Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

90 Jahre Jubiläum 

Einblicke in die Geschichte der Grassauer Bergrettung 

Bergwacht Grassau 1969 am Haberspitz
+
Bergwacht Grassau 1969 am Haberspitz

Die Bergwacht Grassau feiert 90. Geburtstag. Ihre Geschichte und Entwicklung sind ein Spiegel unserer Gesellschaft. 

Grassau - Zur Entstehung: nach einem ersten Werbeabend durch die Deutsche Bergwacht, Abteilung Chiemgau im Oktober 1930 gründete sich 1931 die Bergwacht Bereitschaft Grassau unter aktiver Mitwirkung von Mitgliedern des bereits 1927 gegründeten Skiclubs Grassau. Durch den in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts aufgekommenen Skitourismus kam es vermehrt zu Unfällen und folglich zu einem gesteigerten Bedarf an Erste-Hilfe-Leistungen durch kundige Retter. Im Gründungsjahr sind bereits 14 Bergwachtmänner in Grassau registriert. 

Heute, 90 Jahre später, engagieren sich bei der Bergwacht Grassau 22 aktive Einsatzkräfte. Zehn Anwärter absolvieren momentan die mehrjährige Ausbildung, die sich in verschiedene Schwerpunkte gliedert. Wichtigstes Kriterium bei der Aufnahme: ein guter Bergsteiger sein. Geschult werden die Einsatzkräfte und Anwärter in verschiedenen Rettungstechniken, sommers wie winters, in Notfallmedizin, Gebirgsluftrettung und nicht zuletzt in Naturschutz. Bei der Gründung der Bergwacht Bayern im Jahr 1920 war der Naturschutz noch die vordergründige Aufgabe, was sich mit dem stetigen Zuwachs an Bergtouristen rasch wandelte. Heute ist die Rettung von Menschen aus Bergnot die Hauptaufgabe. Wanderern, Mountainbikern, Ski- und Schlittenfahrern sowie Kletterern muss bei Notfällen im unwegsamen Gelände schnell und professionell geholfen werden. 

Neues Gipfelkreuz auf der Hochplatte 1995

Das Dienstgebiet der Bergwacht Grassau liegt im Wesentlichen auf der Nordseite der Hochplatte mit ihren Nebengipfeln Friedenrath und Staffen sowie im Westen dem Gederer und endet im Norden im Bereich der Kendlmühlfilzen südlich des Chiemsees und im Osten an der Tiroler Ache. Es erstreckt sich dabei über die Gemeindegebiete von Grassau mit Rottau und in Teilen von Marquartstein und Übersee. Im Sommer ist das Gebiet bei Wanderern und Mountainbikern sehr beliebt, im Winter laden die Naturrodelbahn sowie das bei Skitourengehern mehr und mehr bekannte ehemalige Skigebiet zu sportlichen Aktivitäten ein. Mit der Hochplattenbahn befindet sich im Dienstgebiet auch eine Doppelsesselbahn, für deren Evakuierung im Notfall die Bergwacht Grassau zuständig ist. 

Wie die Einsatzzahlen der letzten Jahre zeigen ist die Bergwacht Grassau gefragter denn je: im Jahr 2020 gab es mit insgesamt 27 Alarmierungen so viele wie nie zuvor in einem Jahr und für 2021 zeichnet sich bereits eine ähnliche Einsatzhäufigkeit ab. Die Art der Einsätze hat sich seit Gründung der Bergwacht Grassau freilich in Teilen geändert. Waren es anfangs hauptsächlich Wanderer und Skifahrer, die versorgt werden mussten, kamen mit den Jahren auch andere Sportarten wie Drachen- und Gleitschirmfliegen, Mountainbiken und Schlittenfahren hinzu. 

Bergrettung in den 1950er Jahren

Bis heute hat die enge Beziehung und Freundschaft zum Skiclub Grassau aus den Gründungsjahren Bestand und so übernimmt die Bergwacht Grassau regelmäßig den Vorsorgedienst bei dessen Veranstaltungen wie Ski- und Bergradlrennen. Auch andere Veranstaltungen wie den Hochplattenlauf, Skitourenrennen oder den Chiemgau-Trail-Run begleitet die Bergwacht Grassau gerne. Mit den umliegenden Behörden und Rettungsorganisationen wie Polizei, dem Bayerischen Roten Kreuz, den Freiwilligen Feuerwehren und den Bergwachten aus dem Achental ist die Zusammenarbeit respektvoll und professionell, und außerhalb des Einsatz- und Übungsgeschehens auch kameradschaftlich und freundschaftlich.

Heimat der Bergwacht Grassau ist seit 30 Jahren das ehemalige Feuerwehrhaus im Ortszentrum von Grassau, nachdem man vorher bereits einige Jahre im selben Gebäude ein kleines Kammerl und davor einen Schrank im Gasthof Sperrer zur Unterbringung der Einsatzmaterialien hatte. Im Jahr 2013 wurde die bestehende Garage in Richtung Süden um einen weiteren Garagenstellplatz erweitert. Seit Kurzem nutzt die Bergwacht zusätzlich die ehemalige BRK-Garage im östlichen Gebäudeteil. In den vergangenen Monaten führten die Grassauer Bergwachtmänner ehrenamtlich einige Sanierungs- und Verschönerungsarbeiten am Gebäude durch. Die an der Außenfassade angebrachte Bergsilhouette sorgt nunmehr für einen bedeutenden Wiedererkennungswert, da sie bereits seit mehr als zehn Jahren auf den Einsatzfahrzeugen der Bergwacht Bayern üblich ist. Der Marktgemeinde Grassau gebührt hier ein herzliches Dankeschön für die umfangreiche und unkomplizierte Unterstützung während der letzten Jahrzehnte. 

