Mobbing? Gromoll trennt sich von CSU

+
Annelie Gromoll

Inzell - Das Tischtuch ist zerschnitten. Annelie Gromoll, zweimalige Bürgermeisterkandidatin der CSU, hat die Konsequenz aus dem Streit mit ihrer Partei gezogen und ist ausgetreten. Sie spricht von Mobbing gegen ihre Person.

Lesen Sie hier den Bericht der Chiemgau-Zeitung vom Donnerstag:

Annelie Gromoll tritt aus der CSU aus

Annelie Gromoll und die CSU sind geschiedene Leute. Die zweimalige Inzeller Bürgermeisterkandidatin, die seit 1994 CSU-Mitglied war, gab nun ihren Austritt aus der Volkspartei bekannt. Als Grund dafür führt sie eine „Ausgrenzungspolitik“, ja „Mobbing“ seitens des CSU-Ortsverbandes Inzell an.

Die ihr vom CSU-Kreisverband nahegelegte Alternative, in einen anderen Ortsverband zu wechseln, komme für sie nicht in Frage, erläuterte Gromoll in ihrer Kündigung und zur Chiemgau-Zeitung: "Mein politisches Streben ist kommunalpolitisch auf Inzell ausgerichtet, meinen Heimatort." Der Inzeller CSU-Ortsvorsitzende Bernhard Jung bezeichnete den Schritt der 63-Jährigen als "eigentlich schon lang überfällig".

Die Situation hatte sich Ende Oktober zugespitzt, als sich Gromoll nach der Klausurtagung der Kreis-CSU, an der sie teilgenommen und sich zu Wort gemeldet hatte, zu einer Klausurtagung des CSU-Ortsverbandes Inzell anmelden wollte. Themen wie die neu geplanten Tourismus-Projekte und "Familienfreundliches Inzell" standen auf der Tagesordnung. Gromoll hatte die Einladung als Mitglied der CSU und Frauen-Union (FU) erhalten und mailte an Jung, sie komme gern, "zumal es ja um die Zukunft Inzells geht". Von Jung erhielt sie per Mail eine Ausladung: Ihr Kommen sei "absolut nicht erwünscht".

"Annelie Gromoll hat ihre eigene Liste und macht ihre eigene Ortspolitik, die nicht mit der CSU abgestimmt ist", begründete Jung auf Anfrage dieses Vorgehen. Dies habe sich gerade bei den aktuellen Inzeller Zukunftsprojekten und den damit verbundenen Bürgerentscheiden gezeigt. "Deshalb werden wir ihr auch nicht sagen, was wir für die Zukunft Inzells vorhaben."

Die Entfremdung zwischen Gromoll und der Inzeller CSU hat eine lange Vorgeschichte: Noch 2002 hatte sie die CSU Inzell als Bürgermeisterkandidatin aufgestellt. Sie holte für die Partei ein Stichwahlergebnis von 40,44 Prozent, wurde als Gemeinderätin für die CSU mit den zweitmeisten Stimmen gewählt und zur Dritten Bürgermeisterin ernannt. Nach dem Wechsel des 2002 für die SPD angetretenen parteifreien Bürgermeisters Martin Hobmaier Anfang 2007 zur CSU kam es Mitte 2007 per CSU-Fraktionsbeschluss zum Ausschluss Gromolls aus der CSU-Fraktion. Da sie bei den Wahlen 2008 nicht auf der CSU-Liste für den Gemeinderat platziert worden war, gründete sie die "Offene Bürgerliste Inzell-Chiemgau" (OBIC) und holte für diese als Bürgermeisterkandidatin 36,58 Prozent der Wählerstimmen sowie ein Gemeinderatsmandat mit dem fünftbesten Stimmenanteil.

Bewusst habe sie damals ihre CSU-Mitgliedschaft nicht aufgegeben, und auch jetzt sei es ein "schwerer Schritt", so Gromoll: "Den politischen Auftrag durch das Grundsatzprogramm, aber auch durch den ,Unionsgedanken' habe ich, gerade als evangelisches Mitglied, durch die Parteiarbeit umsetzbar gesehen."

vm/Chiemgau-Zeitung

Zurück zur Übersicht: Achental

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser