Eingeschränktes "Gewerbegebiet Nord"

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Der vorläufige Bebauungsplan des Traunsteiner Architekturbüros Schuardt für das Gewerbegebiet Nord der Gemeinde Marquartstein. (größere Auflösung des Bebauungsplans)

Marquartstein - Nach einer langen Debatte hat der Marquartsteiner Gemeinderat jetzt grünes Licht für die Aufstellung des Bebauungsplansein für ein eingeschränktes "Gewerbegebiet Marquartstein Nord" gegeben.

Nach einer langen Debatte beschloss der Gemeinderat Marquartstein in seiner jüngsten öffentlichen Sitzung mit acht gegen fünf Stimmen die Aufstellung des Bebauungsplans für ein eingeschränktes "Gewerbegebiet Marquartstein Nord" auf dem Grundstück an der Hochlerchstraße am nördlichen Ortsausgang in Richtung Staudach.

Da von mehreren Gemeinderäten der Überparteilichen Wählergemeinschaft (ÜW) der (danach mit neun gegen sechs Stimmen abgelehnte) Antrag auf nochmalige Prüfung und Verschiebung der Aufstellung des Bebauungsplans gestellt worden war, erläuterte Bür-germeister Andreas Dögerl genau, wie es zum Aufstellungsverfahren gekommen war. Seit 35 Jahren sei im Flächennutzungsplan der Gemeinde an dieser Stelle ein Gewerbegebiet ausgewiesen, so der Bürgermeister. Anhand von Daten und den Nummern der jeweiligen Beschlüsse erklärte er, dass zum Beispiel im Oktober 2009 der Gemeinderat einstimmig beschlossen habe, Gewerbe- und Gastronomieflächen bereit zu stellen und dem höchste Priorität zu geben.

Marquartstein sei als einzige Gemeinde in das Programm der Städtebauförderung aufgenommen worden und habe eine Zukunftswerkstatt mit intensiver Beteiligung der Bevölkerung betrieben, wobei das Gewerbegebiet eines der angestrebten Ziele gewesen sei. Über ein Jahr lang habe die Gemeinde bereits viel Zeit und Arbeit für die Vorbereitung zur genaueren Planung des Gewerbegebiets aufgewendet, berichtete Dögerl. Es sei bereits beschlossen worden, dass der Wertstoffhof dahin verlegt werde. Am 12. Januar diesen Jahres habe es eine Arbeitssitzung mit der Vorstellung des Planes gegeben, am 24. Januar eine des Bau- und Umweltausschuss zum Gewerbegebiet. Von der ÜW seien in der Zeit keinerlei Vorschläge gekommen, merkte Dögerl an. Nun wolle man mit dem Verfahren beginnen.

Der von der Gemeinde beauftragte Planer, Architekt Wolfgang Schuardt aus Traunstein, sagte, er sei davon ausgegangen, dass der Gemeinderat sich über die grundsätzliche Aufstellung des Planes einig war. Ziel des von ihm ausgearbeiteten Planes sei es, ein insgesamt knapp zwei Hektar großes Gewerbegebiet mit sechs Parzellen an der Bundesstraße 305 und an der Ostseite der Tiroler Ache zu überplanen. Bisher ist das Gelände ein Maisacker, der an Feuerwehr, Bauhof und Parkplätze direkt anschließt. Ziel sei ein Gewerbegebiet, das die Ansiedlung von Handwerksbetrieben, produzierenden oder Dienstleistungsbetrieben mit möglichst vielen Arbeitsplätzen ermöglicht, aber den dörflichen Charakter nicht beeinträchtigt. Die bisherigen Anwärter für das Gebiet seien ausschließlich Marquartsteiner oder solche, die ihren Betrieb dahin verlegen wollen, so Schuardt.

