Fernwärmeversorgung nicht mehr weit

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Sieben Kilometer lang wird das Fernwärmenetz im ersten Bauabschnitt, der bis Ende November abgeschlossen sein soll.

Grassau -Die Versorgung Grassauer Haushalte mit Fernwärme ist absehbar. Spätestens Weihnachten werden die ersten 150 Kunden von der umweltfreundlichen Energieform profitieren.

In der Ringstraße im Osten der Marktgemeinde ist Ende August damit begonnen worden, das Fernwärmenetz zu knüpfen.

Weil die Zeit drängt, legen sich die Bauarbeiter der verschiedensten Gewerke mächtig ins Zeug. Acht Mitarbeiter des Generalunternehmens, der Firma Zauner aus dem 400 Kilometer entfernten oberösterreichischen Wallern, die in Grassauer Privatquartieren wohnen, verlegen fünf Tage die Woche, von 7 bis 18 Uhr mit 30 Minuten Mittagspause, die zwischen 3,5 und 15 Zentimeter dicken Rohre der Rosenheimer Fernwärmetechnik Isoplus. Mitarbeiter anderer Subunternehmen, etwa aus Deggendorf, Passau oder Grassau, sind sogar samstags auf den Baustellen im Abschnitt eins zu finden, der im Unterschied zur ursprünglichen Planung um die eh schon zwischenzeitlich aufgerissene Bahnhofstraße erweitert wurde. Zurzeit werden die ersten Gräben beim "Sporthotel Achental" ausgehoben. Damit später, wenn die Rohre unter der Straßendecke liegen und mit Wärme aus dem Biomasse-Heizwerk gespeist werden, Lecks sofort entdeckt werden, wird gleich ein Warndraht mit eingearbeitet. Bauabschnitt eins sieht eine Rohrlänge von etwa sieben Kilometern vor.

Es war kurz vor Weihnachten 2008, als der Gemeinderat die Nahwärmeversorgung einstimmig auf den Weg gebracht hatte (wir berichteten). Damit war der grundsätzliche Startschuss für eine neue Energieversorgung gefallen. Im Biomasse-Heizwerk am Standort des Biomassehofes im Gewerbegebiet Eichelreuth, für das zurzeit die Ausschreibungen laufen und dessen Baubeginn Sebastian Stephan von der Verwaltung Ende Oktober ins Auge gefasst hat, wird künftig Wärmeenergie für Privathaushalte und Gewerbebetriebe erzeugt.

Ein spezieller Thermoölkessel ermöglicht es auch, Ökostrom zu produzieren. Bis nun das mit Waldhackschnitzeln gespeiste Heizwerk in Betrieb geht, werden die bereits angeschlossenen Verbraucher mit Hackschnitzeln vom bestehenden Biomassehof sowie einer mobilen Heizanlage versorgt, die wahlweise mit besagten Hackschnitzeln oder - in Spitzenzeiten beziehungsweise Notfällen - mit "extra leichtem" Öl betrieben wird.

Das Fernheizwerk soll im Biomassekessel über eine Nennleistung von 3000 Kilowatt, in der Ölkesselanlage über 5000 Kilowatt verfügen. Pro Jahr wird eine Wärmeproduktion von 13500 Megawattstunden (MWh) angepeilt. Für die bereits 130 vorhandenen Kunden (die 20 weiteren werden bis November erwartet) werden zwölf Millionen Kilowattstunden (kW/h) erzeugt. Das heißt, wie Kundenberater Alexander Frank hinzufügt, damit werden 1,2 Millionen Liter an Heizöl eingespart. Und 3072 Tonnen an CO2.

Als Vorteile für den Kunden werden - abgesehen vom umweltfreundlichen Aspekt - die praktische Handhabung wie regelmäßige, gebrauchsfertige Wärmezufuhr beschrieben, ohne sich um Wartung oder Reparaturen kümmern zu müssen. Auch die rechtzeitige Bestellung von Öl fällt künftig weg. Das noch vorhandene Restöl in Tanks wird übrigens vom Betreiber, der Wärmeversorgung Grassau, zum Tagespreis abgenommen. Seine jetzige Anlage mit Tank kann jeder Kunde auf eigene Faust verkaufen und gewinnt mit dem dann leeren Heizraum ein weiteres Zimmer im Keller. Wer in Urlaub fährt oder technisch nicht besonders bewandert ist, kann die Fernwärme im Wortsinne aus der Ferne regeln lassen.

Wie auch Kämmerer Peter Enzmann und Ingenieur Frank appelliert der Vorsitzende Stephan an die Grassauer, sich so schnell wie möglich für diese Energieform zu erwärmen. Gerade hier gilt: Zeit ist Geld. Solange noch ein Hausanschluss möglich ist, ohne wieder die Straßendecke aufzureißen, gibt es Rabatt. Das heißt konkret: Wenn die vorhandene Heizanlage nicht älter als fünf Jahre ist, kostet die so genannte Wärmeübergabestation keinen Cent. Bei einem 15 Jahre alten Kessel werden noch immer 50 Prozent erstattet.

Die Anschlusskosten von jeweils 1800 Euro werden (noch) vom Staat, nach dem Programm für Erneuerbare Energien von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) subventioniert.

Betreiber ist das Kommunalunternehmen Wärmeversorgung Grassau, eine Anstalt des öffentlichen Rechts, die - angesiedelt zwischen einer GmbH und einem Privatunternehmen - nicht auf Gewinn aus ist, sondern kostendeckend arbeiten will. Erster Vorstand ist Werksleiter Stephan, Vorsitzender des Verwaltungsrates der Erste Bürgermeister Rudi Jantke. Netz, Heizwerk und das auf 20000 Schüttraummeter pro Jahr ausgelegte Lager kosten rund 5,5 Millionen Euro. In 20 Jahren soll das Projekt refinanziert sein.

Obwohl im Westen der Marktgemeinde erst im nächsten Jahr mit dem Bauabschnitt zwei angefangen wird, sind Stephan zufolge insgesamt schon 230 Verträge unter Dach und Fach. Damit sei gewähleistet, dass sich die Erweiterung des Fernwärmenetzes auch auf andere Gemeindeteile lohnt. Mietenkam und Rottau sind allerdings noch nicht in die Planung einbezogen.

Im Rathaus äußert man sich zufrieden über das Verständnis, das Fußgänger und Verkehrsteilnehmer auch der zweiten großen Baustelle in Grassau innerhalb weniger Monate entgegenbringen. Stephan: "Drohungen hab' ich bis jetzt noch keine erhalten."

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