Bratzdurm weiter.

Quelle: BGland24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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