Burg Marquartstein: Jubiläumsfeier mit Ramsauer

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Burgherr Konrad O. Bernheimer im Plausch mit Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und dem bayerischen Kultusminister Wolfgang Heubisch (von links).

Marquartstein (CH-Z) - „Du bist völlig verrückt geworden“, hatte Barbara Bernheimer einst ihrem Mann Konrad Otto beschieden, als er sie mit der Nachricht überraschte: „Wir kaufen Burg Marquartstein.“

Seit 20 Jahren ist das aus dem Jahre 1075 stammende Anwesen inzwischen zum „Lebensmittelpunkt“ der Familie Bernheimer geworden.

Burg Marquartstein: Ein ästhetisches Gesamtkunstwerk

Dieses Jubiläum beging die Familie (auch drei der vier Töchter Teresa, Blanca, Felicia und Isabel waren dabei) in äußerst lockerer Form am Samstagvormittag mit gut 100 Gästen. Zu ihnen gehörten neben dem frisch gebackenen Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und dem bayerischen Kultusminister Wolfgang Heubisch, den Achental-Bürgermeistern, den früheren Lehrern Maria und Hermann Eschenbek sowie vielen "Altmarquartsteinern" auch der Architekt, der die maroden Innenräume der Burg gründlich renoviert hatte, Handwerker oder der Spediteur, der Bernheimers kostbare Kunstwerke fachgerecht in alle Welt transportiert.

Denn der 59-jährige Burgherr repräsentiert in vierter Generation eine der bekanntesten europäischen Kunsthändlerfamilien (siehe Bericht nebenan).

Nachdem sich der Morgennebel verzogen und die Gästeschar den steilen Anstieg zur trutzigen Burg bewältigt hatten, hob der Hausherr mit der Bemerkung an, er wisse es zu schätzen, wenn Ramsauer an dessen erstem Wochenende als Minister ihm die Aufwartung mache. Um gleich, ganz im Tenor der ungezwungenen Jubiläumsfeier, anzufügen: "Dabei hatten wir schon zur Eröffnung der Bayreuther Festspiele am 25. Juli 'ausgehandelt': Wenn er Minister werden sollte, dann Verkehrsminister, damit die Staus auf der Autobahn nach Salzburg ein Ende haben."

Diese Aussage ist nun tatsächlich gefallen. Im Unterschied zu der kolportierten, "gut erfundenen" (Bernheimer), wonach Jung-Konrad schon als Schüler des Landschulheims (das von 1928 bis 1958 in der Burg untergebracht war) gesagt haben soll, eines Tages werde er die Burg kaufen.

Peter Ramsauer widersprach gleich zu Beginn seines "Geburtstagsfeier"-Beitrags dem Gastgeber. "Was könnte ich Schöneres tun, als im Kreis alter lieber Freunde an diesem Familientreffen teilzunehmen?" "Ramses", wie er seit seinen Schultagen von seinen Mitschülern genannt wird, erinnerte, wenige Jahre nach "Konnie" Bernheimer von 1964 bis 1973 das Landschulheim besucht zu haben. Eine weitere Gemeinsamkeit sei, dass beide "ausschließlich" je vier Töchter haben - "nicht 'nur'", weil das so klinge, als hätten sie nicht mehr geschafft, das andere aber "exklusiver". Welche Freude und Verpflichtung es bedeutet, in einem solchen historischen Anwesen zu wohnen, könne er sehr gut nachvollziehen, fügte der Traunwalchener an, schließlich befinde sich seine Talmühle seit 1553 in Familienbesitz.

Und auch der Bundespolitiker ließ es sich nicht nehmen, zum Jubiläum eine Anekdote beizusteuern: Konnie und Ramses hätten eines Tages beschlossen, sich "einen "Teil der Macht" aufzuteilen: "Er in München, ich in Berlin. Konnie hat dann das große Los gezogen."

"Wir müssen uns besser verkaufen"

Staatsminister Wolfgang Heubisch, just ein Jahr im Amt, gestand ein, sich "aus bayerischer Sicht" gut daran gewöhnt zu haben, Minister zu sein. Entsprechend wünsche er Ramsauer "viel Kraft und Verve" auf Bundesebene. Er versprach, die Landesregierung werde "in Sachen Kunst" viel investieren, wobei er von seinen übrigen Ministerkollegen ob des "beispielhaften Zusammenspiels" von privatem Engagement - 60 Prozent der Kunstschätze im Freistaat befänden sich in privater Hand - und Staat beneidet werde. Seine "Zukunftsaufgabe" sehe der FDP-Politiker darin, analog zur Museumsinsel in Berlin auch das Areal um die Pinakotheken in München aufzuwerten: "Wir müssen uns mit unseren Kunstschätzen besser verkaufen." Dazu rief er neben dem Gastgeber, den er seit gemeinsamen BWL-Studienzeiten in München kennt, die gesamte Bevölkerung um "moralische Unterstützung" auf.

Marquartsteins Bürgermeister Andreas Dögerl zeigte sich froh darüber, dass die Familie Bernheimer die Burg nicht zu einer "geschlossenen Enklave" gemacht habe, sondern sie regelmäßig für die Bevölkerung öffne - jedes Jahr den Viertklässlern zum Höhepunkt des Schuljahres, zu Konzerten im Hof oder zum geselligen Austausch wie jetzt zur 20-Jahr-Feier. Dem ausgewiesenen Kenner europäischer Altmeister schenkte Dögerl eine zeitgenössische Burgansicht des Marquartsteiners Georg Beyer.

Das Schlusswort blieb im Namen der "Altmarquartsteiner" dem Neuöttinger Bezirksrat Frank Springer vorbehalten, der daran erinnerte, wie er noch in diesem Raum als Schüler zu Mittag gegessen hatte. In Verbundenheit an die "Marquartsteiner Zeit" schloss er mit dem alten russischen Zitat: "Nicht der Herr ehrt das Haus, sondern das Haus ehrt den Herrn."

Michael Thun/Chiemgau-Zeitung

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