Christine Haderthauer lobt soziale Netzwerke

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Sozialministerin Christine Haderthauer (Mitte) suchte im Beisein von Landtagsabgeordnetem Klaus Steiner das Gespräch mit Familienhelferinnen aus Übersee.

Grassau - Sozialministerin Christine Haderthauer im Sportpark Grassau: Ihr Auftritt war vor allem ein Akt der Wertschätzung für alle im Sozialbereich tätigen Ehrenamtlichen im Landkreis Traunstein.

Sie erhielten die Gelegenheit, mit der Ministerin ihre Erfahrungen und Sorgen zu erörtern. Als "Gespräch zum Tag der sozialen Netzwerke" hatten der Landtagsabgeordnete Klaus Steiner und der CSU-Kreisverband die Veranstaltung deklariert. Rund 100 ehrenamtlich Engagierte aus der Region waren der Einladung gefolgt.

Ein solches Treffen sei angesichts der gewaltigen Veränderungen der sozialen und familiären Strukturen von größter Wichtigkeit, meinte Steiner. "Es muss allen bewusst werden, dass sich auch die Gesichter der Dörfer verändern und dass deshalb Angebote geschaffen werden müssen." Mehr denn je sei man deshalb auf soziale Netzwerke angewiesen. Steiner: "Mit dieser Veranstaltung soll auch eine Wertschätzung gegenüber den Ehrenamtlichen gezeigt werden."

Wie groß das ehrenamtliche Engagement hier zu Lande ist, zeigten die Berichte von Familienhelferin Uschi Geiger aus Übersee und Gemeinderätin Waltraud Meirer aus Unterwössen über die zahlreichen ehrenamtlichen Einrichtungen in ihren Gemeinden. Die über viele Jahre aufgebauten und erprobten sozialen Netzwerke ermöglichten in Übersee und Grassau viele unbürokratische Hilfen und Unterstützungen für Jung und Alt.

Ministerin Haderthauer sah in den beiden Berichten die Bestätigung, "dass bei uns in Bayern eine hervorragende Kultur sozialer Netzwerke entstanden ist, die sich vor allem aus der Unterstützung der Kommunen speist". In allen anderen Bundesländern gebe es nicht ansatzweise ein so großes Engagement wie in Bayern. Haderthauer: "Hier hat sich die Gesellschaft noch nicht vom Staat entmündigen lassen."

Die Kritik der Ministerin galt der zunehmenden Institutionalisierung der Familienstrukturen: "Was früher in den Familien erledigt wurde, machen heutzutage zunächst Ehrenamtliche und im weiteren Verlauf der Staat." Als Beispiele nannte sie die Mittagsbetreuung in Schulen und die Einrichtung von Krippen. Nach Haderthauers Worten wird dadurch jedoch nichts besser, "denn wir projezieren und produzieren immer neue Problemlagen. War es früher die Mittagsbetreuung, geht es jetzt schon um die Frühstücksbetreuung". So hätten Ehrenamtliche nach ihren Worten oft das Gefühl, je mehr getan werde, je größer würden die Baustellen. Elternliebe lasse sich eben durch keine noch so gut ausgebildete Erzieherin oder Familienhelferin ersetzen.

Handlungsbedarf sah die Ministerin darin, dass die Sozialberufe - in der Regel seien dies Frauenberufe - an den untersten Gehaltsstufen angesiedelt seien. "Wenn diese Berufe den Männern richtig Spaß machen würden, gehörten diese Tätigkeiten schon längst zu den Spitzenberufen mit Spitzengehältern." Hier gelte es die Schrauben anzusetzen.

Ihr Dank galt den vielen ehrenamtlich tätigen Frauen im Sozialbereich: "Sie leisten das, was wir mit der Politik gar nicht schaffen könnten."

Zum Abschluss widmete sich die Ministerin in zahlreichen Einzelgesprächen den Anliegen der engagierten Ehrenamtlichen.

vd/Chiemgau-Zeitung

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