Abi-Zeugnisse für G8-"Versuchskaninchen"

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Die fünf besten Absolventen des ersten G8-Jahrgangs am Staatlichen Landschulheim sind (von links) Daniel Bichler, Anna Sichler, Amir Sangmongkhton, Saskia Boxleitner und Lorenzo Ritter.

Marquartstein - Die ersten 66 Absolventen, die das G8-Abitur am Staatlichen Landschulheim Marquartstein erfolgreich abgelegt haben, wurden nun im Festsaal der Schule verabschiedet.

"...der G8-Gipfel des Grauens" ist die Titelzeile der Abiturzeitung des scheidenden Jahrgangs - der ersten Absolventen, die das G8-Abitur am Staatlichen Landschulheim (LSH) Marquartstein erfolgreich abgelegt haben.

Die besten Absolventen des ersten G8-Jahrgangs am LSH sind Daniel Bichler (Reit im Winkl) mit einem Notenschnitt von 1,1, Lorenzo Ritter (Ruhpolding) mit 1,2, Saskia Boxleitner, Amir Sangmongkhton (beide Marquartstein) und Anna Sichler (Grassau), jeweils mit 1,3.

Oberstudiendirektor Erwin Appenzeller stellte bei der Ausgabe der Buchpreise der Schule für die Besten im LSH-Festsaal fest, dass in seinen 34 Jahren als Lehrer am LSH heuer erstmals bis zum Schnitt von 1,5 der Bubenanteil höher sei als der der Mädchen.

In seiner Rede ging der Schulleiter besonders auf die großen Veränderungen ein, die die Einführung des G8 für die Schüler gebracht hatte. Begonnen als "ganz normale G9-Schüler" in der fünften Klasse sei "kein Anzeichen von Wetterumschlag am rosaroten Himmel bayerischer Pädagogik" zu erkennen gewesen, so Appenzeller. Ein Jahr später waren die Schüler dann im G8 "an vorderster Front".

"Ständig beäugt und rührend umsorgt"

Einerseits seien sie als "Versuchskaninchen" gehätschelt worden, ständig beäugt und rührend umsorgt, andererseits habe es das Abitur aber keineswegs zum Nulltarif für die Schüler gegeben. An die scheidenden Absolventen gewandt versicherte Appenzeller, dass das Landschulheim dennoch immer versucht habe, "euch in einer der interessantesten Phasen des menschlichen Lebens, Wissenserweiterung, Kompetenzvermittlung, Heimstätte, Schutz und Trost zu sein".

Aber manchmal sei es sicher auch "zum Verzweifeln mit uns Lehrern gewesen: bürokratische Sturheit, Unflexibilität, Leistungsdruck, Unverständnis für jugendlichen Überschwang" hätten wohl oft abschreckend gewirkt.

In dem scheidenden Jahrgang waren besonders viele Schüler, die zum Beispiel in der Schülermitverwaltung, Arbeitskreisen, bei der Schülerzeitung, als Schülerlotsen und durch viele musikalische Aktivitäten sehr viel Positives für die Schule geleistet haben, betonte Appenzeller.

Wie viele musikalisch hoch talentierte Abiturienten in dem Jahrgang waren, bewiesen die großartigen Einlagen von Saskia Boxleitner und Marc Schmuck am Klavier sowie die Gesänge von Kreszenz Pfisterer und Kilian Lehrberger.

Schulbücher oft als Weihnachtsgeschenk

In ihrer humorvoll-kritischen Rede an "liebe Eltern und Lehrer, liebe Trauergemeinde" ließen die beiden Kurssprecher Daniel Bichler und Marc Schmuck das Schulleben Revue passieren, zum Beispiel die G8-Schulbücher, die sie oft "als verspätetes Weihnachtsgeschenk oder verfrühtes Ostergeschenk" bekommen hätten. Trotzdem zogen die Kurssprecher eine "überwiegend positive Bilanz" und überreichten Geschenke an einige besonders engagierte Lehrer, außerdem an 15 Mitschüler, die besonders viel für die Gemeinschaft getan hatten.

Die Vorsitzende des Elternbeirats, Birgid Söhngen, gratulierte den "Pionieren des G8" zu ihren großen und kleinen Erfolgen auf ihrem "nicht immer geradlinigen Weg".

Vor der Übergabe der Zeugnisse durch den Schulleiter und Oberstufenkoordinator Ulrich Jansen hieß der Vorsitzende des Bundes der Altmarquartsteiner, Frank Springer, die jungen Leuten im Bund willkommen. Der lebt nur von Spenden, von denen in den vergangenen zwei Jahrzehnten 250.000 Euro für die Schule gegeben werden konnten.

Wie in jedem Jahrgang belohnte der Bund die Verfasser der besten Facharbeiten mit einem Geldgeschenk, im Fach Sport Jonathan Pietsch und Julian Lange, in Englisch Saskia Boxleitner und Lorenzo Ritter.

Zum Schluss verabschiedete Schulleiter Appenzeller mit herzlichen Dankesworten die langjährige verdiente Bibliothekarin der Schule, Vera Hlawacek, deren Sohn ebenfalls das Abitur abgelegt hatte.

gi/Chiemgau-Zeitung

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