Tote Schafe in Traunstein und Kössen

Erste DNA-Ergebnisse da: Kein Hund, kein Wolf - überraschende Wende?

Mehrere Schafe wurden in den letzten Monaten in Tirol und Bayern gerissen. War es ein Wolf? Oder doch Hunde? Nun liegen die ersten DNA-Ergebnisse vor - und bringen eine spektakuläre dritte Möglichkeit ins Spiel.

In den vergangenen Wochen und Monaten wurden mehrere Schafe im Chiemgau und in den direkt angrenzenden Landesteilen Tirols gerissen. Auf Tiroler Seite wurden im Verlauf des Junis getötete Schafe in Walchsee und Kössen aufgefunden. Bei Traunstein wurden dann Ende Juni sechs getötete Tiere entdeckt. Von den Tieren wurden Proben entnommen, um via DNA-Analyse festzustellen, ob sie von Wölfen gerissen wurden. Schließlich besteht auch die Möglichkeit, dass die Schafe durch streunende Hunde getötet wurden.


War es ein Wolf? Erste Ergebnisse liegen vor

Nun liegen die ersten Ergebnisse vor: "Experten des Netzwerks Große Beutegreifer konnten genetische Proben des verursachenden Tieres gewinnen", wie das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) in einer Presseaussendung mitteilt. Überdies wurden die Ergebnisse mit jenen der österreichischen Kollegen, welche die Risse in Kössen beziehungsweise Walchsee untersuchten, abgeglichen. Das Resultat: Alle Proben wurden demselben Haplotypen zugeordnet. Sprich: Für alle untersuchten Risse ist ein- und dieselbe Tierart verantwortlich zu zeichnen. Und mehr noch - es handelt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um ein und das gleiche Individuum.

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Überraschende Wende um "Chiemgaus Wölfe"?

Das ist aber noch nicht alles. Die genetische Auswertung verweist auf Wolfsgruppen, die in Südosteuropa, wie Slowenien und Kroatien, vorkommen. Aber - und da könnte sich eine unerwartete Wende andeuten - der Haplotyp kommt auch bei Hundezüchtungen wie dem Wolfshund vor. Für eine abschließende Beurteilung seien aber aufwendige und tiefergehende Analysen notwendig, "weshalb ein endgültiges Ergebnis erst in mehreren Wochen erwartet wird."

Bei Wolfshunden - oder "Wolfshybriden" - handelt es sich um Mischlinge zwischen Hunden und Wölfen. In freier Wildbahn "kreuzen" sich Wölfe und Hunde äußerst selten. Vielmehr werden Hybride von Menschen gezielt gezüchtet. In den letzten Jahren haben sie sich in weiten Teilen Europas zu einem regelrechten Trend entwickelt. 

Die Kreuzung von Hund und Wolf ist höchstumstritten. Zum einen, da die Hybriden starke Wesensmerkmale von Wölfen zeigen - etwa, dass sie nur wenig bis überhaupt kein Zutrauen zu Menschen entwickeln. Ihre Haltung gilt daher als extrem schwierig. Viele Halter sehen sich mit den Tieren überfordert, und wildern sie dann einfach aus. Das führt dann zu weiteren Problemen: Wolfs-Hybride könnten sich in freier Wildbahn wiederum mit Wölfen vermischen, was die Vitalität von Wolfsrudeln erheblich beeinträchtigen kann. Schließlich haben sich die beiden Caniden-Populationen schon vor zu langer Zeit getrennt, sodass Hunde nicht mehr optimal an ein Leben in freier Wildbahn angepasst sind.  

-dp-

Quelle: rosenheim24.de

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