"Club der Großherzigen"

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Professor Dr. Kurt Biedenkopf (Mitte) hielt die Festrede. Er appellierte, die "Kraft der Alten" künftig noch mehr zu nutzen. Mit ihm unterhielten sich der Präsident des Lionsclub Marquartstein-Achental, Ulrich von Ribaupierre (links), und Gründungspräsident Hans Daxer.

Achental - Mit einem großen Fest im Sporthotel "Achental" in Grassau feierte der Lions Club Marquartstein-Achental sein 25-jähriges Bestehen.

Der amtierende Präsident Ulrich von Ribaupierre, dessen "Sekretär" - wie es im Sprachjargon der Lions heißt - derzeit Altlandrat Jakob Strobl ist, ging in seiner Ansprache auf "die größte Problemstellung" im Club, "das ewige Wachstum", das Älterwerden aller, ein.

Die Gründungsväter, darunter Gründungspräsident Hans Daxer, seien noch stark in der Struktur des ländlichen Raumes verwurzelt, aber bei Neuaufnahmen bedürfe es eines "behutsamen Hineinwachsens" in das Gesellschaftsbild, das ja nicht immer gleich bleiben müsse. Im Hinblick auf die Zukunft hielt es von Ribaupierre nicht für ausgeschlossen, sich der "Aufnahme von Damen in die althergebrachte Männerwelt zu nähern". Im Gegensatz zu vielen anderen Lions Clubs werden im Marquartsteiner Club Frauen bisher nicht aufgenommen.

Der Präsident stellte den vielen Festgästen auch das neue Projekt des Lions Club Achental vor, für den ein Preis in einer Gesamtsumme von 7500 Euro ausgelobt wird. In lokalhistorischen Darstellungen sollen die Veränderungen im Achental zwischen 1939 bis 2009 erarbeitet werden. Teilnehmen können junge Leute im Alter von 15 bis 20 Jahren, wobei ein Zeitraum von etwa einem Jahr zur Verfügung steht.

Festansprache von Kurt Biedenkopf

In seiner Festansprache beglückwünschte Professor Kurt Biedenkopf, der als Lions-Freund von Dresden angereist war, den Club für diese Idee. Junge und Alte müssten künftig weit mehr als bisher zusammenarbeiten. Jährlich gebe es zum Beispiel in Deutschland Tausende von Schulabbrechern. Um ihnen zu helfen, sollten die Älteren der Gesellschaft, oft gut ausgebildete Rentner, einbezogen werden, so der frühere Ministerpräsident von Sachsen, der sich vor vielen Jahren ein Haus auf dem Westerbuchberg gekauft hatte. Auch Politikern sollten die Nicht-Regierungsorganisationen wie der Lions Club ihr Wissen und ihre Mitarbeit zur Verfügung stellen.

Für besonders wichtig hielt es Biedenkopf, mehr in die Bildung zu investieren, nicht nur Finanzmittel, sondern die Kraft der Alten. Der Kerngedanke der Lions - die Bürgergesellschaft - sei unverzichtbar, denn regionale und kommunale Probleme könnten heute nur so gelöst werden. Dafür müssten die Kommunen auch einen Freiraum für die Bürger schaffen, damit sie wirklich gemeinsame Verantwortung übernehmen könnten.

Für die Gemeinden im Achental, das auch durch Grassaus Zweiten Bürgermeister Josef Grießenböck und Marquartsteins Zweiten Bürgermeister Günter Richter vertreten war, sprach Unterwössens Bürgermeister Hans Haslreiter. Der Lions Club Marquartstein-Achental verbinde Menschen, weil sich der Club der Menschen annehme, die von Staat und Gesellschaft nicht ausreichend versorgt werden. Nicht "Verein der Großkopferten", wie manchmal "unbedeutende Kritiker" den Club bezeichnen sei richtig, sondern vielmehr "Club der Großherzigen", sagte Haslreiter.

In kurzen Ansprachen und mit vielen Geschenken gratulierten Ullrich Dreistein, der District Governor von Bayern-Süd, Wolfgang Stark aus Traunstein als Zonen-Chairman, Dr. Horst Schmidt-Bischoffshausen vom Patenclub München-Arabella sowie Dr. Eckart Stöhr vom Lions Club Traunstein, Dr. Werner Pieper vom Club Übersee, Georg Klampfleuthner vom Club Bad Endorf und Martin Holzwieser vom Club Zell am See. Am weitesten her kam Fredi Lamprecht vom Lions Club Kapstadt in Südafrika, der den "Weitpreis" erhielt. Auch der Club Soroptimist Traunstein war durch Christiane Giesen vertreten, die ein kleines Geschenk zum Jubiläum überreichte.

Als Überraschung für die Festgäste gab es eine Ausstellung mit Bildern von vier Künstlern aus dem Achental, nämlich Anton Blank, Sepp Heldmann, des verstorbenen Malers Willy Flingelly und von Kerstin Vatterott-Fischer. Jeweils ein Bild der Künstler wurde im Verlauf des Abends an den Meistbietenden versteigert, wobei Georg Allertseder diese Versteigerung höchst unterhaltsam durchführte. Auch durch den Verkauf von Losen mit drei schönen Preisen konnte eine ansehnliche Summe für das neue Projekt der Lions im Achental erzielt werden.

Für eine Umrahmung des Festabends sorgten Magdalena Stadler auf der Harfe, das junge Trompetenquartett der Musikschule Grassau und eine Plattlergruppe aus dem Achental.

gi/Chiemgau-Zeitung

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