Fußball ist nun auch weiblich

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Antonia Mittermaier, eine der engagiertesten Spielerinnen des FC Reit im Winkl, versiebte kurz vor Spielende einen Strafstoß und damit den Anschlusstreffer zum 1:2. Das kleine Bild zeigt die neue Mädchenmannschaft mit Trainer Andi Lengg.

Reit im Winkl - Bereits seit 41 Jahren gibt es den FC Reit im Winkl. Nur: bisher war Fußball eine reine Männersache. Das hat sich am Sonntag geändert.

Sieben Mannschaften nehmen beim FC Reit im Winkl zurzeit in verschiedenen Altersklassen am Spielbetrieb teil, allein im Jugendbereich werden über 100 Kinder und Jugendliche betreut. Am Sonntag hat nun auch die erste Mädchenmannschaft ihren Spielbetrieb aufnahm - drei Tage nach der erneuten Europameisterschaft der Fußballdamen auf höchster Ebene.

Auf eigenem Platz erwartete man in der Runde der U 17 Juniorinnen der Gruppe 1 die Gästemannschaft vom DJK Weildorf. Genau ein Jahr hatten sich die 15 Mädchen auf diesen ersten Prüfstein vorbereitet, nun sollte sich also zeigen, ob man beim ersten Pflichtspiel mitzuhalten in der Lage war.

"Ich habe die Nacht vor unserem ersten Spiel fast nicht schlafen können", erzählt eine sichtlich aufgeregte Alina Hinterseer vor dieser Begegnung. Gefragt nach den positiven Tugenden, nach ihren Stärken, gibt der überwiegende Teil der Mädchen die "mannschaftliche Geschlossenheit" an, ihre "freundschaftliche Verbundenheit". "Allerdings sind wir auch sehr verratscht", ergänzt Natalie Mählenhoff - ein Umstand, den Trainer Andi Lengg ohne Zögern zu bestätigen weiß. Dennoch, so erzählt er, als er vor einem Jahr gefragt worden war, ob er die für den FC Reit die ungewöhnliche Aufgabe eines Trainers einer Mädchenmannschaft übernehmen wolle, habe er sofort zugesagt. Und dies bis heute nicht bereut. "Die Mädchen kommen alle begeistert ins Training und sind mit großem Engagement dabei", so der 34-Jährige, der die Truppe zusammen mit Lisa Huber, einer erfahrenen Fußballerin aus Reit im Winkl, betreut.

"Wir haben damals oft in kleiner Runde selbst für uns gekickt", erzählt Martina Huber, damals eine der Initiatorinnen der Truppe. So entstand der Gedanke einer eigenen Mädchenmannschaft, deren Spielführerin sie heute ist. Im Laufe der Zeit kamen immer mehr Spielerinnen hinzu, schließlich wurde als Ziel die Teilnahme an der Punkterunde festgelegt. Dies bedeutete also ein Jahr der Vorbereitung, das heißt zweimal wöchentlich Training, insbesondere Technik- und Schusstraining. Um über den langen Winter nicht Kondition und Form zu verlieren, wich man während dieser Monate auf die Schulturnhalle als Trainingsort aus.

Und nun also das erste richtige Punktspiel. "Wir sind froh, wenn wir heute nicht gleich recht hoch verlieren", klärt Martina Huber vor der Partie gegen Weildorf (bei Teisendorf) noch schnell auf und ordnet dann ihre fünf Mitspielerinnen auf dem Feld so konzentriert, dass die Gegnerinnen sich mit einem 0:0 zufrieden geben müssen. In der zweiten Hälfte kommen die Gastgeberinnen vor 50 Zuschauern sogar zu mehr Spielanteilen und besseren Möglichkeiten, die Weildorfer allerdings zu zwei Toren. Als "clevere Chancenauswertung" wird ein solcher Verlauf gerne beschrieben, vielleicht auch als "Lehrgeld", das man als Neuling eben zu bezahlen hat. So weiß nach der Begegnung Mannschaftsführerin Martina Huber nicht so recht, ob sie sich über das Ergebnis freuen oder enttäuscht sein soll. Sich freuen ob der Erkenntnis, dass man zumindest beim ersten Spiel durchaus mithalten konnte und Enttäuschung darüber, nicht wenigstens einen Punkt geholt zu haben. Nach dieser 0:2-Niederlage im ersten Spiel der Mädchenmannschaft des FC Reit im Winkl ist das Saison-Minimalziel jedenfalls nicht gefährdet: "Wir wollen in unserer Runde auf keinen Fall Letzte werden", gibt sich Martina Huber bescheiden und zurückhaltend. Mit der gezeigten Leistung und Einsatzfreude sollte nach den noch bevorstehenden 17 Spielen eigentlich viel mehr möglich sein.

re/Chiemgau-Zeitung

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