„Den Sehenden die Augen öffnen“

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Grassau - Sein Tourenbuch nötigt jedem gestandenen Alpinisten Respekt ab, dabei ist Extrembergsteiger Andy Holzer von Geburt an blind.

Klettertouren bis zum 7. Schwierigkeitsgrad, wie etwa die Via Comici in der Nordwand der großen Zinne, 80 bis 90 Skitouren pro Jahr, Höhenbesteigungen wie Elbrus, Kilimanjaro, Aconcagua und Mount McKinley - nichts schreckt Andy Holzer ab. Er meistert als Blinder schwierigste Touren und strahlt dabei eine Tatkraft und einen lebensbejahenden Optimismus aus, von dem sich viele von uns etwas abschauen können.

Gelegenheit dazu gibt es am Donnerstag um 20 Uhr in den Grassauer Heftersaal. Unter dem Motto „den Sehenden die Augen öffnen“ wird er seine alpinistischen Erfahrungen mit vielen imposanten Bildern und Erzählungen darstellen.

Von Kind an ignorierte er sein Schicksal

Andy Holzer wurde am 3. September 1966 in Lienz in Osttirol blind geboren. Von Kind an ignorierte er sein Schicksal, und zählt außer dem Bergsport auch Langlauf, Surfen und Mountainbiken zu seinen Hobbys. Seit 1981 ist er Musiker (Gitarrist, Bassist und Sänger) bei der Tanzkapelle Dolomitenduo, seit 1984 arbeitet er als Heilmasseur und Heilbademeister im Lienzer Krankenhaus. 1990 heiratete er seine Frau Sabine. Mit 23 Jahren lehrte ihn der Lienzer Bergführer Hans Bruckner das Kletterhandwerk. Heute staunt die internationale Fachwelt über die Leistungen des „blind climbers“.

In seinem Vortrag „Den Sehenden die Augen öffnen“ lässt Andy Holzer sein Publikum an seinen großen Erlebnissen in den Bergen teilhaben. Wir sehen den blinden Bergsteiger unter anderem bei der Durchsteigung der Gelben Kannte in den Drei Zinnen, bei der Durchkletterung der Via Comici in der Großen Zinne sowie bei der Durchsteigung durch die Südwand des Preußturmes auf den Gipfel der Picolissima in einer Dreier-Seilschaft mit dem beinamputierten Amerikaner Hugh Herr und dem ebenfalls blinden Kletterer Erik Weihenmayer. Die Tour wurde von einem Filmteam aus den USA begleitet. Zu den weiteren Höhepunkten des Vortrages zählen seine erfolgreichen Besteigungen von bereits fünf der „seven summits“, Elbrus, Kilimanjaro, Aconcagua, Mount McKinley in Alaska oder der Carstensz Pyramide in Ozeanien.

Berührenden Erzählungen, packende Fotos und professionelle Videos

Bei seinen Vorträgen gelingt es Andy Holzer immer wieder die Menschen von den fest manifestierten Vorstellungen loszureißen, dass eine körperliche oder geistige Einschränkung von vornherein jegliche Chance auf Lebensqualität zunichte macht. Die Tatsache, dass man trotz hundertprozentiger Invalidität unbändige Freude am Dasein empfindet, hat schon manchen Zuseher verblüfft. Mit seinen berührenden Erzählungen sowie durch packende Fotos und professionelle Videos von extremen Grenzgängen im steilen Fels, von wilden Tiefschneeabfahrten bis hin zu den sauerstoffarmen Zonen der hohen Berge untermauert Andy Holzer dieses Faktum.

Wenn Andy Holzer von seinen Touren erzählt, dann staunt nicht nur das Fachpublikum. Besonders interessant ist, wie er mit seiner Behinderung, die er nicht als Behinderung betrachtet und lange Zeit auch ignorierte, umgeht, welche Sinne sein Augenlicht ersetzen und wie er es schafft, unter extremen Bedingungen Herr seiner Selbst zu bleiben. Andy Holzer macht damit Mut, das Leben selbstbestimmt zu gestalten, schließlich ist auch für ihn kein Berg zu hoch. Sein erklärtes Ziel ist es als erster blinder Europäer die 7-Summits zu erreichen. Sechs dieser legendären Bergriesen hat er seit 2005 bereits gemeistert.

Schlüsselfaktor Motivation

Für Holzer ist Motivation ein Schlüsselfaktor für den Aufschwung jedes Unternehmens. "Um echte Perspektiven zu entwickeln, bedarf es eines geeigneten „Werkzeugs“, eines „Mittlers“, der den Menschen authentisch beweisen kann, welche ungeahnten Fähigkeiten in jedem von uns stecken. Auf Grund meines eigenen bewegten Lebensweges betrachte ich mich als ein solcher 'Vermittler'", so der 45-Jährige. Deshalb bietet er seine Vorträge nicht nur Bergsteigern, sondern auch Unternehmen an.

Was er dort erreicht, können Sie selbst sehen, am Donnerstag um 20 Uhr in den Grassauer Heftersaal.

Pressemitteilung DAV Achental/red

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