Achental wird zur Modellregion

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Grassau - Als einzige Region in Deutschland wird das Achental eine Modellregion im Projekt "Klimaneutraler Alpenraum 2050".

Das Ökomodell hat die Aufnahme geschafft und kann in den nächsten Jahren mit Fördergeldern rechnen. In seiner jüngsten Sitzung im Biomassehof Achental in Grassau hat der Vorstand beschlossen, dass sich das Ökomodell an dem Projekt beteiligt.

Geschäftsführer Wolfgang Wimmer informierte die Bürgermeister und Beisitzer, dass insgesamt 25 Anträge auf Aufnahme in das Projekt des ständigen Ausschusses der "Alpenkonferenz" gestellt worden seien. Das Ökomodell Achental habe, so der Geschäftsführer, den besten eingereicht.

Die Alpenkonferenz setzt sich aus Vertretern der Staaten Italien, Frankreich, Österreich, Schweiz, Liechtenstein, Slowenien und Deutschland zusammen. Sie beschäftigt sich mit gemeinsamen Themen entlang der Alpenkette. Ziel des Projektes zum Schutz der Alpenregion ist, bereits bewährte Maßnahmen und Projekte zur Reduzierung der CO2-Emissionen und zur Bewältigung der Klimaveränderungen über die gesamte Alpenregion zu verketten und zu multiplizieren. Dabei werden insbesondere die Auswirkungen des Transports (die steigende Zahl an Fahrzeugen, transportbedingte Emissionen und vermehrter Straßenbau), die Energieeffizienz von Gebäuden, Landnutzung und Landwirtschaft, die klimaverträgliche Gestaltung von Tourismus und Gewerbe in den Modellregionen behandelt.

Wimmer stellte die Budgetplanung für die Projektlaufzeit vom 1. Juli 2011 bis 31. Dezember 2013 mit einem Gesamtbudget von 243000 Euro je Partner vor. Den Anteil der Eigenfinanzierung in Höhe von 58320 Euro übernehmen das Bundesumweltministerium und das Bayerische Umweltministerium. Damit kommen auf das "Ökomodell Achental" keine eigenen Kosten zu.

Der Vorstand des Ökomodell stimmt der Beteiligung an dem Projekt zu und genehmigte die Personalausschreibung für einen Regionalmanager, der die Erstellung und Umsetzung des Entwicklungskonzeptes und die Abwicklung von Förderprogrammen übernehmen soll. Die Entscheidung über die Einstellung fällt der Gesamtvorstand des Ökomodell. Die Personalkosten sind im Budget gedeckt.

Wimmer informierte ferner über eine "Potenzialstudie" der Universität Innsbruck zur Energiegewinnung durch Fließwasserwerke entlang der Tiroler Ache. Es handele sich hierbei um ein neues Verfahren, bei dem der Fluss nicht aufgestaut, sondern ein Teil "überströmt" werde, der andere Flussteil jedoch naturbelassen bleibe. Das Wasserwirtschaftsamt Traunstein habe die Studie mit Daten gut unterstützt. An der Salzach seien bereits drei Standorte geplant. Mit den Anlagen könnten dort 40000 Haushalte mit Strom versorgen werden. Auf der nächsten Vorstandssitzung am 11. Juli werde die Machbarkeitsstudie vorgestellt. In die Planung sollen die Naturschutzbehörden und ein Wasserbiologe einbezogen werden.

Die Vorstandschaft war sich einig, dass die Wasserkraft, deren Effizienz noch erheblich gesteigert werden könne, ein wesentlicher Baustein zur geplanten Energieautarkie bis 2020 sei. Mit Windkraftanlagen sei im dicht besiedelten Chiemgau hingegen vorsichtig umzugehen.

Gülle vergasen?

Der Vorstand befasste sich auch mit der Springkrautbekämpfung im Achental. Laut Vorsitzendem Fritz Irlacher werden die Aktionen gemeinsam mit den Gartenbauvereinen durchgeführt.

Außerdem behandelte der Vorstand eine Anfrage von Josef Moritz aus Marquartstein zum Umgang mit dem Anfall und der Ausbringung von Gülle, die zunehmend von Urlaubern und Einheimischen als Belästigung empfunden werde. Der Vorschlag eine "Güllegemeinschaft" zu gründen und Gülle zu vergasen, hielt der Vorstand für nicht durchführbar, weil zu wenig Landwirte mitmachen und "Biogas-Anlagen" zunehmend kritisch hinterfragt würden. Das Ausbringen der Gülle mit "Schleppschlauchtechnik" sei für großflächigen Ackerbau in Ackerfurchen, aber nicht für Grünland sinnvoll. Die Anschaffung einer entsprechenden Maschine liege außerdem eher in der Zuständigkeit und im Aufgabenbereich des Maschinenringes.

Zur Optimierung der gemeinsamen Vorgehensweise im Tourismus in der "Urlaubswelt Chiemgau" und den "sechs Gemeinden am Chiemsee" ist am 14. Juli ein Gespräch der Bürgermeister der beiden Werbegemeinschaften mit Michael Lücke, dem Geschäftsführer des Chiemgau-Tourismusverbandes, vorgesehen.

Zum 70. Geburtstag erhielt Fritz Irlacher, der Vorsitzende des Ökomodells, von seinen Vorstandskollegen das Werk "Flora alpina" mit Pflanzen vom Neusiedler See bis zum Vierwaldstätter See, das Beisitzer Dr. Klaus Thiele als derzeit bestes aus dem Alpengebiet ausgesucht hatte. bre

Rubriklistenbild: © düa

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