Gefahr: Frühjahrsmahd

Kitzrettung hoch zu Ross - Reiterhof in Grassau bewahrt Jungtiere vor dem Tod

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Es werden nebeneinander im Schritt die Schneisen gezogen, um kein Kitz zu übersehen.

Grassau - Alle Jahre wieder sind Rehkitze, in den Wiesenstücken an Waldgebieten, für Landwirte während der Frühjahrsmahd ein brenzliges Thema.

Trotz dröhnendem Lärm der Traktoren und der Mähwerke verlassen die Jungtiere ihren vermeintlich sicheren Platz im hohen Wiesengras nicht. Regungslos und versteckt warten sie auf die Rettung durch ihre Mutter. Viel zu oft gelingt die Flucht vor den Maschinen leider nicht und die Kitze kommen bei den landwirtschaftlichen Arbeiten zu Tode. 

Es gibt eine Anzahl gebräuchlicher Methoden die Wildtiere vorrübergehend aus dem Gras zu vertreiben: Die bekannteste ist das Aufstellen von langen Stöcken, an denen wehende Plastiktüten oder Blinklichter befestigt sind. Immer beliebter wird der Einsatz moderner Technik, mit Wärmebildkameras, welche an Drohnen angebracht sind. Ebenso üblich und nicht veraltet ist das Absuchen der Feldstücke zu Fuß. 

Die Stallgemeinschaft des Reiterhof Raab-Gricks in Hindling/Grassau lebt seit Jahren eine ganze eigene Methode der Kitzsuche. Die Reiter versammeln sich morgens kurz vor Beginn der Mäharbeiten auf ihren Pferden und reiten in Reih und Glied die Felder strukturiert ab. 

Eins der Kitze im hohen Gras versteckt, vom Pferd aus deutlich leichter zu sehen als vom Boden.

Am Wiesenrand beobachten und verfolgen Helfer, wohin die Rehe laufen. Hoch zu Ross ist die Sicht auf die Tiere und deren Liegeflächen deutlich besser, kleine Kitz können somit leichter gesichtet werden als zu Fuß. Das Stampfen der Pferde motiviert die etwas älteren Jungtiere sich zu erheben und wegzulaufen. Somit können die Kleinen entweder Richtung schützenden Wald getrieben werden oder von den Helfern am Rand behutsam geborgen werden. 

Dieses Jahr konnte die Hindlinger Reiterstaffel somit sechs Rehkitze aufspüren und vor dem sicheren Tod bewahren. 

In der heutigen Gesellschaft werden Pferde oft als störendes Luxusgut betrachtet, kaum einer denkt an die Zeit zurück, an dem die prachtvollen Tiere für die Menschen unersetzliche Partner waren. Der Einsatz im Krieg als Militärpferd, vor der Entstehung der Dampfmaschine als Kutschpferd für den Transport von Gütern und Personen oder in der Forst- und Landwirtschaft als Rückepferd oder im Ackerbau, gerät dabei abermals in Vergessenheit. 

Bemerkenswert ist dabei jedoch, dass diesen vielseitigen Einsatz bis heute kein anderes Tier zeigen konnte. Umso schöner ist die Anerkennung der Pferde, durch diese nützliche und zugleich so wunderbare Aufgabe - der Wildtierrettung.

Alexandra Gricks

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