Aus Begegnung wurde Bewegung

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Gemeinsam geht's besser: Ihringens Bürgermeister Martin Obert (links) und sein Ruhpoldinger Amtskollege Claus Pichler beim Baumstammsägen.

Ruhpolding - Seit 1979 besteht die Partnerschaft zwischen den Gemeinden Ihringen am Kaiserstuhl und Ruhpolding.

Nachdem die "Silberhochzeit" im badischen Weinort gefeiert worden war, boten die Ruhpoldinger zum 30. Jubiläum ein großes Festprogramm, zu dem nicht weniger als 200 Breisgauer angereist kamen.

Randvoll besetzt war das Kurhaus zum Festabend, zu dem der Fanfarenzug "Kaiserstühler Herolde" die Gäste am Eingang mit Musik begrüßte. Da die Besucher beider Gemeinden in ihren jeweiligen landestypischen Trachten gekommen waren, bot sich im Saal ein prächtiges, buntes Bild. Durch das Programm, das die Trachtenkapelle "D'Rauschberger" eröffnete, führten gemeinsam Wolfgang Heigermoser für Ruhpolding und Arno Müller für Ihringen. Auf die Partnerschaft eingehend, wagte Bürgermeister Claus Pichler in seiner Festrede den Vergleich mit einem 30-jährigen Mann, der in der Mitte des Lebens stehe, seine Eigenheiten habe und manche Höhen und Tiefen durchmachte. "In dieses Leben hat sich Ihringen mit Engagement eingebracht. Aus einer "ersten Begegnung ist mittlerweile eine Bewegung" entstanden.

Gemeindepartnerschaften zwischen Bayern und Baden seien eher ungewöhnlich, meinte Ihringens Bürgermeister Martin Obert. Diese Freundschaft aber sei mit Leben erfüllt worden, es sei sogar "eine Art Ehe" entstanden, die immer wieder belebt werde. "Für uns ist es etwas Besonderes, weil wir immer herzlich in Ruhpolding aufgenommen werden. Wir fühlen uns hier wohl", sagte der Rathauschef vom Kaiserstuhl. Für die Ihringer sei es auch deshalb wichtig, in Ruhpolding mitzufeiern, "um tiefer in die bayerische Seele blicken zu können". In diesem Zusammenhang meinte er sogar: "Es hat den Anschein, dass Ruhpolding und Ihringen das Feiern erfunden haben." Das fast vierstündige hervorragende Programm mit rund 200 Beteiligten war geprägt von Tradition und Brauchtum beider Partnergemeinden. Gleich auf drei Bühnen gab es Musikdarbietungen, Gesangseinlagen, Plattler und Volkstänze sowie Theatereinlagen als Einakter. Die Ihringer Gäste brachten das "Eselspiel" auf die Bühne, dessen Inhalt die Ortschronik der Weinbaugemeinde war und die Ruhpoldinger Heimatbühne führte als Eigeninszenierung die "wahre Geschichte der Partnerschaft" auf.

Beide Bürgermeister hatten als gemeinsamen Kraftakt auf der Hauptbühne mit einer alten Wiegensäge einen Baumstamm zu durchschneiden und natürlich gab es auch Gastgeschenke. Ruhpolding erhielt - wie kann es anders sein - für jedes Jahr der Partnerschaft eine Flasche edlen Weines und dazu einen Rebstock, der neben dem Gedenkstein zum 25. Jubiläum an der "Alten Schule" seinen Platz finden soll. Die Gäste erhielten ein ordentliches Fass Bier. Zum Schluss des Festabends bebten der Saal und die Bühne, als bei weinseliger und bierlauniger Stimmung das "Badener Lied" erklang, der Kronentanz aufgeführt wurde und "jeder, der Platteln konnte", zur Ambosspolka auf die Bühne kam. Der nächste Tag war zunächst geprägt vom "besseren kennenlernen der Partnergemeinde Ruhpolding". Dafür wurden verschiedene Ausflüge und Wanderungen zu Zielen im Tal der Weißen Traun und ein Besuch der Ausstellung "Begegnung, Kunst & Gemeinde" angeboten. Auf dem Parkplatz vor der Touristinformation boten die Ihringer Gäste und Ruhpoldinger Bauern ihre Produkte an und von hier aus setzte sich dann am Abend ein langer Kirchenzug mit den Vereinen und Fahnenabordnungen beider Orte, angeführt von der Miesenbacher Trachtenkapelle, Richtung Pfarrkirche in Marsch. Beim eindrucksvollen Jubiläumsgottesdienst, zelebriert von Pfarrer Otto Stangl und musikalisch umrahmt vom Kirchenchor und ebenfalls der Miesenbacher Musik, sagte zunächst der evangelische Amtskollege Helmut Steib, dass es doppelt gut sei, gemeinsam feiern zu können. Partnerschaft aus Sicht des Glaubens bedeute, jeden Menschen wichtig zu nehmen. In Anlehnung an das Evangelium des Tages, das die Heilung eines Taubstummen verkündete, sagte Pfarrer Stangl, dass auch "wir uns öffnen sollten, dass die Worte zum Herzen kommen". Auch dies habe mit Partnerschaft zu tun. Nachdem anschließend der Festzug wieder am Kurhaus ankam, fand das Jubiläum einen gemütlichen Ausklang zu den Klängen der Miesenbacher Blasmusik.

hbw/Chiemgau-Zeitung 

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