Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Sechs Bayern festgenommen – zwei im Ausland

Ermittler: Ein Bayer war „persönlicher Referent“ des Reichsbürger-„Führungsstabs“

Der Prinz, der gerne König von Deutschland wäre, bei seiner Verhaftung im Frankfurter Westend.
+
Der Prinz, der gerne König von Deutschland wäre, bei seiner Verhaftung im Frankfurter Westend. Ein festgenommener Bayer sei laut den Ermittlern die rechte Hand gewesen.

Karlsruhe – Die Reichsbürgerszene steht in Deutschland im Visier des Verfassungsschutzes. Nun sind Tausende Polizisten in fast allen Bundesländern ausgerückt, um Verdächtige festzunehmen. Laut Bundesanwaltschaft plante eine Gruppe den Staatsumsturz.

Update, 17.35 Uhr - Ermittler: Ein Bayer war Teil der Führungsriege

Sie planten einen Umsturz: Gegen eine mutmaßliche Terrorgruppe aus der Reichsbürgerszene sind am Mittwoch mehrere Tausend Polizisten vorgegangen – auch in Bayern. Einer der Festgenommenen soll als rechte Hand von einem der Anführer fungiert haben.

Ein Mann aus Bayern ist nach Auffassung von Ermittlern die rechte Hand von einem der beiden Anführer der Reichsbürger-Gruppe, gegen die Ermittler am Mittwoch bei einer Großrazzia vorgegangen sind. Der Verdächtige sei am Mittwochmorgen im Freistaat festgenommen worden, teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mit. Er soll innerhalb der Vereinigung als „persönlicher Referent“ eines der beiden mutmaßlichen Rädelsführer, Heinrich XIII. Prinz Reuß aus Hessen, fungiert haben.

Laut Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) wurden sechs Menschen aus Bayern im Zusammenhang mit der Aktion festgenommen, zwei davon im Ausland. Zwei der im Freistaat Festgenommenen gehörten nach Auffassung der Ermittler zum „Führungsstab“ eines „militärischen Arms“ der Gruppe, die die staatliche Ordnung in Deutschland stürzen und durch eine eigene ersetzen wollte. Letztere sei in Grundzügen ausgearbeitet gewesen. Die terroristische Vereinigung hätte für ihr Ziel auch Tote in Kauf genommen, hieß es von der Bundesanwaltschaft.

Update, 13.40 Uhr - Sechs Bayern festgenommen – zwei davon im Ausland

Bei der Großrazzia in der Reichsbürgerszene sind nach dpa-Informationen aus Sicherheitskreisen 26 Objekte in allen bayerischen Regierungsbezirken durchsucht worden. Insgesamt wurden sechs Bayern festgenommen, teilte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Mittwoch im Innenausschuss des Landtags mit, zwei von ihnen im Ausland. Im Einsatz waren laut Herrmann in Bayern Einsatzkräfte im „mittleren dreistelligen Bereich“, darunter auch Spezialeinheiten.

Es handele sich um eine extrem wichtige und eine der größten Aktionen des Rechtsstaates und sei ein wichtiges Zeichen für die Demokratie, betonte Herrmann. Der Rechtsstaat werde auch weiterhin alles tun, um solche verbrecherischen und terroristischen Umtriebe zu unterbinden. Es sei ein „gutes Zeichen“, dass die Behörden rechtzeitig darauf aufmerksam wurden.

Update, 11.10 Uhr - Innenministerin Faeser spricht von „Abgrund einer terroristischen Bedrohung“

Die Umsturzpläne der sogenannten Reichsbürgerszene lassen nach den Worten von Innenministerin Nancy Faeser (SPD) in den „Abgrund einer terroristischen Bedrohung“ blicken. Deren Initiatoren seien „von gewaltsamen Umsturzfantasien und Verschwörungsideologien getrieben“, erklärte die Ministerin am Mittwochvormittag in Berlin. 

Faeser sprach ausdrücklich von einer mutmaßlich terroristischen Vereinigung. „Militante Reichsbürger verbindet der Hass auf die Demokratie, auf unseren Staat und auf Menschen, die für unser Gemeinwesen einstehen.“ Die Bundesanwaltschaft hatte zuvor deutschlandweit 25 Menschen festnehmen lassen. Sie sollen einen Umsturz geplant und dafür teilweise auch mit Waffen trainiert haben.

