Nordlichter untersuchen alpine Bautradition

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Studenten der Leibnitz Universität Hannover in Schleching: Unser Foto zeigt Georg Siemens bei seinen Ausführungen. 

Schleching - Auf Exkursion im Chiemgau: Im Ramen des Projektes "AlpHouse - Alpine Baukultur und Ökologie" untersuchten Studenten aus Hannover die hiesige Architektur.

Im Rahmen des Projektes "AlpHouse - Alpine Baukultur und Ökologie" der Europäischen Union und der Exkursion "Alpen Nord" hielten sich sieben Studenten der Leibnitz Universität Hannover, Fakultät für Architektur und Landschaft, Institut für Entwerfen und Städtebau, vier Tage zur Besichtigung im Chiemgau und zur Projektarbeit in der Gemeinde auf. Sie stellten zum Abschluss der Exkursion ihre ersten Ausarbeitungen Vertretern der Gemeinde vor.

Die Exkursion leitete Professor Jörg Schröder mit den Assistenten Martin Frank, Christian Haid, Sarah Hartmann, Anna Liebig und Ines Lüder. Für den Leadpartner von "AlpHouse", die Handwerkskammer für München und Oberbayern, war Max Stadler, außerdem Abteilungsleiter am Bildungszentraum Traunstein sowie Peter Oster, Amt für Ländliche Entwicklung Oberbayern, Vorsitzender der Dorferneuerungsverfahren in Schleching an der Diskussionsrunde beteiligt. Bürgermeister Josef Loferer begrüßte den Einsatz der Gruppe in der Gemeinde.

"AlpHouse" will Wege aufzeigen, um die traditionelle Architektur und Siedlungsstruktur des Alpenraumes zu erhalten und insbesondere bei Renovierungen die Energieeffizienz zu verbessern. Beteiligt sind die Länder Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien und Frankreich. In Deutschland wurde Traunstein mit dem Achental vor drei Jahren für das Projekt "AlpHouse" ausgewählt. "Es geht um Aufrüstung einzelner Häuser, eingebunden in ein Gesamtkonzept," erklärte Professor Schröder. 80 bis 90 Prozent der Häuser wurden gebaut, bevor es Regelungen zur Energie gab. Insgesamt wurden 30 Gebäude in 14 Orten ausgesucht, davon liegen drei in Schleching. Jeder Ort habe seine eigene Strategie, Baukultur, wie zum Beispiel die Einfirsthöfe mit Tierbestand im Achental, und eigene Energieverbindungen.

Die Studenten beschäftigen sich bei der Projektarbeit des Sommersemesters mit Bestehendem, neuen Gebäuden und neuen Nutzungen. Sie konnten frei vorgehen und auch Utopien ausarbeiten.

Zur Einführung sprach Dr. Wolfgang Andexlinger, Institut für Städtebau und Raumplanung an der Universität Innsbruck, über das Thema "Alpine Identitäten" am Beispiel der Entwicklung von Sölden im Tiroler Ötztal, das sich von einem Bergdorf hin zur Nummer eins der Destinationen mit 2,2 Millionen Übernachtungen entwickelt hat.

Auf das Thema "Alpiner Konsum" ging Architekt Andreas Flora vom Institut für Gestaltung der Universität Innsbruck ein. Der Überfluss- und Wegwerfgesellschaft stehe das Ziel der Nachhaltigkeit und Ökologiesierung gegenüber, sagte Flora unter anderem. In den nächsten 30 Jahren werde das System kollabieren, wenn nicht gewisse Vorkehrungen, wie Reduktion und Einschränkung, getroffen werden. Die Menschen drücken sich heute im Konsumieren kulturell aus. Deshalb müsse über Nachhaltigkeit und Konsumorte nachgedacht werden.

Nach den mit viel Applaus bedachten Vorworten leitete Sarah Hartmann als Organisatorin des Projektes "Alpen Nord" auf die sechs Präsentationen der sieben Studenten über. Jedem Projekt folgte eine ausführliche Diskussion der Zuhörer, wobei durchaus auch utopische Vorschläge ernsthaft behandelt wurden.

Georg Siemens beschäftigte sich mit dem Thema, den Zweitwohnsitz als Rückzugsort zu sehen und sich durch Mitarbeiten im landwirtschaftlichen Bereich in den Ort zu integrieren. Für Menschen mit viel Zeit, aber wenig Geld könnten Unterkünfte für "Minimales Wohnen" geschaffen werden, wobei Kosten durch Arbeit abgedeckt würden.

Esref Lay stellte sein "Alpriver-Village" an der Tiroler Achen für Mehrgenerationen-Wohnen, Jugendkultur mit Shops, Gastronomie und Gewerbe vor. Dahinter stand die Idee, die Lage von Schleching am Fluss zum Thema zu machen.

Auch die Arbeit der Israelin Chem Ben-Shitmit bezog die Tiroler Achen ein. Ein "Campus" (Akademie) für die Vermarkung landwirtschaftlicher Produkte würde die Jugend in den Ort bringen.

Die Gemeinschaft im Dorf zu stärken und erhöhte Dichte zu schaffen, hatten Tim Federmann und Hannah Wittich gemeinsam erarbeitet. Bei der Besichtigung waren ihnen viele Grünflächen im Dorf aufgefallen, die nicht zu betreten waren. Weniger Zäune würden mehr Kommunikation schaffen. Durch Nachverdichten von Wohnraum könnte ein "gemischtes Wohnen" von Einheimischen und Zweitwohnungsbesitzern ermöglicht werden.

Fabian Fischer befasste sich mit dem demografischen Wandel, dem Pendeln und der unvollständigen Infrastruktur, touristischen Möglichkeiten und der Funktionsvielfalt im Ortskern, die zum Beispiel mit einem zusätzlichen Laden für die Direktvermarktung und einem Café erhöht werden könnte.

Zum Thema "Jung und Alt" schlug Jan Schwarz flexible Wohneinheiten vor, die junge Leute zurück in den Ort bringen sollen. Die Idee ist, dass die oft vermögenden Alten große Wohneinheiten erwerben und eine Wohnung an die Jungen vermieten.

Bürgermeister Josef Loferer, Zweite Bürgermeisterin Elfie Bachmann und Mitglieder aus dem Gemeinderat sowie Altbürgermeister Fritz Irlacher und die Gäste aus der Gemeinde sparten nicht mit Applaus und zeigten sich gespannt auf die endgültigen Ergebnisse der Arbeiten zum Semesterabschluss im Juli.

bre/Chiemgau Zeitung

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