In den textlichen Festlegungen zum Gewerbegebiet sind Discounter, Einzelhandelsbetriebe, Handel mit gebrauchten Kfz und gebrauchten Gütern, Lagerhallen, Lagerplätze oder Vergnügungsstätten ausgeschlossen. Auf die Frage von Peter Lloyd (ÜW), wie es mit dem Wertstoffhof gehandhabt werde, wenn keine Lagerplätze erlaubt seien, erwiderte Schuardt, das müsse noch geklärt werden.

Nach dem vorliegenden Plan erfolgt die Erschließung des Geländes von der Bundesstraße über die bestehende Hochlerchstraße. Das Gewerbegebiet soll außerdem durch einen Fußweg im Norden ebenfalls an den Dammweg angeschlossen werden. Für die Nutzer des Dammweges würden zehn öffentliche Stellplätze eingerichtet, so Schuardt. Da das Gewerbegebiet in der Sichtachse zwischen B 305 und der Burg liegt, sei eine wirksame Eingrünung des gesamten Gebiets von hoher Bedeutung, sagte der Planer. Daher würden Strauchhecken und Bäume entlang der Nord- und Ostseite gepflanzt. Das Ortsschild an der Bundesstraße werde an den nördlichen Rand des Gewerbegebietes versetzt, sodass die Geschwindigkeit für Autos von derzeit 100 auf 50 km/h beschränkt wird. Um den "innerörtlichen Charakter" am neuen Ortseingang zu erhalten, werden Bäume entlang der B 305 gepflanzt. Durch die Baumallee entstehe eine transparente Eingrünung, die eine Zäsur zwischen Wohn- und Gewerbegebiet bilde, erklärte der Planer.

Bügermeister Dögerl sagte, das Gewerbegebiet solle nicht versteckt werden. Ortsgestalterisch wäre es aber schön, wenn vorne ein Gebäude in möglichst ländlichem Stil angesiedelt werde. Vorgesehen ist hier eine Schaukäserei. Für eine große Parzelle im hinteren Bereich hat der bisher in Grassau angesiedelte Betrieb Skywalk Interesse signalisiert, für deren Produktion eine zehn Meter hohe Halle eingeplant ist.

"Im Vorfeld nicht richtig ausdiskutiert"

Zu den einzelnen textlichen Festsetzungen kamen aus den Reihen der ÜW verschiedene Einwände. Besonders wurde kritisiert, dass das Gewerbegebiet bereits "auf die Bedürfnisse der Investoren angepasst" worden sei, wie es Hans-Peter Butz formulierte. Er bemängelte, dass dieses "wichtigste Thema" für die Gemeinde im Vorfeld nicht richtig ausdiskutiert worden sei. "Schöner als jetzt wird der Ortseingang nicht, im besten Fall erträglicher", so Butz. Kilian Pfohl (FW/CSU) meinte, "wir stehen als Gemeinde nicht schlecht da, wenn eine Schaukäserei oder weltweit exportierende Betriebe wie Skywalk bei uns angesie-delt sind".

Peter Lloyd stellte in Frage, ob im Zuge der interkommunalen Zusammenarbeit wirklich neue Arbeitsplätze für das gesamte Achental geschaffen würden. Die Gefahr bestehe, dass aus der Ortsmitte Verkaufsflächen abgezogen würden. Bei der von der Gemeinde geförderten Renovierung des Gustapfelbaus in der Ortsmitte zeige sich, dass trotz der höheren Attraktivität für Läden immer mehr Geschäfte schließen und dafür Büros entstünden. Claudia Kraus meinte, man solle deshalb sämtliche Verkaufsflächen beim neuen Gewerbegebiet ausschließen. Karoline Egger (FW/CSU) forderte, den Beschluss für das Gewerbegebiet "endlich in trockene Tücher" zu packen: Im Gemeinderat "hakts am Ton - wir müssen daran arbeiten, wie wir miteinander umgehen". Der Beschluss sieht noch vor, die Öffentlichkeit und die Behörden frühzeitig zu beteiligen.

gi/Chiemgau-Zeitung

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