Unfallbericht zum Zugunglück bei Bad Aibling veröffentlicht

Zugunglück jährt sich zum dritten Mal: So erlebten es die Einsatzkräfte

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Bei dem schweren Zugunglück bei Bad Aibling im Februar 2016 waren zwölf Menschen getötet und 89 zum Teil schwer verletzt worden
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Bad Aibling - Drei Jahre ist es nun her, das schwere Zugunglück von Bad Aibling. Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd und Kreisbrandrat Richard Schrank berichten über ihren Einsatz in Bad Aibling

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Vor drei Jahren erschütterte das verheerende Zugunglück von Bad Aibling die Region und ganz Deutschland. Die Bilanz dieses schrecklichen Ereignisses ist mehr als traurig: Zwölf Menschen starben, 89 wurden teils schwer verletzt.

"Situation, die sich lange einprägt"

Im Rahmen von 10 Jahre Polizeipräsidium Oberbayern Süd sprachen die Einsatzkräfte noch einmal über den schlimmen Unfall. Kreisbrandrat Richard Schrank war noch zuhause und hat sich darauf gefreut, den Faschingsdienstag ein bisschen feiern zu können, als die Alarmierung kam, sagte er beim Festakt im Rosenheimer Ballhaus. "Man ist eigentlich gar nicht vorbereitet auf so ein Szenario." Er war dann mit den ersten Einsatzkräften vor Ort. "Dort war es erstmal sehr skurril: Auf der rechten Seite der Mangfallkanal und dann hat man nach links geschaut und da war das absolute Chaos. Das war schon eine Situation, die sich lange einprägt", erzählt Schrank von seinem Einsatz. 

Da die Zugängigkeit zu dem Gelände so schwierig war, habe man im Vorfeld gut koordinieren können, wann welche Hilfskräfte wohin geschickt werden können. Man habe zunächst mit wenigen Leuten die Lage erkundet und dann die Zuständigkeiten verteilt, so habe die Rettung strukturiert ablaufen können.

Luftaufnahmen vom Zugunglück

Die Psychische Belastung sei für die Helfer extrem gewesen, sagte der Kreisbrandrat. "Das war natürlich extrem, man muss aber unterscheiden, dass man in so einem Einsatzszenario erst einmal umschaltet. Da ist man nicht mehr der Normale sondern man macht Szenarien, die man geübt hat. Die Feuerwehrler haben geschulte Abläufe, die werden da abgespult. Aber natürlich ist es sehr belastend, wenn man weiß, dass vielleicht Angehörige oder Bekannte noch vermisst werden, das ist über mehrere Stunden ein enormer Druck." 

Die seelsorgliche Betreuung der Einsatzkräfte sei laut Schrank sehr sehr wichtig. Man habe im Landkreis eine gemeinschaftliche 25 Personen starke Einheit, die sich genau darauf spezialisiert habe. Man könne sie anrufen, was man auch hier gemacht habe. Die Nachsorge seiner Feuerwehrler habe noch am gleichen Tag um 8.30 Uhr begonnen und sich über mehrere Wochen gezogen. "Leider mussten wir auch manche tatsächlich einer professionellen Unterstützung zuführen, wo diese ehrenamtliche Hilfe nicht mehr reichte. Drei Feuerwehrkräfte haben nach diesem Einsatz auch ihren Dienst quittiert. Das Thema Nachsorge ist sehr sehr wichtig."

Das Zugunglück aus Sicht der Polizei

Kurz nach dem Zusammenstoß um 6.47 Uhr gingen die ersten Anrufe bei der Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums ein, so der Bericht aus der Festschrift 10 Jahre Polizeipräsidium Oberbayern Süd. Innerhalb von wenigen Minuten waren die Notrufnummern „110“ und „112“ von Einsatzzentrale und Integrierter Leitstelle überlastet und mit jedem Klingeln der Telefonanlage stieg bei den Disponenten die Gewissheit, dass es sich bei diesem Bahnunfall nicht um ein alltägliches Ereignis handelte. Zwischenzeitlich erreichte eine Streife der Polizeiinspektion Bad Aibling zusammen mit Rettungsdienst und Feuerwehr die Unglücksstelle. Kurz nach 07.00 Uhr wurde die erste Statusmeldung abgesetzt: „Offensichtlich zwei Züge stark verkeilt und beschädigt, das Ausmaß des Unfalls ist noch nicht abzuschätzen!“ Alle verfügbaren Streifenbesatzungen umliegender Dienststellen trafen binnen weniger Minuten zur Unterstützung ein.

Im Polizeipräsidium wurde ein Führungsstab eingerichtet und vor Ort eine Einsatzleitung. Zeitgleich mit dem Eintreffen des Polizeipräsidenten Robert Kopp an der Unfallstelle wurden die schlimmsten Befürchtungen um 07.50 Uhr bestätigt. Rettungskräfte finden die erste tote Person neben dem Gleisbett.

Während des gesamten Rettungseinsatzes waren rund 700 Einsatzkräfte der Feuerwehr, der Rettungsdienste, auch aus dem benachbarten Tirol, des Technischen Hilfswerks, der Bayerischen Polizei und der Bundespolizei eingesetzt. 17 Hubschrauber errichteten für die Rettungsmaßnahmen eine Luftbrücke über Mangfall und Kanal und transportierten die verletzten Passagiere zur Sammelstelle am Pullacher Kreisel oder direkt in die Krankenhäuser. Der Rettungseinsatz endete erst um 10.15 Uhr.

Menschliches Versagen

Unter der Sachleitungsbefugnis der Staatsanwaltschaft Traunstein und in enger Zusammenarbeit mit verschiedenen Gutachtern und Fachbehörden gelang es der Kripo Rosenheim, innerhalb kürzester Zeit, wesentliche Beweismittel zu erheben und zu sichern. Eine Woche nach dem Unglück waren bereits 52 leicht- und 19 der schwerverletzten Personen vernommen, zudem lagen die Speicherkarten aller drei Blackboxen der Triebwagen vor.

Nur eine Woche nach dem Unglück waren Polizeipräsident Kopp und der Leitende Oberstaatsanwalt Giese in der Lage, in einer weiteren Pressekonferenz erste wesentliche Ermittlungsergebnisse zu präsentieren: „Die Staatsanwaltschaft geht von menschlichem Versagen aus.“

Der Fahrdienstleiter hatte - vom verbotenen Handyspielen abgelenkt - Signale falsch gestellt und wurde wegen fahrlässiger Tötung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Er ist im August bereits vorzeitig aus der Haft entlassen worden.

Quelle: mangfall24.de

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