Theaterklasse mit Tiefgang und Spielfreude

"Ihr kriegt mich nicht!" am Chiemgau-Gymnasium

Traunstein - In einer fulminanten Aufführung präsentierte die Theaterklasse des Chiemgau-Gymnasiums vor mehreren Hundert begeisterten Zuschauern ihre selbst verfasste Bühnenadaption von Mikael Engströms "Ihr kriegt mich nicht!".

Ihrem großen Abschlussprojekt nach zwei Jahren (5. und 6. Klasse) waren verschiedene kleinere Aufführungen vorausgegangen. Szenenideen, Text, Choreografien, Bühnenbild, Plakate - das alles haben die Schülerinnen und Schüler selbst entwickelt und produziert.

Ihr kriegt mich nicht!

Entstanden ist eine Collage aus mehreren Dutzend Szenen, die eindrucksvoll den inneren Kampf des anfangs zehnjährigen Protagonisten Mik veranschaulicht. Seine Mutter ist verstorben, sein Vater Alkoholiker, seine Mitschüler mobben ihn. Vor allem aber leidet Mik unter der Ignoranz und der mangelnden Empathie der paragraphenreitenden Mitarbeiter des Jugendamtes, denen er sein "Ihr kriegt mich nicht!" entgegenschmettert, als sie ihn erneut entwurzeln wollen, ausgerechtet zu dem Zeitpunkt, da er zum ersten Mal seit langem Fuß zu fassen scheint. 

Derart herumgestoßen und gequält von dem latenten Gefühl, nichts zu können, für alle anderen uninteressant zu sein, hat er es schwer im Leben und ist auf der Suche nach Geborgenheit, Anerkennung und Liebe. In dieser Hinsicht geht es ihm wie den meisten Kindern, ja den meisten Menschen. Insofern ist diese Geschichte nicht nur Miks Geschichte und berührt deshalb Leser und in diesem Fall das Publikum umso mehr.

Tiefgang und Spielfreude

Hätten sie es nicht besser gewusst, die Zuschauer hätten nicht geglaubt, dass da 11- und 12-Jährige auf der Bühne stehen - mit einer solchen Reife setzte die Theatergruppe den schwierigen, anspruchsvollen Themenkreis um Ausgrenzung, Trauer, Einsamkeit, Verzweiflung und Hoffnung auf der Bühne um! Eine Stunde lang zogen die jungen Theaterprofis die Zuschauer mit unglaublicher Spielfreude, gekonntem Wechsel aus schnellen und langsamen, aus Text-, Tanz-, Massen- und Einzelszenen, mit punktgenauem Chorsprechen und gezielt eingesetztem Schweigen derart in ihren Bann, dass die Spannung im Saal stets greifbar war. Zwischen den Szenen mussten die jungen Darstellerinnen und Darsteller viele Male das minimalistische, aber dafür umso wirkungsvollere Bühnenbild umbauen und sich mehrmals umziehen. Das ging so schnell, dass man den Eindruck hatte, es seien noch mehr als die ohnehin schon stattliche Anzahl von 24 Jugendlichen im Einsatz.

Theaterstück ohne feste Rolle

Ein geschickter Kniff der Regisseurin hielt alle Mitwirkenden dazu an, sich mit verschiedenen Figuren auseinanderzusetzen. Alicia beschreibt das so: "Wir haben gelernt, dass es nicht für jeden eine feste Rolle gibt, sondern dass wir uns sowohl mit den Haupt- als auch mit den Nebenrollen abwechseln können. Durch die Requisiten bleibt den Zuschauern aber trotzdem klar, welche Figur gerade dargestellt wird." Mit dieser Vorgehensweise begegnete die Theaterlehrerin Konstanze Schuch, die das Projekt "Theaterklasse" am ChG vor zwei Jahren initiiert hatte, auch einer besonderen Herausforderung: "Von vornherein stand immer die Frage im Vordergrund, in welcher Form alle Schülerinnen und Schüler der Klasse auf der Bühne eine Rolle spielen können", so Schuch.

Wie hervorragend ihr das gelungen ist, zeigte die Begeisterung bei den Zuschauern, aber auch bei den jungen Schauspielerinnen und Schauspielern, die "ihre" - sichtlich gerührte - Frau Schuch am Freitag mit einer eigens für sie einstudierten zusätzlichen Szene überraschten. Das Rosenbäumchen, das sie ihrer Lehrerin außerdem überreichten, wird künftig ihren Garten zieren und sie immer an ihre erste Theaterklasse erinnern.

Pressemitteilung Chiemgau Gymnasium Traunstein

Rubriklistenbild: © Chiemgau Gymnasium Traunstein

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