"Spannender als Harry Potter"

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Dr. Hans Grabmüller (rechts) stellte den ersten Band der zweireihigen Dokumentation der "Historischen Entwicklung" vor. Erich Kamm, Organisator des Chronikprojektes, zeigte sich begeistert.

Grassau - "Es ist so dick wie ein Harry Potter, liest sich aber noch spannender." Mit diesen Worten zitierte der Zweite Grassauer Bürgermeister Josef Grießenböck einen begeisterten Leser der Ortschronik.

Gemeint ist Band fünf der Ortschronik von Dr. Hans Grabmüller, der nun im Heftergewölbe vorgestellt wurde.

Der Historiker Dr. Grabmüller hat in mühevoller Recherche und unter Bezugnahme verschiedener Quellen "Die historische Entwicklung der Gemeinden Grassau und Rottau und des Achentals von den Anfängen bis 1803" anschaulich, spannend und abwechslungsreich dokumentiert. Immer auch den Laien als Leser vor Augen, gelang es dem gebürtigen Grassauer, ein Geschichtsbuch zu verfassen, das allen Ansprüchen gerecht wird: es liefert wissenschaftlich fundierte Aussagen und erläutert Fachbegriffe erklärt, ohne dabei langatmig zu sein. Für die erste der auf zwei Bände angelegten historischen Entwicklung erntete Dr. Grabmüller viel Lob und Anerkennung.

Bereits erschienen sind im Rahmen des Ortschronikprojektes das "Häuserbuch", die "Musikgeschichte", die "Schulgeschichte", "Brauchtum und Tracht" und nun das erste Buch, das sich mit der ganzheitlichen Geschichte der Gemeinde befasst, erklärte Zweiter Bürgermeister Grießenböck. Die Gemeinde freue sich, für dieses Buch einen Historiker als Autor gewonnen zu haben, der in Grassau geboren und aufgewachsen ist. Grabmüllers Werk stellt die Geschichte von Grassau und Rottau im Zusammenhang dar. In mühevoller Kleinarbeit habe dieser die historischen Bausteine zusammengetragen und sei dabei auch auf Geheimnisse gestoßen. So manch liebgewonnene Annahme stelle sich nun als Legende heraus, sagte Grießenböck.

"Ich war fasziniert von der spannenden und lehrreichen Lektüre", schwärmte der Organisator des Chronikprojektes, Erich Kamm. Aus der Sicht eines interessierten Laien beleuchtete er das Buch. Das Werk umfasse einen Zeitraum von rund 4000 Jahren mit der Vor- und Frühgeschichte, der Siedlungsgeschichte und dann mit der Grafschaft und Pfleggericht Marquartstein.

Bemerkenswert sei, dass auch aufschlussreiche Lebensgeschichten enthalten seien wie etwa des Burgherren Marquart, dem seine Burg in Staudach nicht mehr gefiel und in Marquartstein eine größere baute. Marquart entführte Adelheid und wurde selbst auf dem Schnappenberg ermordet. Zu seinem Andenken ließ Adelheid eine Kapelle bauen. Höchst spannend erachtete Kamm auch den Umstand, dass auf dem Kirchplatz in Grassau im Mittelalter Recht gesprochen wurde. Kamm lobte auch die gelungene Gestaltung des Buches, die Illustration und Ergänzung der Kapitel mit Übersichtstabellen, Fotos von Funden und Gemälden. Es sei ein spannend zu lesendes Geschichtsbuch, aber auch ein Nachschlagewerk.

Die bisher erschienen Bände zur Geschichte der Marktgemeinde hätten zwar mit Geschichte im weitesten Sinne zu tun, greifen aber jeweils ein bestimmtes, fachlich abgegrenztes Thema heraus, so Dr. Grabmüller. Der neu erschienene Band befasse sich erstmals mit der Geschichte im engeren Sinne, also der poltischen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung. Das 19. und 20 Jahrhundert werden in einem zweiten Band behandelt. Streng genommen könne man erst von einer Geschichte der Orte Grassau und Rottau seit 1818 sprechen, da damals viele kleine Siedlungen im Achental zu einer Handvoll politischer und selbstverwalteter Gemeinden wurde.

Zum Abschluss seiner Einführung in den Chronikband, holte sich Grabmüller ein ganz besonders geschichtsträchtiges Gebäude zur Hand und berichtete über den "Gasthof zur Post", der heute von der Wirtin Michaela Mix geführt wird und in dem bereits vor 450 Jahren eine Frau das Sagen hatte. 1554 werde Jörg Rottmair als Wirt benannt. Diese reiche Familie bewirtschaftete das Hefteranwesen wie auch den heutigen Gasthof Sperrer.

Das Buch ist in der Touristinformation wie auch in einigen Grassauer Geschäften ab sofort erhältlich.

tb/Chiemgau-Zeitung

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