Mannschaftsfoto zum 75-jährigen Jubiläum 2006

Die Einsatzkräfte verfügen in ihrem Dienst über eine moderne Ausstattung an Rettungs und Sicherungsgeräten. Auch die Fahrzeuge entsprechen den Anfdorderungen an eine moderne Rettungsorganisation. Das erste und damals einzige Fahrzeug der Bergwacht Grassau war ab 1974 ein Steyr-Puch Haflinger. Dieser musste die ersten Jahre privat bei einem Bergwachtmann untergestellt werden mangels einer entsprechenden Garage. Nach 25 Jahren ersetzte ihn 1999 ein Toyota Landcruiser. Mit der Indienststellung eines ATV (All-Terrain-Vehicle/Quad) von Can Am im Jahr 2011 hatte die Bergwacht Grassau erstmals zwei Einsatzfahrzeuge. Dieses ist aufgrund seiner Geländegängigkeit auch abseits der üblichen Straßen und Wege und vor Allem im Winter mittels Raupenbetrieb auch bei Eis und Schnee einsetzbar. Der Patiententransport, der mit dem ATV alleine nicht möglich ist, machte zusätzlich die Anschaffung eines Skischlittens notwendig. Für weite Transporte des ATVs steht zudem ein KFZ-Anhänger zur Verfügung. Der Toyota Landcruiser hatte dann 2013 als Rettungsfahrzeug ausgedient und wurde durch einen VW-Amarok ersetzt und seit 2020 verfügt die Bergwacht Grassau mit einem VW T5 als Mannschaftfahrzeug nunmehr über drei Einsatzfahrzeuge.

Besondere finanzielle Unterstützung erhält die Bergwacht Grassau durch den im Jahr 2008 gegründeten Förderverein. Dieser ermöglicht seither mit seinen mittlerweile mehr als 120 Mitgliedern einen großen Teil der Instandhaltung und Neuanschaffung von Einsatzequipment. Bei jährlich wiederkehrenden Veranstaltungen wie der Bergblumenwanderung, dem Wintertourentag oder bei der Langen Einkaufsnacht in Grassau präsentiert sich der Verein, informiert über die ehrenamtliche Arbeit und sammelt Spendengelder für die Bergwacht Grassau, die ausschließlich für notwendige Einsatzausrüstung verwendet werden. 

Winterübung um 1960 an der Bergwachthütte

Trotz der langen Tradition darf der Blick in die Zukunft nicht außer Acht gelassen werden. Die Bergwacht Grassau hat derzeit keine Nachwuchssorgen. Damit das so bleibt wurde Anfang 2018 eine Jugendgruppe gegründet, die einzige in der ganzen Region Chiemgau. Zahlreiche interessierte Kinder und Jugendliche kommen regelmäßig zu den monatlich angebotenen Aktivitäten wie Klettern, Abseilen, Knotenkunde, Ausbildung in Notfallmedizin oder Bergtouren. Aktuell umfasst die Jugendgruppe etwa 35 Mitglieder im Alter von zehn bis 15 Jahren. Die Marktgemeinde Grassau überreichte im Jahr 2019 den Jugendförderpreis als Zeichen der Anerkennung der geleisteten ehrenamtlichen Arbeit im Jugendbereich. 

Neben den vielen geleisteten Stunden für Jugendarbeit, Einsätze, Ausbildung und Übungen werden bei der Bergwacht Kameradschaft und Freundschaften besonders gepflegt. Zentraler Treffpunkt für alle Mitglieder ist die Bergwachthütte an der Westseite der Hochplatte, die seit mittlerweile 60 Jahren von der Bergwacht Grassau gepachtet ist. Sie dient einerseits als Stützpunkt für Übungen und Einsätze, andererseits aber auch als sozialer Treffpunkt und Erholungsort in abgeschiedener und traumhafter Umgebung. Und nicht zuletzt bietet sie den Rahmen für die alljährlichen Feierlichkeiten im Anschluss an die traditionelle Bergmesse am Haberspitz zum Gedenken an die verstorbenen Mitglieder der Bergwacht Grassau. Hier gilt unser ganz besonderer Dank der Bergmess Musi, die seit vielen Jahren mit ihren musikalischen Darbietungen für den festlichen Rahmen der Veranstaltung sorgt. 

In diesem Jahr fand die Bergmesse am Sonntag, 26. September statt. Sie war zugleich Auftakt der Feierlichkeiten zum 90-jährigen Jubiläum, die am Kirchweihsonntag, 17. Oktober mit einem Tag der offenen Tür am Bergwacht-Depot in Grassau, Staffenstraße, enden. In der Zwischenzeit kann im Galerieraum über der Tourist-Info in Grassau am Kirchplatz eine Fotoausstellung mit Impressionen aus 90 Jahren Bergwacht Grassau besucht werden. Diese ist geöffnet während der regulären Öffnungszeiten der Tourist-Info, montags bis freitags von 08:30 Uhr bis 12:00 Uhr und von 13:30 Uhr bis 17:00 Uhr. Zusätzliche Termine, zu denen auch Bergwacht-Mitglieder für Fragen anwesend sein werden, sind

  • Sa., 02. Okt. von 09:00 bis 12:00 Uhr
  • So., 03. Okt. von 17:00 bis 20:00 Uhr
  • Mi., 06. Okt. von 18:00 bis 21:00 Uhr
  • Sa., 09. Okt. von 17:00 bis 20:00 Uhr
  • So., 10. Okt. von 11:00 bis 13:00 Uhr
  • Do., 14. Okt. von 18:00 bis 21:00 Uhr. 

Es wird um Einhaltung der allgemeinen Verhaltensregeln im Zusammenhang mit der epidemischen Lage gebeten.

Pressemitteilung Bergwacht Bayern

Kommentare