Eklat um Ehrenamt-Bemerkung von Dögerl

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Dagmar Netzer überreichte als Sprecherin der privaten Elterninitiative Bürgermeister Andreas Dögerl bei der Bürgerversammlung 425 gesammelte Unterschriften, größtenteils von Marquartsteinern, die sich einen professionellen Jugendpfleger im Ort wünschen.

Marquartstein - Eine Bemerkung von Bürgermeister Andreas Dögerl über Ehrenamtler bei der Bürgerversammlung in Marquartstein löst einen Eklat aus.

Lesen Sie hier den Bericht der Chiemgau-Zeitung:

An die 180 Bürger, darunter viele junge Leute, kamen zur Bürgerversammlung in den Saal des Gasthofs "Prinzregent". Nach dem ausführlichen Bericht des Bürgermeisters zum Stand der Deponiesanierung, zum Kanalbau Weidenau, Städtebauförderung und Vorhaben im kommenden Jahr (wir berichten gesondert) drehte sich das Interesse der Bürger bei der Aussprache vor allem um die Stelle eines Jugendpflegers. Im August 2008 war auf Antrag der Überparteilichen Wähler (ÜW) im Gemeinderat die Einrichtung einer Teilzeitstelle für einen hauptamtlichen "Jugendbeauftragten" eingebracht worden.

Der Gemeinderat hatte sich damals mit zehn zu sechs Stimmen dagegen entschieden, weil weder ein ausgearbeitetes Konzept für die Stelle eines Jugendpflegers noch für dessen Finanzierung vorgelegen habe und es auch keine geeigneten Räume gebe, erklärte das Gemeindeoberhaupt in der Versammlung. Zuvor hatte Dagmar Netzer, Mutter aus Marquartstein, dem Bürgermeister eine Liste mit 425 Unterschriften überreicht, die eine Gruppe von engagierten Eltern in Privatinitiative im Ort gesammelt hatten. Das seien 14 Prozent der wahlberechtigten Marquartsteiner. Die Vereine seien wichtig, um die Jugendlichen "aufzufangen", aber nicht jedes Kind könne einen passenden Verein finden.

Aus der Versammlung kamen viele Stimmen, die einen Jugendpfleger vehement befürworteten. Anna Opitz, Schülerin des Staatlichen Landschulheims, sagte, dass die Jugendlichen keine räumlichen Möglichkeiten hätten, um sich auszutauschen. Im November des Vorjahres habe es eine erste Jugendbürgerversammlung mit 120 jugendlichen Teilnehmern gegeben, die den Wunsch nach einem Jugendtreff geäußert hätten. Auch bei einer erneuten Jugendbürgerversammlung im Dezember, zum zweiten Mal geleitet von Kreisjugendpflegerin Ulli Himstedt, sei wieder beklagt worden, dass kein Platz für die Jugend vorhanden sei.

Ein Anwesender hielt die Stelle eines Jugendpflegers für das "Allerwichtigste", denn "die Jugend ist die Zukunft". In Marquartstein mit seinen vier Schulen seien täglich 1800 Jugendliche unterwegs. Die Betreuung müsse so organisiert sein, dass sie "gar nicht zu merken" sei, aber wenn notwendig, vorhanden.

Bürgermeister Dögerl, selbst Vater von drei Kindern, gab zu bedenken, dass es bis jetzt keinen geeigneten Raum für einen Jugendtreff gebe, dass aber mit dem geplanten Bürgerhaus so etwas durchaus denkbar sei. Er habe bereits mit Fachbehörden wie der Diakonie gesprochen, wobei er nichts davon halte, dass die Gemeinde eine solche Stelle aus eigener Kraft ohne Beteiligung von Fachbehörden einrichte. Er habe nichts dagegen, sieben bis acht Stunden pro Woche eine Fachkraft einzustellen. Darüber aber müsse der Gemeindrat befinden.

Dögerl erinnerte ferner daran, dass sich die Gemeinde bereits beim Betreuungskon-zept der Grassauer Hauptschule beteilige. Lehrerin Christiane Elgass klagte, inzwischen seien sieben Monate vergangen und die Gemeinde habe genügend Möglichkeiten gehabt, um Informationen einzuholen. Für die Straßenausbauten sei eine Million Euro eingeplant, als Zuschuss für die Sanierung des Gustapflbaus 400.000 Euro, aber: "Wo bleibt der Mensch?" Auch Lehrerin Christine Branz bekräftigte, dass in der Gemeinde "keine Bereitschaft gezeigt worden sei, etwas für die Jugendlichen zu tun". Die könnten "schauen, wo sie bleiben".

Als Dögerl anmerkte, hier würden "Forderungen gestellt, ohne dass man selbst etwas bringt", erhoben sich lautstarke Proteste. Christine Branz, die zwei Jahre lang ehrenamtliche Leiterin des Jugendprojekts "Guat beinand" in der Initiativgruppe gewesen war, sagte, sie fühle sich "persönlich beleidigt", wolle aber darauf jetzt keine Antwort.

Die Äußerung von Maria Eschenbeck, dass jede Gemeinde eine Fachkraft für die Jugend brauche, glättete die Wogen. Ihrer Meinung nach müsse jede Gemeinde Räumlichkeiten zur Verfügung stellen, aber der Jugendpfleger dürfe nicht Angestellter der Gemeinde, sondern eingebunden in eine größere Organisation sein.

Irmgard Hell legt ihr Ehrenamt nieder

Am Tag nach der Bürgerversammlung kündigte Irmgard Hell, ebenfalls ehrenamtliche Helferin bei "Guat beinand" ihre Mitarbeit beim Projekt "Integrierte ländliche Entwicklung", wo sie im Bereich "Sozialstruktur und Ehrenamt" ihre Bereitschaft zur Mitarbeit zugesagt hatte. Die Bemerkung des Bürgermeisters sei "nicht nur beleidigend, sondern eine öffentliche Geringschätzung unserer Arbeit" gewesen und "das nach über zwei Jahren ehrenamtlichen Engagements im Projekt für die Jugend", heißt es in dem Brief. gi

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