Finanzierung umstritten

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Bereits 2008 wurde mit den Tiefgesteinsbohrungen in den Weißgräben begonnen. Foto ostermaier

Reit im Winkel - Auf eine neue Grundlage soll die Trinkwasserversorgung für Reit im Winkl gestellt werden.

Nachdem in den vergangenen Jahren immer wieder über dieses Thema im Tourismusort intensiv diskutiert wurde, konnten Vertreter der Gemeinde und des Planungsbüros jetzt im Festsaal konkrete Daten zu diesem Dauerthema präsentieren. Rund 100 Zuhörer folgten den Ausführungen des planenden Ingenieurs Matthias Gerold, der die technischen Bauten, die Trassenführung, den Zeitplan und die zu erwartenden Kosten vorstellte. Rund 270000 Kubikmeter Trinkwasser benötigt der etwa 2500 Einwohner zählende Bergort per annum, etwa 80000 Kubikmeter werden durch kleinere Wasserbeschaffungsverbände bereitgestellt. Der Großteil des Wassers wurde durch den Brunnen Groissenbach gefördert, dessen Genehmigung nach einem viele Jahre zurückliegenden Ölunfall am 31. Dezember 2011 erlischt.

Mehrere Tiefgesteinsbohrungen in den Weißgräben in der Nähe des Masererpasses förderten schließlich eine hohe, wenn auch nicht ausreichende Wassermenge zu Tage. Neuerlich nutzen will man aber auch die dort benachbarte Pankratiusquelle. Die Zusammenführung von drei Tiefgesteinsbrunnen und der Pankratiusquelle mit dem Brunnen Groissenbach als Zusatzversorgung im Bedarfsfall soll also künftig die Wasserversorgung für Reit im Winkl sichern.

Notwendige Baumaßnahmen werden die Verlegung der Leitungen auf einer Gesamtlänge von etwa 3,7 Kilometern entlang der B305 und über etwa 800 Meter über landwirtschaftliche Flächen sein. Die Grundstücksverhandlungen hierbei seien "sehr positiv" verlaufen, wie Bürgermeister Josef Heigenhauser berichtete, keiner der 16 Grundstückseigentümer habe der Leitungsverlegung widersprochen. Mit dem Leitungsbau wolle man bereits in diesem Jahr beginnen, so Matthias Gerold vom Planungsbüro Dippold&Gerold aus Prien. 2011 dann wolle man das Wasserwerk im Bereich der Weißgräben errichten.

Die Gesamtkosten für den Leitungsbau und das Wasserwerk mit der erforderlichen technischen Ausstattung berechnete Ingenieur Gerold auf 1,981 Millionen Euro. Diese Kosten seien nicht bezuschussungsfähig, stellte der Bürgermeister fest, entsprechende Gespräche selbst mit dem bayerischen Innenminister Joachim Herrmann hätten "keinen Erfolg" gehabt.

Wie also diese Summe vor dem Hintergrund einer hohen gemeindlichen Verschuldung (Schuldenstand Ende 2009: 7,967 Millionen Euro) finanzieren? Dazu stellte Bürgermeister Heigenhauser den Bürgern drei Optionen vor: Die erste Möglichkeit sehe dabei vor, diese Summe über ein Darlehen zu finanzieren. Dies bewirke, dass der Wasserpreis von aktuell 1,94 auf 2,12 Euro bis 2014 und dann auf 2,46 Euro steigen würde. Als zweite Möglichkeit legte Heigenhauser dar, eine Million Euro über einen Verbesserungsbeitrag zu finanzieren und die restliche Summe mittels einer Gebührenerhöhung. Diese greife in diesem Fall erst ab 2014, dann würde der Preis je Kubikmeter Trinkwasser auf 2,21 Euro ansteigen.

Denkbar sei schließlich auch, die Gesamtsumme von knapp zwei Millionen Euro durch Verbesserungsbeiträge abzudecken. Berechnet werde die Höhe dieses Verbesserungsbeitrages je Grundstücksbesitzer mittels der Grundstücks- und der Geschossfläche.

Wie hoch dieser Verbesserungsbeitrag für einen Hausbesitzer konkret sein könnte, erläuterte der Bürgermeister an einem Beispiel: Bei einer Grundstücksgröße von beispielsweise 1000 Quadratmetern und einer Geschossfläche von 400 Quadratmetern müsste dieser Anschlussnehmer bei der zweiten Variante 1420 Euro bezahlen. Wäre die gesamte Maßnahme durch einen Verbesserungsbeitrag zu begleichen, bedeute dies für diesen Grundstücksbesitzer eine Rechnung in Höhe von 2696 Euro, die in vier Jahresraten zu bezahlen wären.

Welche Möglichkeit der Finanzierung angestrebt werden solle, darüber herrsche im Gemeinderat kein einheitliches Meinungsbild. Vielmehr wolle man alle Anschlussnehmer in den kommenden Tagen anschreiben mit der Bitte, ihre favorisierte Möglichkeit bis Ende Mai schriftlich zu benennen. Bürgermeister Heigenhauser wollte aber durchblicken lassen, dass eine reine Finanzierung mittels Krediten "nicht optimal" sei, diese Meinung teile auch die Kommunale Aufsicht im Landratsamt. Für den Gemeinderat seien die Reaktionen der Anschlussnehmer allerdings ein "sehr entscheidendes Kriterium".

In der abschließenden Diskussion erkundigten sich viele Zuhörer nach technischen Details und der genauen Trassenführung. Kritisch gesehen wurden aber auch die neuerlichen Gebühren, die auf die Anschlussnehmer - egal in welcher der drei Varianten - zukämen. Schließlich waren erst 2005 die Kosten von 1,030 Millionen Euro des Hochbehälters im Ortsteil Entfelden über einen Verbesserungsbeitrag zu finanzieren gewesen. ost

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