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Rauchentwicklung in Industriegebäude in Peterskirchen

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Wie viel Volksmusik verträgt die Wiesn?

Stimmungskiller Volksmusik? Eklat um Kapelle Josef Menzl spaltet Wiesn-Besucher

Ärger um Blaskapelle auf Oktoberfest
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Kapellmeister Josef Menzl (zweiter von links) steht im Kreis anderer Musiker der «Kapelle Josef Menzl» im Bräurosl-Oktoberfestzelt. Dass die Kapelle negative Kommentare einstecken musste, hat ihn enttäuscht.

Echte Bayern schäumen: Die Volksmusik hat auf der Wiesn ausgspuit - zumindest halb. Die Kapelle Josef Menzl darf nach Beschwerden nur noch tagsüber in der Bräurosl auftreten. Abends sollen Partykracher einheizen. Haben Layla, Helene Fischer & Co. jetzt Vorrang? Darüber sind sich selbst die Besucher nicht ganz einig.

von Dirk Walter und Rebecca Habtemariam

München – Am Tag nach dem Eklat ist eigentlich alles wie immer. Auf der Bühne in der Bräurosl spielt an diesem Donnerstag (22. September) gegen 12 Uhr die Volksmusik-Kapelle Josef Menzl. Das Zelt ist nicht übervoll, aber doch gut besucht. Hans Schmid ist extra aus Bad Aibling gekommen, um Josef Menzl zu hören. „Das ist richtige bayerische Volksmusik.“ Sein Spezl Georg Rammelsberger pflichtet ihm bei: „Wenn die in Straubing spielen, kommt man ohne Reservierung gar nicht ins Zelt.“

Nur laue Besucherzahlen

Das sieht offenbar nicht jeder so. Die Kapelle Josef Menzl, seit über 20 Jahren im Geschäft, nennt sich zwar selbst die „drittschönste Kapelle“ – nach den Rolling Stones und Motörhead. Gegen den Partyfluch auf der Wiesn aber hatten sie keine Chance. Abends heizt in der Bräurosl ab sofort die Coverband „Erwin und die Heckflossen“ ein. Menzl darf nur noch tagsüber ran – das Konzept Volksmusik statt Partykracher hat der Bräurosl nur flaue Besucherzahlen beschert.

Josef Menzl sagt geknickt: „Man möchte nicht glauben, dass in einem bayerischen Bierzelt Blasmusik nicht ankommt.“ Experten reagieren ähnlich: „Ich hab’s erst gar nicht glaubn können“, sagt Sepp Obermeier vom Bund Bairische Sprache. Er kennt Josef Menzl vom Straubinger Gäubodenfest. Der „lässt sich nicht verbiegen und begibt sich nicht auf Layla-Niveau“. Dann lässt Obermeier noch eine Salve gegen die „geistige Orientierungslosigkeit“ heutiger Wiesn-Besucher ab, die echte Volksmusik nicht zu schätzen wissen, aber „in Pseudo-Trachten“ ins Bierzelt gehen.

Dirndl und Lederhosn, aber keine Volksmusik?

Da ist er einer Meinung von Rudolf Neumeier vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege. „Man zieht Dirndl und Lederhosn an“, wundert er sich, „und dann mag man die Musik nicht. Wo sam ma denn?“ Manche Besucher sehen es differenzierter: „Wir sind für die Volksmusik, die Wiesn steht immerhin für Tradition. Aber abends, wenn der Pegel da ist, da kann man ruhig auch Partymusik spielen“, sagt der 34-jährige Philipp Dorn in der Bräurosl.

Online hat die Band zuletzt Negativ-Kommentare einstecken müssen. Sogar von der „Stimmungskiller-Band“ ist die Rede. Eine Frau will an vier Tagen ihre Tische abgeben, weil ihr die Band nicht gefällt. „Die Leute müssen sich einfach vorher darüber informieren, was es für Musik gibt“, sagt hingegen Besucherin Stefanie Fröstl. „Schade, dass die Band deshalb jetzt so viel negative Aufmerksamkeit bekommt.“

Schon seit 15 Jahren immer mehr Partymusik

Dass Partymusik immer mehr Einzug in die Bierzelte erhält, ist nicht neu. „Schon seit 15 Jahren ist es so, dass die Bläser ab 17 Uhr im Hintergrund sind und von Bass, E-Gitarre und Gesang übertönt werden“, sagt Andreas Horber, Geschäftsführer des Bayerischen Blasmusikverbandes. Deshalb hätten die Bräurosl-Gäste eine andere Erwartungshaltung. „Auf dem Land passiert aktuell das Gegenteil: Dort treten immer mehr junge Blasmusiker auf, die aber auch modernere Songs spielen.“ Horber glaubt, man müsse mehr werben: „Sonst erreichen Blasmusikhits das internationale Publikum nicht.“

Trotzdem bewundere er den Mut der Wirte, Volksmusik durchsetzen zu wollen. Das schätzt auch Leonhard Meixner, Bezirks-Volksmusikpfleger von Oberbayern. Ihn überrascht die negative Rückmeldung trotzdem nicht: Die Wiesn sei „rein kommerziell. Das Klientel hat nicht diese Liebe für Blasmusik, sondern braucht eher Mainstream-Popmusik.“ Wer reine Blasmusik will, sagt Meixner, soll auf die passenden Feste. Er macht sich keine Sorgen: „Die Volksmusik lebt weiter.“

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