Grassau setzt auf "Holz vor der Hütt'n"

Grassau - "Andere setzen auf Kernenergie, wir in Grassau setzen lieber auf das berühmte ,Holz vor der Hütt'n'". So kommentierte Bürgermeister Rudi Jantke die Einweihung des Biomasseheizkraftwerks am Samstag.

Hunderte Besucher nutzten die offenen Türen, um sich über das 6,4-Millionen-Euro-Projekt zu informieren.

Zur offiziellen Einweihung waren neben viel politischer Prominenz unter anderem auch Professor Anton Kathrein und Gerhard Braun, Direktor des Sporthotels Achental, gekommen. Ihre örtlichen Betriebe sind die größten Abnehmer der Wärmeversorgung.

"Uns ist bewusst, dass wir in Grassau die weltweite Veränderung des Klimas nicht aufhalten werden", sagte der Bürgermeister. Aber die Marktgemeinde wolle ihren Teil zum Klimaschutz beitragen.

Bereits im ersten, jetzt fertig gestellten Bauabschnitt der Wärmeversorgung, würden der Atmosphäre durch den Ersatz von 1,2 Millionen Litern Heizöl etwa 4000 Tonnen Kohlendioxid jährlich erspart.

Die von der EU geförderte Studie über die vorhandenen Potenziale im Achental habe ergeben, dass alleine für Strom- und Windenergie jährlich 40 Millionen Euro aus dem Achental abfließen. Wenn es gelänge, nur 20 Prozent dieser Summe in der Region zu halten, habe das bereits eine enorme wirtschaftliche Bedeutung, erläuterte Jantke.

Die Gemeinde habe als kommunales Unternehmen keine Gewinnerzielungsabsichten und kalkuliere kostendeckend, so dass auch auf die Dauer voraussichtlich günstige Bezugspreise ermöglicht werden könnten. "Wir im Marktgemeinderat verstehen die Lieferung von Wärmeenergie als einen Teil der Daseinsvorsorge, wie die Versorgung mit Trinkwasser oder die Abwasserentsorgung", so der Bürgermeister.

Einmalig sei, dass die Kreissparkasse Traunstein-Trostberg und die Volksbank-Raiffeisenbank Rosenheim-Chiemsee als Hausbanken die Finanzierung zu gleichen Teilen übernommen und das Projekt in bestem Einvernehmen unterstützt hätten.

Seinen "Riesenglückwunsch zu dem Mut und dem Erfolg der Marktgemeinde" sprach Landrat Hermann Steinmaßl aus. Grassau habe hier in jeglicher Form eine Vorreiterrolle übernommen und einen weiteren Meilenstein für ein gutes Klima im Achental gesetzt. Ziel des Landkreises sei es, den Strombedarf bis 2020 zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien zu decken. Dazu sei man auf einem guten Weg.

Der Vorstand des Kommunalunternehmens "Wärmeversorgung Grassau", Sebastian Stephan, schilderte die Entstehung und die Bauphasen. Er dankte den Grassauer Bürgern für ihr Verständnis während der Bauarbeiten. Wegen der Grabungsarbeiten habe der Ort teilweise einer einzigen Umleitungsstelle geglichen.

Derzeit seien 115 Anwesen am Netz und 177 so genannte Übergabestationen seien bisher montiert worden, fasste Stephan zusammen. Für die Kunden am Netz werde mit einem Wärmeverbrauch von zirka 13 Millionen Kilowattstunden gerechnet.

Bereits jetzt sei "Wärmeverkäufer" Alexander Frank im Norden von Grassau und in den Bergstraßen unterwegs, um Neukunden zu gewinnen. Ziel sei es, das Netz stetig zu erweitern.

Wolfgang Wimmer, Geschäftsführer des Ökomodells Achental und des Biomassehofs Achental, bekräftigte das Ziel der Achentalgemeinden, sich möglichst bis 2020 aus den eigenen Ressourcen mit Strom und Wärme zu versorgen.

Um die Synergien zwischen Wärmeversorgung und Biomassehof optimal nutzen zu können, seien jährlich etwa 17000 Kubikmeter Hackschnitzel notwendig. Die Bereitstellung der Biomasse sei dabei nur das erste Glied in einer langen Kette von notwendigen Dienstleistungen.

Der katholische Pfarrer Simon Mösenlechner aus Rottau und Diakon Michael Sörgel von der evangelischen Gemeinde Marquartstein nahmen die kirchliche Weihe vor. Wacker hatten vier junge Bläser vom Rottauer Trompeten-Quartett für die musikalische Untermalung der Feier gesorgt.

Im Anschluss konnten alle Gäste unter fachkundiger Führung Technik und Organisation des Heizkraftwerks besichtigen. Das taten auch hunderte Besucher bei den anschließenden "Achentaler Bioenergietagen".

gi/Chiemgau-Zeitung

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