"Eine bewusste Schikane!"

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Grassau - Bei einem Besuch der Gemeinschaftsunterkunft machten sich die Jusos ein Bild von dem dortigen Verhältnissen. Sie kamen mit klaren politischen Forderungen zurück.

Weil man immer wieder von untragbaren Lebensverhältnissen in Wohnkomplexen für Flüchtlinge und Asylbewerber höre, wollten sich die Jusos aus dem Landkreis Traunstein selbst ein Bild machen. Sie besuchten die Gemeinschaftsunterkunft in Grassau. Diese besteht seit 1986 und beherbergt zur Zeit über 90 Menschen aus Armenien, Afghanistan und anderen Gebieten, die von politischen Instabilität geprägt sind.

Für jeden Bewohner stehen nur etwa sechs bis sieben Quadratmeter zur Verfügung. Dennoch erzählten sie, dass es trotz dieser Enge kaum zu Reibereien komme. Laut der Mitarbeiterin Monika Bauer gelingt dies vor allem auch durch die Angebote externer Partner, wie der Caritas und der Diakonie. Ein weiterer Grund sei das große Bürgerengagement. In einigen Heimen werden ehrenamtlich und kostenlos Deutschkurse angeboten, da diese in Bayern bisher für Erwachsene von staatlicher Seite noch nicht vorgesehen waren.

"Eine bewusste Schikane"

Das Essen für die Bewohner kommt aus dem baden-württembergischen Schwäbisch Gmünd. Über 300 Kilometer entfernt, nach dem die benötigten Lebensmittel zuvor aus einer Liste ausgewählt werden müssen.

 "Es ist gerade zu absurd die Lebensmittel von weit her zu karren, wenn direkt gegenüber ein Supermarkt liegt bei welchem die Bewohner selbst einkaufen könnten. Diese Praxis ist eine bewusste Schikane durch die bayerische Staatsregierung!", so der Vorsitzende der Jusos Traunstein, Seppi Parzinger.

Jusos: kein selbstbestimmtes Leben

Auffällig war aus Sicht der Jusos, dass ihnen eine andere Lebenswirklichkeit begegnete, als sie von Bundesinnenminister Friedrich, Bayern Innenminister Hermann und Sozialministerin Haderthauer oft dargestellt werde. Von einem selbstbestimmten Leben könne nämlich nicht die Rede sein.

Diese Problematik werfe die Frage nach einer Alternative auf. "Eine Unterbringung in normalen Wohnungen wird in Zukunft unausweichlich sein“, so Dominik Winklmaier von den Jusos. Hier sollen die Flüchtlinge nicht in alten Gasthäusern versteckt werden, sondern in den Gemeindealltag und das Dorfleben mit eingebunden werden, indem sie verteilt, also dezentral, untergebracht werden.

Anna Scheitzeneder forderte, dass Arbeitsverbote und -beschränkungen für Flüchtlinge mit sofortiger Wirkung aufgehoben werden müssen. Diese würden die sowieso schon schwierige Lage der Menschen verschlimmern.

Abschließend stellten die Jusos für sich fest, dass für wirkliche Verbesserungen ein massives Umsteuern in der Landes- und Bundespolitik nötig sei. Daher wollen sich sie sich auch weiterhin auf höheren Ebenen für eine humanere Asylpolitik einsetzten, denn kein Mensch sei illegal.

Pressemitteilung Jusos Landkreis Traunstein

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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