Gut gerüstet für Meisterkurse und Konzerte

Villa Sawallisch in Grassau nutzt den Lockdown für Renovierungsarbeiten

Villa Sawallisch in Grassau
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Villa Sawallisch in Grassau

Auch die Wolfgang Sawallisch-Musikakademie ist vom Lockdown hart getroffen. Kurse und Konzerte fallen aus. Doch die Zeit wurde sinnvoll für Renovierungen genutzt - auch wenn dafür ein Grundstück verkauft werden musste.

Grassau - Wie wohl alle Kultureinrichtungen kämpft auch die Wolfgang Sawallisch-Musikakademie auf dem „Grünen Hügel“ in Grassau, um einigermaßen gut aus den wiederholten Lockdowns herauszukommen. Seit Januar mussten 12 Kurse, davon 9 Abschlusskurse mit Teilnehmern aus aller Herren Länder abgesagt werden. Da es sich dabei um „Außerschulische Bildung handelt, hätten die Kurse selbst zwar theoretisch stattfinden dürfen und viele Dozenten wären dazu bereit gewesen, berichtet Robert Höpfner, einer der beiden Vorstandsvorsitzenden der Sawallisch-Stiftung im Gespräch mit unserer Zeitung. In der Realität jedoch sagten die meistenTeilnehmer schon wegen mangelnder Reisemöglichkeiten, drohender Quarantäne und auch Bedenken um die eigene Gesundheit ab. „Auch wir wären weder finanziell noch psychisch mit dieser Situation klar gekommen“, so Höpfner.

Abgesehen von den üblichen Abschlusskonzerten der Meisterkurse mussten so in diesem Jahr bisher auch die regulären, lange vorher geplanten Klassikkonzerte abgesagt werden, erklärt Höpfner. Gott sei dank seien die meisten der 40 Abonnenten verständnisvoll und spendeten die schon bezahltenBeiträge. Kaum einer der sein Abo kündigte.

Neue Fenster in den Konzertsälen

Die Verantwortlichen des Sawallisch-Hauses Hinterm Bichl in Grassau aber wussten die Zeit für Renovierungen aller Art gut zu nutzen: Die größte Baumaßnahme waren komplett neue Fenster im großen Konzertsaal im Untergeschoß, dem ehemaligen Schwimmbad der Villa. Vorher konnten die riesigen Panoramafenster hier gar nicht geöffnet werden, jetzt sind sie zu Schiebetüren geworden, von denen aus die große Terrasse, zum Beispiel in den Pausen betreten werden kann. Auch die Fenster im Konzertsaal im Parterre wurden komplett erneuert und mit Außenjalousien versehen. Vom Bundesförderprogramm der Staatsregierung namens „Neustart Kultur – Verbesserung der Raumlüftung“ wurden von den Kosten in Höhe von 40 000 Euro zwei Drittel übernommen. Dazu gab es noch kleinere Bauarbeiten, zum Beispiel im Gästehaus und im Keller der Villa die dringend notwendige, vollständige Erneuerung dreier Bäder für die Gästewohnungen, die Sanierung der Auffahrt oder die aufwändige Entsorgung einer riesigen alten Fichte im Garten, deren morscher Stamm Ende Februar nachts bei einem Sturm buchstäblich abgebrochen und zersplittert war.

Trotz der staatlichen Zuschüsse, auch der sofort beantragten und erhaltenen Sofort- und Überbrückungshilfen galt es für die Stiftung so viel wie möglich zu sparen. Die laufenden Unterhalts-kosten für das gesamte Anwesen sind hoch, wenn die Haupteinnahmequelle, die Meisterkurse mit Vermietung und Vollpension wegfallen. Die fest angestellte Hauswirtschafterin Irmi Stadler musste in Kurzarbeit gehen, ebenso zwei Teilzeitkräfte und Praktikantin Lisa Rosenhuber aus Übersee, die ab Sommer ihre Ausbildung zur Hauswirtschafterin mit betriebswirtschaftlichem Abschluss beendet und dann - bei hoffentlich wieder regulärem Betrieb der Stiftung – in Vollzeit übernommen werden soll.

Verkauf eines Grundstücks

Trotz aller Hilfen und Sparmaßnahmen war es der Stiftung nur möglich die Baumaßnahmen zu bezahlen, indem ein rund 1500 Quadratmeter großes Grundstück im unteren Bereich an einen Nachbarn, die Firma Steiner, verkauft wurde. Das Stiftungsvermögen sei dadurch nicht verringert worden – was nach der Satzung der Sawallisch-Stiftung nicht möglich ist, weil das Geld für Investitionen verwendet wurde, erklärt Höpfner.

Ohne diesen Verkauf wären die Wert erhaltenden Investitionen an den Häusern nicht zu finanzieren gewesen. Die Finanzen der Stiftung stehen unter Aufsicht: jedes Jahr wird der Rechnungsabschluss von einem unabhängigen Wirtschaftsprüfer kontrolliert.

Im vergangenen Februar standen Neuwahlen des Stiftungsrates an. Dabei wurden die beiden ehrenamtlichen Vorstände Paul Bischof und Robert Höpfner bestätigt, ebenso der Vorsitzende des Stiftungsrates Wolfgang Diem. Stiftungsräte sind weiterhin Albert Osterhammer, Josef Crump und Professor Reinhard Seifried.

Christiane Gießen

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