Erstmeldung, Mittwoch (7. Dezember), 9.04 Uhr

Wie die Bundesstaatsanwaltschaft berichtet, seien am Mittwochmorgen 25 Menschen aus der sogenannten Reichsbürgerszene während einer Razzia festgenommen worden. Rund 3000 Beamte seien in elf Bundesländern im Einsatz, sagte eine Sprecherin der Karlsruher Behörde der Deutschen Presse-Agentur. Sie wirft den Beschuldigten vor, den Umsturz des Staates vorbereitet zu haben. Wie der Spiegel berichtet, seien bei dem Einsatz auch Spezialkräfte der Bundesländer und das GSG 9 der Bundespolizei hinzugezogen worden.

Davon sollen 22 der festgenommenen Mitglieder einer terroristischen Vereinigung sein, zwei davon Rädelsführer. Drei weitere gelten als Unterstützer. Zudem gebe es 27 weitere Beschuldigte, sagte die Sprecherin. „Wir haben noch keinen Namen für diese Vereinigung“, sagte sie. Sie begründe sich wohl auf Verschwörungsmythen.

Durchsuchungen im ganzen Bundesgebiet

Festgenommen wurden die Menschen den Angaben nach in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Hessen, Niedersachsen, Sachsen und Thüringen sowie jeweils eine Person in Österreich (Kitzbühel) und Italien (Perugia). Durchsuchungen habe es darüber hinaus in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland gegeben.

Auf Nachfrage von rosenheim24.de bei der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe bestätigt ein Pressesprecher die erfolgten Durchsuchungen und auch die Festnahmen: „Es kam hier zu Maßnahmen im gesamten Bundesgebiet, und daher auch in Bayern“, bestätigt der Sprecher. In drei Fällen werde nun konkret wegen des Verdachts auf die Unterstützung einer terroristischen Vereinigung weiter ermittelt. Allen anderen Beschuldigten werde die Mitgliedschaft in einer staatsgefährdenden Gruppierung vorgeworfen. Festnahmen wären in Bayern unter anderem in den Landkreisen Miesbach, Freyung-Grafenau, Bayreuth, Ansbach und Schweinfurt erfolgt.

In diesen Landkreisen und Bezirken in Bayern kam es zu Razzien

Neben den Verhaftungen seien im Bundesgebiet zusätzlich rund 130 Durchsuchungen in diesem Zusammenhang erfolgt, so der Sprecher der Bundesanwaltschaft weiter. Objekte in den Landkreisen Miesbach, Dachau und München sowie in vielen weiteren Landkreisen außerhalb Oberbayerns wie etwa Augsburg, Regensburg und Oberallgäu wurden zum Ziel von umfangreichen Razzien. Welche Kasernen im Süden der Republik bisher im Visier der Ermittler liegen, will der Sprecher der Bundesanwaltschaft dagegen nicht kommentieren.

Noch am Mittwoch wollte die Bundesanwaltschaft mit der Vernehmung der ersten Festgenommenen beginnen, wie die Sprecherin sagte.

Reichsbürger sind Menschen, die die Bundesrepublik und ihre demokratischen Strukturen nicht anerkennen. Sie weigern sich oft, Steuern zu zahlen. Oft stehen sie im Konflikt mit Behörden. Der Verfassungsschutz rechnet der Szene rund 21.000 Anhänger zu.

Das glauben die Reichsbürger

Die Mitglieder der Gruppierung folgen einem Konglomerat aus Verschwörungsmythen bestehend aus Narrativen der sogenannten Reichsbürger- sowie QAnon-Ideologie. Sie sind der festen Überzeugung, dass Deutschland derzeit von Angehörigen eines sogenannten „Deep State“ regiert wird. Befreiung verspricht nach Einschätzung der Mitglieder der Vereinigung das unmittelbar bevorstehende Einschreiten der „Allianz“, eines technisch überlegenen Geheimbundes von Regierungen, Nachrichtendiensten und Militärs verschiedener Staaten, einschließlich der Russischen Föderation sowie der Vereinigten Staaten von Amerika. Die Vereinigung ist der festen Überzeugung, dass sich Angehörige der „Allianz“ bereits in Deutschland aufhalten und deren Angriff auf den „Deep State“ zeitnah bevorstehe.

Bei einer Razzia im Jahr 2016 hatte ein sogenannter Reichsbürger im bayerischen Georgensgmünd auf vier Polizisten geschossen. Einer von ihnen erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen. Das Spezialeinsatzkommando wollte die Waffen des Jägers beschlagnahmen.

sl/fgr/dpa

Kommentare