Glücksfall für verschuldete Gemeinde

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Kaum zu glauben, dass es ab diesem Zylinder rund 200 Meter senkrecht in die Tiefe bis in das Dolomitgestein geht. Was dort unten gefunden wurde, löst momentan im Fremdenverkehrsort Reit im Winkl finanzielle Wunschträume aus: wertvolles Heilwasser. Foto ost

Reit im Winkl - Als großer Glücksfall scheint sich die jahrelange Suche nach der optimalen Trinkwasserversorgung für Reit im Winkl zu entwickeln: Die Quelle beim Masererpass weist "Heilwasser"-Qualität auf.

Hinweis: Dieser Bericht ist ein April-Scherz!

Nachdem das Landratsamt Traunstein der Berggemeinde schon 2006 die Nutzung eines wesentlichen Versorgungsbrunnens nur noch unter strengen Auflagen bis Ende 2011 genehmigt hatte, schien es lange als äußerst schwierige Aufgabe, den Fremdenverkehrsort ausreichend mit Trinkwasser versorgen zu können.

Einem ehrgeizigen Projekt war es schließlich zu verdanken, dass sich die Lage bis heute deutlich entspannt hat: In mehreren Tiefgesteinsbohrungen hatte man im Bereich der Weißgräben unweit des Masererpasses in 200 Metern Tiefe nach frühzeitlichem Wasser gesucht. Nach einigen Versuchen war man vor zwei Jahren tatsächlich auch fündig geworden. So liefern jetzt mehrere Bohrungen eine Gesamtschüttung von etwa 13 Litern je Sekunde.

Minutiös begleitet hatte diese aufwändigen Bohrungen 2008 der pensionierte Geologieprofessor Dr. Heinrich Zankl. Dem mit Mineralien gesättigten Wasser sprach er damals euphorisch eine "herausragende Qualität" zu. Dass das rund 10000 Jahre alte Tiefenwasser im Dolomitgestein aber selbst die strengen Vorgaben eines Mineralwassers noch übertreffen würde, diese Erkenntnis hat jetzt selbst Fachwissenschaftler überrascht: Demnach ist der Gehalt an Magnesium, Calcium, Fluorid und Sulfat derart hoch, dass dem Wasser offenbar mühelos das Zertifikat "Heilwasser" zuerkannt werden kann.

In der nicht-öffentlichen Gemeinderatssitzung am vergangenen Dienstag wurde nun dem Vernehmen nach darüber beraten, einen kleineren Anteil des Heilwassers direkt zu vermarkten. Mit diesem Flaschenverkauf will man bereits im bevorstehenden Sommer beginnen. Zumindest soll schon kurz vor Pfingsten im unteren Bereich der Weißgräben eine für die Flaschenabfüllung notwendige Technik installiert werden.

Bürgermeister Josef Heigenhauser hatte dem Thema "Erschließung der Weißgräben-Tiefenbrunnen" in der Bürgerversammlung in der vergangenen Woche breiten Raum beigemessen und auch angedeutet, dass die Bürger künftig mit "deutlich weicherem Wasser" rechnen könnten. Dass sich hinter der Ankündigung ein Heilwasser mit dieser Qualität verbergen sollte, kam allerdings völlig überraschend. Eine solche Wassergüte war jetzt in einem neuerlichen Gutachten der Regierung von Oberbayern festgestellt worden. Von diesen Tests hatte die Gemeinde offenbar keine Kenntnis und wurde erst vor wenigen Tagen vom sensationellen Ergebnis informiert.

Seither ist eine rege Diskussion am Ort entstanden, wie das kostbare Nass am besten zu nutzen sei - und wie am gewinnbringendsten. So ist zunächst im Quellbereich angedacht, das Wasser direkt in 0,75-Liter-Flaschen abzufüllen, wobei für den Abtransport die schmale Forststraße auf etwa 200 Metern Länge für die Nutzung von schweren Lkw ausgebaut werden muss.

Noch völlig unklar ist derzeit aber, wie das Heilwasser eigentlich heißen soll: Die Vorschläge reichen von "Pankratius-Tropfen" über "Maserer-Quell" bis hin zu "Reiter Heilbrunnen".

Für die hoch verschuldete Gemeinde jedenfalls ist die ökonomische Nutzung des Heilwassers eine unerwartete Quelle auch in finanzieller Hinsicht: Vorsichtige Schätzungen gehen bei einem optimalen Verkauf pro Jahr von einer mittleren fünfstelligen Einnahme aus.

250 Flaschen an Heilwasser ausgelobt

Vorschläge für einen endgültigen Produktnamens können interessierte Bürger auch selbst unterbreiten. Für den besten Markennamen hat die Gemeindeverwaltung als Prämie die ersten 250 Flaschen des Heilwasser ausgelobt. Gesucht werden ferner mittlere bis größere Übernachtungsbetriebe als Lizenznehmer, welche das Heilwasser in Zukunft für äußerliche medizinische Therapien anwenden wollen.

Möglicherweise ist also der unerwartete Funde künftig für viele Betriebe in Reit im Winkl ein wirtschaftlicher Segen, möglicherweise hat er aber auch für die Gemeindekasse eine "heilende Wirkung".

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