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Ukraine-Krieg

Tegernseerer wollen Putins Oligarch Usmanow Zähne zeigen

Der russische Oligarch Alischer Usmanow vor seinem Eigenheim in Rottach-Egern am Tegernsee.
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Der russische Oligarch Alischer Usmanow vor seinem Eigenheim in Rottach-Egern am Tegernsee.

Seit 2011 besitzt der russische Oligarch Alischer Usmanow Immobilien am Tegernsee. Er ist einer von einer Handvoll russischer Villenbesitzer dort. Mit der Bergidylle dort ist es jetzt wohl aber vorbei.

München/Tegernsee – Alischer Usmanow ist geschätzt 15 Milliarden Dollar schwer. Er besitzt Immobilien in Russland, Usbekistan, Großbritannien, Italien – und auch am Tegernsee. Nahe seiner Villa in Rottach-Egern demonstrierten am Mittwochabend gut 200 Menschen gegen den russischen Krieg in der Ukraine. Denn Usmanow ist nicht nur einer der reichsten Russen, er gilt auch als Vertrauter von Präsident Wladimir Putin – und steht deshalb auf der Sanktionsliste der Europäischen Union. Gegen ihn und andere Kreml-treue Oligarchen hat die EU ein Einreiseverbot verhängt und will Vermögenswerte einfrieren. Damit verbunden ist die Hoffnung, dass sich über die mächtigen Männer Einfluss auf Putin nehmen lässt.

Seit 2011 gehört die Villa im Landhausstil dem 68-jährigen Milliardär usbekischer Herkunft. Und Usmanow ist nicht der einzige russische Superreiche, der dem oberbayerischen Bergblick etwas abgewinnen kann. „Eine gute Handvoll kann es bei uns im Ort schon sein“, sagt der Rott-acher Geschäftsleiter Gerhard Hofmann – und meint die Zahl russischer Villenbesitzer. Doch nicht nur am Tegernsee, auch im Raum GarmischPartenkirchen fühlen sich Oligarchen wohl. Roman Abramowitsch, verkaufswilliger Besitzer des Fußballclubs Chelsea London, hat hier Anfang des Jahrtausends das bekannte Leitenschlössel erworben. Ob es ihm heute noch gehört, ist unklar.

Es sei natürlich wichtig, dass jetzt nicht jeder Russe im Oberland unter Generalverdacht gestellt wird, sagt der Bundestagsabgeordnete Alexander Radwan (CSU) aus der Tegernsee-Gemeinde Rottach-Egern unserer Zeitung. Entscheidend sei, wer auf der Sanktionsliste der EU steht. Darauf finden sich derzeit neben Usmanow unter anderem auch Igor Setschin, der Boss des Staatskonzerns Rosneft, dessen Aufsichtsrat Altkanzler Gerhard Schröder führt, oder der Tui-Großaktionär Alexej Mordaschow, der deshalb gerade aus dem Aufsichtsrat des Reiseunternehmens ausschied.

Doch wie schwer die Maßnahmen die Betroffenen wirklich treffen, ist umstritten. Denn die Sanktionen haben sich angedeutet und die Oligarchen hatten somit Zeit, zumindest einen Teil ihrer Besitztümer in Sicherheit zu bringen. Darüber hinaus verfügen sie über die Mittel, sämtliche juristische Möglichkeiten auszuschöpfen, um ihr Vermögen zu schützen.

So erwies sich gestern auch die Nachricht als falsch, dass TeilzeitRottacher Usmanow bereits weit unangenehmere Folgen zu spüren bekommen habe, als Demonstrationen in seinem Urlaubsort. Einem Bericht des US-Magazins „Forbes“ zufolge war seine 600 Millionen Euro teure Luxusjacht „Dilbar“ – ausgerüstet mit einem Riesen-Swimmingpool und zwei Helikopterlandeplätzen – im Hamburger Hafen beschlagnahmt worden. Die zuständige Behörde dementierte das aber am Nachmittag.

Der Hintergrund ist unklar. Doch gerade in der Superjachten-Szene werden Schiffe gerne über Holdings oder Briefkastenfirmen in Steuerparadiesen registriert, um die wahren Eigentümer zu verschleiern. Genau dieser Nachweis ist aber notwendig, um ein solches Schiff an die Kette legen zu können.

Für Radwan sind die Sanktionen aber trotz aller Schlupflöcher kein stumpfes Schwert. „Ich glaube, der ein oder andere Oligarch denkt jetzt schon darüber nach, ob die jetzt eingefrorenen Werte am Ende wieder aufgetaut werden“, sagt er. Nun gehe es darum, schnell ein System zu finden, mit dem sich die teils verwobenen Finanzflüsse der Putin-Vertrauten noch genauer unter die Lupe nehmen und möglichst auch einziehen lassen. „Die Bundesregierung sollte versuchen, für die Vermögensabschöpfung ähnliche rechtliche Grundlagen zu schaffen, wie es sie bei der Bekämpfung von Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung schon gibt“, sagt Radwan.

Ein anderer Oligarch hatte übrigens weniger Glück als Usmanow. Seine Jacht sei für Reparaturen in eine französische Werft in La Ciotat in der Nähe von Marseille gebracht worden. Dort sei sie dann in der Nacht zum Donnerstag in Beschlag genommen worden, teilt das französische Wirtschaftsministerium mit. Als Besitzer stellten die Beamten demnach ein Unternehmen fest, dessen Hauptaktionär auf der Sanktionsliste der EU stehe.

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