Kein Supermarkt auf der grünen Wiese

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Diese grüne Wiese zwischen Viehhausen und Reifing ist das Objekt der Begierde.

Grassau - Mehrere Gründe gegen einen Lebensmittelmarkt auf der grünen Wiese zwischen den Ortsteilen Viehhausen und Reifing wurden in der jüngsten Marktgemeinderatssitzung aufgeführt.

Nach eingehender Diskussion wurde der Antrag auf Vorbescheid der "Alueda Südbayern GmbH", der Tochtergesellschaft der Edeka-Handelsgesellschaft, mit zwei Gegenstimmen abgelehnt.

"Um auch langfristig wettbewerbsfähig zu sein, muss ein Lebensmittelmarkt eine bestimmte Größe haben", hatte Michael Zauner, zuständig für die Expansion der Edeka-Handelsgesellschaft in Bayern, den Antrag begründet. Der jetzige Standort des Edeka-Marktes in der Bahnhofstraße habe eine zu geringe Verkaufsfläche und viel zu wenig Parkplätze. Außerdem sei er nur schwierig zu beliefern.

Auf der Suche nach einem anderen Standort, der den Edeka-Markt auch weiterhin konkurrenzfähig bleiben lasse, sei man auf dieses Grundstück zwischen Viehhausen und Reifing gestoßen. Diese freie Fläche liegt nach Ansicht Zauners deshalb günstig, weil sie nur 500 Meter vom bestehenden Standort entfernt sei, also immer noch zentral und zudem in der Mitte des gesamten Ortes liege. Geplant sei ein Markt mit einer Geschossfläche von 1500 und einer Verkaufsfläche von 1200 Quadratmetern, bisher habe der Markt nur 700 Quadratmeter. Zudem wären hier 92 Parkplätze (jetzt: 20) realisierbar.

Architekt Ludwig Labonte erklärte, nach Meinung des Landratsamtes gelte dieser Bereich als sogenannte Durchlüftungsschneise, die er als sanften Übergang zur Landschaft sehe. Allerdings, so Labonte, sei bereits eine Bauentwicklung vorhanden.

Bürgermeister Rudi Jantke sagte dazu, es handle sich um eine landwirtschaftliche Fläche im Außenbereich. Im Flächennutzungsplan seien die Durchlüftungsschneisen eingetragen. Belegt durch ein amtliches Gutachten des Wetterdienstes habe diese Freifläche eine bioklimatische Bedeutung.

Nach dem städtebaulichen Rahmenplan solle das charakteristische Ortsbild durch diese Freifläche und damit auch die Sichtbeziehung zur typischen Voralpenlandschaft zwischen den Ortsteilen Grassau und Reifing erhalten bleiben und eine grüne Zäsur darstellen.

Persönlich sei er der Meinung, so Jantke, dass an dieser Stelle eine Bebauung gleich welcher Art für ihn nicht vorstellbar ist. Grassau und Reifing seien auch in der Natur zwei Orte und sollten so auch erhalten werden. Zwar wisse er um die Bedeutung des Edeka-Marktes, doch könne er sich für einen Neubau an dieser Stelle nicht erwärmen. Seiner Ansicht nach wäre es besser, wenn es gelänge, den Markt an dem vorhandenen Standort zu erweitern.

Hans Jawurek (Allgemeine Einwohnerschaft Rottau) würde es bedauern, wenn der Edeka-Markt von seinem angestammten Platz wegzöge. Zudem störe ihn die Versiegelung dieser Fläche. Olaf Gruß (SPD) wisse zwar von der engen Situation des Marktes. Wenn aber am vorgesehenen Platz gebaut würde, verlören die Ortsteile Viehhausen und Reifing ihren Charakter. Irmela Scheidle (UGL) bezweifelte zudem, dass der neue Standort auch tatsächlich als zentrumsnah zu bezeichnen wäre.

Jantke ergänzte, bereits fast alle großen Discounterketten in Grassau seien vorstellig geworden und hätten nach einem Platz zur Ansiedlung gefragt. Michael Strehhuber (CSU) meinte, dass man nach Aldi, Lidl, Penny, die alle ihre Märkte vergrößerten, auch den Edeka-Markt unterstützen müsse. Dies sagte der Rathauschef auch zu, nur dürfe dies nicht einer Ortsentwicklung entgegenstehen. Edeka binde viel Kundschaft im Ort, warf Otto Hofer (CSU) ein. Eine Verlagerung aus dem Zentrum würde seiner Ansicht nach eine Entzerrung der Kaufkraft darstellen. Nach Möglichkeit sollte am bestehenden Ort eine Lösung gefunden werden.

Das Parkplatzproblem sah Sepp Grießenböck (FW) nicht, denn nach seinen Beobachtungen wird die Fläche nur zu einem Drittel belegt. Hans Münch (CSU) befürchtete bei einem positiven Bescheid sogar einen Aufstand in der Bevölkerung. Vielmehr seien die Leute schockiert, dass Edeka dort weg wolle. Schließlich votierten mit Ausnahme von Sepp Sichler und Michael Strehhuber (beide CSU) alle Räte gegen den Vorbescheidsantrag.

tb/Chiemgau-Zeitung

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