"Fahren wie Wahnsinnige"

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Doris Angerer vor ihrem Holzhaus in Süssen 5, wo ein Wagen ihr Haus streifte und kurz danach ein weiteres Auto 50 Meter entfernt im Graben lag.

Marquartstein - "Die fahren wie die Wahnsinnigen. 100 km/h reichen oft nicht", sagt Doris Angerer, eine Anwohnerin von Süssen, dem südlichsten Ortsteil von Marquartstein in Richtung Raiten.

Die übrigen Bewohner von Süssen, wie zum Beispiel Erich Penzkofer oder Maria Posch, die seit Jahrzehnten hier leben, bestätigen das.

Gemeint ist die Kreisstraße TS 55, die seit der Sperrung der Bundesstraße 307 wegen Bauarbeiten am 19. Juli weit stärker als früher befahren ist. Unmittelbarer Anlass für die Klagen sind zwei Unfälle vor genau einer Woche (wir berichteten), bei denen einmal ein Kleinwagen mit einer 18-jährigen Fahranfängerin in einer lang gezogenen Linkskurve von der Fahrbahn abkam, einen Gartenzaun durchfuhr und knapp zwischen einem vor dem Haus geparkten Wagen und dem Holzblockhaus von Doris Angerer zum Stehen kam.

Dabei ging ein Fenster des Hauses zu Bruch, die große angrenzende Terrasse verzog sich, ein anderes Fenster ist seither nicht mehr zu öffnen - insgesamt ein geschätzter Schaden von 20.000 Euro. Die 58-jährige Bewohnerin des Hauses Süssen 5, die gerade am Computer saß, erlitt bei dem Geschehen einen regelrechten Schock. Ihr Haus steht direkt neben der Kreisstraße, näher als alle anderen Häuser.

Dabei ist sie von Erfahrungen mit Rasern aus früheren Jahren bereits geschädigt, wurde doch schon einmal vor über zehn Jahren ihr Gartenzaun überfahren und ein Auto "hielt" damals unmittelbar vor ihrem damals noch oberirdischen Gastank.

Am gleichen Tag als das Auto der jungen Frau in ihrem Garten stand, landete 50 Meter vor dem Haus der Wagen mit einer Familie aus Frankreich im Straßengraben. Weil er einem entgegenkommenden Tieflader mit Anhänger ausweichen wollte, war der Fahrer in die aufgeweichte Wiese geraten und hatte sich überschlagen.

Schon am Freitag ließ das Straßenbauamt an der Unfallstelle den Fahrbahnrand neu aufkiesen und setzte Pfosten am Straßenrand. Doris Angerer und andere Anlieger halten das für völlig unzureichend. Vielmehr müsse eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50, höchstens 60 km/h her.

Der beim Straßenbauamt für diesen Bereich zuständige Peter Maltan gab auf Anfrage der Chiemgau-Zeitung inzwischen bekannt, dass seit Wochenmitte die Geschwindigkeit nunmehr auf 60 km/h gedrosselt worden sei. Auslöser dafür seien weniger besagte beiden Unfälle gewesen als vielmehr die Tatsache, dass die Straße für stärkeren Verkehr mit einer Breite von nur 5.50 Metern eigentlich zu schmal sei. Deswegen, wenigstens temporär, die Geschwindigkeitsbegrenzung. Die Straßenmeisterei kontrolliere die Strecke seit den Unfällen mindestens zweimal am Tag.

Auch Bernhard Seidlinger, Stellvertreter des Dienststellenleiters der zuständigen Polizeiinspektion Grassau, hält die Straße für zu schmal für starken Verkehr. Die Polizei habe aber nur beratende Funktion und nicht immer, wenn Anwohner davon überzeugt seien, dass gerast wird, entspreche das der Realität. Die Kreisstraße TS 55 sei normalerweise kein Unfallschwerpunkt. Seit 2002 seien mit den letzten beiden Unfällen hier insgesamt sechs gezählt worden - nach Erfahrungen der Polizei vergleichsweise sehr wenige.

gi/Chiemgau-Zeitung

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