Froschsterben soll ein Ende haben

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Wenn die Wanderung der Frösche demnächst wieder einsetzt, wird es auf der B 305 im Seengebiet zwischen Reit im Winkl und Ruhpolding mutmaßlich wieder so aussehen wie im Vorjahr. Zuständige Stellen sprechen davon, dass hier das größte Aufkommen von Amphibien, die eine Straße zu überwinden haben, in ganz Deutschland festgestellt wurde.

Reit im Winkl - Es ist in jedem Jahr auf der Bundesstraße 305 auf Höhe des Seengebiets das gleiche Bild: Immer wenn die Temperaturen ansteigen, das Eis und der Schnee abschmelzen, beginnen unzählige Amphibien mit der Suche nach geeigneten Laichplätzen.

Viele tausend müssen dabei die Asphaltstrecke überwinden, um zu den ersehnten Wasserflächen zu gelangen. Für einen hohen Prozentsatz dieser Tiere endet diese riskante Wanderung jedoch tödlich. Trotz Straßensperren, Warnhinweisen, Bußgeldern für uneinsichtige Autofahrer: Für die Amphibien am Weitsee war die Straßenüberquerung ein tödliches Risiko. Dieses Bild soll nun aber endgültig der Vergangenheit angehören: Nachdem der bayerische Innenminister Joachim Herrmann ein bis 2015 befristetes Amphibienschutzprogramm aufgelegt hat, sollen nun endlich entlang des besonders gefährdeten Wanderungspunkte im Seengebiet technische Einrichtungen entstehen, die den Fröschen und Molchen eine sichere Überquerung dieser Bundesstraße ermöglichen. Federführend bei diesem ehrgeizigen Projekt ist das Staatliche Bauamt in Traunstein.

Der zuständige technische Amtsrat Diplom-Ingenieur Franz Förg spricht vom größten Aufkommen von wandernden Amphibien im gesamten Bundesgebiet. Er bezieht seine Angaben von einer Erhebung aus dem Jahre 2002, als die Biologin Else Engelmaier eine akribische Zählung vorgenommen hatte: Auf 10000 Exemplare kam sie dabei und rechnete auf dieser Grundlage die Gesamtzahl der Wirbeltiere auf 20000 hoch. Diese hohe Aufkommen setzt das Seengebiet an die allererste Stelle von knapp 40 Standorten in Bayern, die bis in fünf Jahren von Geldern aus dem Amphibienschutzprogramm profitieren könnten.

Bis zu 3,5 Millionen Euro sind nach den Angaben von Amtsrat Förg allein für das Areal an den Seen vorgesehen. Weitere zwei Millionen stünden demnach für "randliche Maßnahmen" zur Verfügung. Dieses sind Einrichtungen in den Schutzzäunen, die parkenden Pkw, Radfahrern und Wanderern die Überwindung der Sperren erleichterten.

Noch aber steht nicht genau fest, welche Arten von unüberwindlichen Hindernissen für die Amphibien gebaut werden sollen, auch die genauen Abschnitte sind noch offen. Jetzt wurde aber ein genauer Terminplan erstellt, wie in den kommenden Jahren vorgegangen werden soll. "Wir wollen 2015 definitiv mit allen Arbeiten fertig sein", sagt Förg, wobei heuer zunächst eine Machbarkeitsstudie erstellt werden soll. Dabei sollen in enger Zusammenarbeit mit verschiedenen Institutionen und anerkannten Naturschutzbehörden die bautechnische und wirtschaftliche Grundlagen ermittelt werden.

Polizei kontrolliert nächtliche Sperren

Festgestellt werden soll aber auch neuerlich die genaue Anzahl der wandernden Amphibien und die Schwerpunktbereiche der Querungen auf der etwa acht Kilometer langen Strecke. Dazu soll in den ersten Aprilwochen die Straße mit festen Sperren und polizeilichem Einsatz gesichert werden, eine Befahrung der B 305 zwischen Ruhpolding und Seegatterl wird dann in der Zeit von 20 Uhr bis 5 Uhr morgens nicht mehr möglich sein. An etwa 15 Tagen sollen dann 25 Helfer das genaue Aufkommen der Erdkröten, Grasfrösche, Molche und möglicherweise auch von Unken ermitteln.

Falls die Temperaturen und die Witterung eine größere Wanderung nicht erwarten lassen, ist die nächtliche Befahrung dieser Bundesstraße zwar möglich, allerdings wird die Geschwindigkeit auf 30 km/h beschränkt. Eine höheres Tempo tötet aufgrund der Druckwirkung die Amphibien auch, selbst wenn sie nicht direkt überfahren würden, erklärt abschließend Wolfgang Selbertinger Fachreferent für Naturschutz im Landratsamt Traunstein. Und: "In Zeiten, in denen fast täglich Tierarten aussterben, sind solch hohe und unnötige Verluste nicht mehr tolerierbar." ost

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