Glocken schlagen nachts nicht mehr!

Grassau - Sind Kirchenglocken in der Nacht Ruhestörung oder Brauchtum? Uneins war sich hier auch der Gemeinderat, eine Entscheidung ist aber trotzdem gefallen:

Kontrovers wurde der Antrag von Sepp Grießenböck, das Schlagen der Kirchturmuhr von 22 Uhr bis sechs Uhr früh abzustellen, in der jüngsten Marktgemeinderatssitzung diskutiert. Während die einen mit nächtlicher Ruhezeit argumentierten, sahen andere das Kirchturmuhrschlagen als Kultur und Brauchtum und zum Ort angehörig an. Ebenso knapp war dann auch das Abstimmungsergebnis mit elf zu neun Gegenstimmen.

Otto Hofer (CSU) entgegnete, dass er seit über 50 Jahren in unmittelbarer Nähe zur Kirche wohne und selbst sein Schlafzimmer zum Kirchenturm hin gewandt sei. Er sei vom Schlagen der Glocke noch nie wach geworden und denke, es gebe im Ortszentrum andere Lärmbelästigungen und nannte als Beispiel den Verkehrslärm auf der Bundesstraße. Für ihn, so Hofer, sei die Kirche ein geistlicher und kultureller Mittelpunkt der Gemeinde und seit Jahrzehnten schlage das Uhrwerk. Als die Pfarrkirche saniert wurde, hätten viele bemängelt, dass die Glocke nicht läutet.

Dem stimmte Xaver Schreiner (SPD) zu. "Für mich gehört die Kirchenglocke zum Ort, zur Heimat und zum Begriff Kultur", sagte er und sprach sich für ein nächtliches Weiterschlagen aus. Irmela Scheidle (UGL) konnte verstehen, dass man sich an das Schlagen gewöhnt, doch die Gäste, die nur wenige Tage bleiben, könnten dies nicht.

Hofer meinte, dass sich die Gäste nicht so gestört fühlen. Wenn er im Urlaub ist, müsse er die Geräuschkulissen dort auch akzeptieren. Michael Strehhuber (CSU) sah hier die Gefahr, dass dies nur der Beginn ist. "Als nächstes darf die Kuh nicht mehr raus, weil sie stinkt, oder der Hahn darf nicht mehr krähen", befürchtete er. "Der Glockenschlag gehört zum Ort", fügte er an.

Überwertet erachtete Jantke diesen Antrag. Am nächtlichen Abschalten werde die Kultur nicht zugrunde gehen. Er informierte, dass in Rottau schon seit Jahren zwischen 22 und sechs Uhr früh kein Glockenschlag zu hören ist und er dort nicht feststellen könne, dass die Heimatkultur gelitten hätte. Schließlich stimmten neun Räte gegen den Antrag. Da aber elf Räte für das Abschalten votierten, wird künftig zwischen 22 und 6 Uhr morgens die Kirchenglocke nicht mehr zu hören sein.

tb/Chiemgau-Zeitung

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