Die Bürger entscheiden

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Soll die Gemeinde auf ihrem "Häringer-Grundstück" in Unterwössen einen "Saal mit integrierter Gaststätte" bauen?

Unterwössen - Nach vielen Diskussionen kommt jetzt die Entscheidung: Die Bürger legen am Sonntag, 2. August, fest, ob die Gemeinde einen Veranstaltungssaal einschließlich Gaststätte bekommt – oder eben auch nicht.

2783 Wahlberechtigte sind aufgerufen, ihre Stimme abzugeben.

"Sind Sie dafür, dass die Gemeinde als Investor einen Saal mit integrierter Gaststätte auf dem Häringer-Grundstück baut?" Diese Frage haben die Einheimischen am Sonntag zu beantworten. Um das angestrebte Ziele zu erreichen, benötigen die Initiatoren des Bürgerentscheides zum einen mehr Ja- als Nein-Stimmen. Und vor allem müssen sie zum anderen das so genannte Quorum erfüllen: Mindestens 20 Prozent der Wahlberechtigten, also 557, müssen die Frage mit "Ja" beantworten.

Unterwössen braucht einen Veranstaltungssaal - so weit sind sich die Gemeinderäte grundsätzlich einig. Weit auseinander klaffen jedoch ihre Vorstellungen, wenn's darum geht, den Weg festzulegen, der zu diesem Ziel führt. Höchst umstritten ist insbesondere der Standort. Mit zehn zu sieben Stimmen hat das Gremium beschlossen, einen "Raum für unser Dorf" im Kurpark am oder über dem Hallenbad zu errichten - womit es einem Saal auf dem gemeindeeigenen "Häringer-Grundstück" eine Absage erteilte.

Mit diesen gut 6000 Quadratmetern hat das Gremium andere Pläne. Zur Debatte steht ein Verkauf an einen Investor, der dann möglicherweise einen Großmarkt errichtet. Ob das ganze Grundstück oder nur ein Teil zu veräußern ist, wer den Grund und Boden erwirbt und was er dann mit ihm macht - diese und andere Fragen stehen nach wie vor im Raum. Entscheidungen hat der Gemeinderat noch nicht getroffen, das Bürgerbegehren stoppte alle weiteren überlegungen.

Den Mehrheitsbeschluss im Gemeinderat wollen die Initiatoren des Bürgerentscheids kippen. Angeregt haben ihn unter anderem Gemeinderat Hans Wimmer (CSU) und Martin Färbinger, der Vorsitzende des Wirtschaftsverbandes Wössen. Sie wollen die Gemeinde in die Pflicht nehmen, einen Saal auf eben jenem "Häringer-Grundstück" zu bauen.

Viele Argumente führen beide Seiten ins Feld. Bürgermeister Hans Haslreiter (CSU) stützt die mehrheitliche Haltung im Gemeinderat und sagt unter anderem, dass sich die Kommune ein Wirtshaus mit Saal nicht leisten könne. Mit Blick auf die Ausgaben für den Bau und den Unterhalt warnt er vor einem "finanziellen Abenteuer" - vor einer weiteren Verschuldung der Kommune, die bereits mit rund 3,8 Millionen Euro in der Kreide steht.

Wimmer, Färbinger und die anderen Initiatoren des Bürgerentscheides hoffen auch auf eine Unterstützung des Staates und sagen, dass die Gemeinde durchaus in der finanziellen Lage sei, den besten Teil der über 6000 Quadratmeter behalten und auf diesem "Filetstück" dann einen Saal mit Wirtshaus bauen und unterhalten zu können. Auf jeden Fall verhindern wollen sie, dass ein Investor an dieser zentralen Stelle in der Fremdenverkehrsgemeinde einen Lebensmittelmarkt baut.

Auf dem "Häringer-Grundstück" war einst der Gasthof "Zur Post" gestanden. Die Wirtschaft brannte ab. Der Grund und Boden trägt auch heute noch den Namen des vormaligen Besitzers. Seit über sechs Jahren gehören der Gemeinde die über 6000 Quadratmeter.

Der Kauf ging zwar schon vor einiger Zeit über die Bühne, aber noch heute hinterlässt er seine Spuren: Die Kommune hat das Grundstück nach Angaben aus dem Rathaus für über 1,3 Millionen erworben - und das Geld, das sie auf den Tisch legen musste, holte sie sich von der Bank. Einen Kredit musste sie aufnehmen. Und noch heute ist die Schuld nicht beglichen, sie muss immer wieder vor allem Zinsen zahlen.

Abstimmen können die Wössner Bürger am Sonntag, 2. August, von 8 bis 18 Uhr in Unterwössen im Schulhaus und in Oberwössen in der alten Schule.

Chiemgau-Zeitung/pü/sga

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