Geht Hallenbad-Trägerverein leer aus?

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Unterwössen - Im Rechtsstreit um Schadensersatz für die Ausfälle des Blockheizkraftwerkes (BHKW) droht der Trägerverein des Hallenbades in Unterwössen möglicherweise leer auszugehen.

Die Firma, die das BHKW errichtet hat, hat Insolvenz beantragt. Der Hallenbadverein fordert von ihr nach eigenen Angaben 110.000 Euro.

Die schlechte Nachricht erhielt Hans Wimmer, Vorsitzender des Vereins und CSU-Gemeinderat, wie er in einem Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung berichtete, in dieser Woche: Am Mittwoch habe er vom Landgericht Traunstein die Mitteilung erhalten, dass die Installationsfirma des Blockheizkraftwerkes Insolvenzantrag gestellt habe.

In dem Gerichtsverfahren verlangt der Verein als Träger des Sporthallenbades von der Firma, die das Blockheizkraftwerk im Hallenbad errichtet hat, nach Angaben von Wimmer Schadensersatz in Höhe von 110.000 Euro. Der Verein vertrete die Auffassung, dass die Ausfälle und die daraus folgenden Schäden von der Firma zu verantworten seien.

Nachdem ein vom Gericht bestellter Sachverständiger im Anschluss an die Besichtigung des BHKW seine erste, vorläufige Auffassung mit den Prozessparteien besprochen hatte, sah der Hallenbadverein laut Wimmer einen deutlichen Hoffnungsschimmer auf ein positives Ende des Rechtsstreites.

Nach dem Insolvenzantrag befürchten der Hallenbadverein und sein Prozessvertreter, wie Wimmer erläutert, eine erhebliche Verzögerung des Gerichtsverfahrens. Sie seien in Sorge, dass selbst ein gewonnener Prozess aufgrund einer Insolvenz der Installationsfirma dem Hallenbadverein kein Geld bringe.

Unterstützt von der Gemeinde betreibt der Verein das Hallenbad. Erst im Dezember hatte er in seiner Jahreshauptversammlung einstimmig beschlossen, trotz roter Zahlen des letzten Jahres den Betrieb fortzusetzen. Unterdessen mehren sich die Stimmen, die die erheblichen Summen beanstanden, die die Gemeinde zur Unterstützung des Vereins und des Hallenbades außerhalb der festen monatlichen Zahlungen entrichtet. Zuletzt hatte Andreas Bichler, Gemeinderat der Freien Wählergemeinschaft Wössen e.V., Kritik geäußert. Die Kernaussage Bichlers: "Ich habe immer gesagt, ich bin für das Hallenbad. Aber wenn es nicht mehr zu finanzieren ist, müssen wir Abstand davon nehmen."

Der Hallenbadverein hat sich für ein Blockheizkraftwerk ausgesprochen und eine Firma mit dem Bau beauftragt. 2008 ist das BHKW dann in Betrieb gegangen. Mit ihm wollte der Verein, so seine ursprüngliche Zielsetzung, die hohen Energiekosten im Hallenbad senken. Auf ökologischer Basis von Rapsöl als Betriebsenergie sollte der Motor Strom erzeugen. Die Abwärme sollte dann die Grundwärme für das Hallenbad liefern, so dass nur bei niedrigen Außentemperaturen herkömmlich zugeheizt werden müsste. Dieses Modell läuft in vielen Blockheizkraftwerken in Deutschland. Und auch wenn das Rapsöl einen höheren Aufwand an Motorenwartung bedeutet und die Einspeisevergütung der Elektrokonzerne inzwischen gesunken ist, erweist sich dieser Weg andernorts als erfolgreich.

Dass das in Unterwössen nicht so ist, gründet auf den vielen Ausfällen des BHKW. Mangelhafte Fundamente führen laut Wimmer zu starken Vibrationen, die immer wieder Schäden an den Anschlusskomponenten verursachen. Nach Auffassung des Vereinsvorstandes, der sich auf Informationen stützt, die er aus dem Gerichtsverfahren hat, erfordert ein reibungsloser Betrieb neue vibrationsgedämmte Fundamente - was jedoch den Abbau des BHKW, die Erstellung der Fundamente und die Neuinstallation des BHKW verlangt.

Wimmer betont, dass die Firma in einem guten Ruf gestanden sei, als der Hallenbadverein den Auftrag vergeben habe. Sie habe bereits sechs solche BHKW errichtet. Vorzeigeobjekt sei der Badepark in Inzell gewesen. Der Vorstand des Hallenbadvereins, insbesondere auch er selbst, habe sich nichts zu Schulden kommen lassen. Wenn das andere anders sehen würden, so Wimmer weiter, würde er auch beiseite treten. Andererseits sei er nicht so "feige, den Verein in diesen schwierigen Zeiten allein zu lassen" - auch wenn das jetzt alles eine Riesenlast geworden sei.

Laut Wimmer stehen jetzt schwierige Verhandlungen an. Es müsse für die Finanzierung der Umbaumaßnahmen gesorgt und das BHKW möglichst schnell für einen zuverlässigen Betrieb gerüstet werden. Das sei erst jetzt mit der Beweissicherung durch den Gerichtssachverständigen möglich geworden. Für die Deckung der Raten des Finanzierungsdarlehens müsse gesorgt werden.

Ludwig Flug (Chiemgau-Zeitung)

Rubriklistenbild: © pa

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