Grassau lehnt Unterkunft für Asylbewerber ab

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Diese ehemaligen Dienstwohnungen in Rottau der JVA Bernau sind als Asylbewerberunterkunft im Gespräch.

Grassau - Die Gerüchteküche um eine Asylbewerberunterkunft in Rottau kocht schon seit geraumer Zeit. Die Verantwortlichen machen jetzt ihre Standpunkte deutlich.

Was an der Geschichte wahr ist, klärte Bürgermeister Rudi Jantke in der jüngsten Marktgemeinderatssitzung auf. So stimmt es, dass derzeit geprüft wird, ob ein Asylbewerberheim in den Gebäuden mit den ehemaligen Dienstwohnungen an der Hackenstraße eingerichtet werden kann.

Diese zwei Gebäude mit jeweils sechs Betriebswohnungen gehören dem Freistaat Bayern. Die Regierung von Oberbayern prüfe nun, ob hier ein Asylbewerberheim entstehen kann, informierte der Rathauschef. Derzeit stehen bis auf eine Wohnung alle leer. Nur ein Pensionist lebt noch dort. Auch bei der Gemeindeverwaltung wurde laut Jantke bereits angefragt, wie diese Gebäude zu verwerten sind. Die Gemeinde unternehme aber nichts, so lange die Rentnerfamilie dort lebt.

Da die Asylbewerberzahlen wieder zunehmen, suche der Freistaat nach möglichen Unterbringungsmöglichkeiten, erklärte der Bürgermeister. Bereits einen Tag nach seinem Urlaub habe ein aufgeregter Anlieger bei ihm nachgefragt, was an dem Gerücht dran sei. Der Anrufer halte eine Unterbringung für inakzeptabel und befürchte eine Art Ghetto.

Bürgermeister Rudi Jantke:

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Auch Jantke selbst sieht viele Schwierigkeiten, die der abgelegene Ort mit sich bringt. So hätten die Asylbewerber keinerlei Bezugspunkt und auch nicht die Möglichkeit sozialer Kontakte, zumal der Ort Rottau rund einen Kilometer entfernt liege. Er habe mit dem Leiter der JVA (Justizvollzugsanstalt) Bernau telefoniert, der ihm das Gerücht bestätigte. Auch dieser sprach sich gegen eine Asylbewerberunterkunft an dieser Stelle aus, da die Gebäude im Eingangsbereich der JVA liegen und es besser wäre, Asylbewerber nicht im Sicherheitsbereich der Anstalt zu haben.

Auch bei der Regierung von Oberbayern, so Jantke, habe er diesbezüglich nachgefragt und erfahren, dass bereits eine Besichtigung stattgefunden habe, aber noch nichts entschieden sei. Auch werde berücksichtigt, dass es bereits ein Asylbewerberheim in Grassau mit 89 Personen gebe. Dieses bestehe bereits seit 25 Jahren und es habe noch keinerlei Probleme gegeben. Der Bürgermeister führte das darauf zurück, dass dieses Heim nicht an der Peripherie der Gemeinde, sondern eingebunden steht und soziale Kontakte möglich sind. Er habe bereits bei der Regierung angekündigt, dass sich die Gemeinde massiv gegen ein weiteres Asylbewerberheim wehren werde, zumal die Gemeinde "ihr Soll" bereits erfüllt habe. Ein diesbezügliches Schreiben werde an den Regierungspräsidenten verfasst. Zudem betonte Jantke, dass die Ablehnung eines Asylbewerberheims nichts mit den Asylbewerbern zu tun habe, sondern sich vor allem gegen den Standort dort richte.

"Eine endgültige Aussage darüber, ob sich die Wohnungen in Rottau für die Unterbringung von Asylbewerbern eignen, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht getroffen werden", teilte die Regierung von Oberbayern auf Anfrage der Chiemgau-Zeitung am Mittwoch mit. "Unter Umständen müssen zunächst die Kosten für etwaige Umbaumaßnahmen ermittelt werden", erklärte Pressesprecherin Ines Schantz.

Dass die Landkreise und Landkreiskommunen bei der Einrichtung von Gemeinschaftsunterkünften mitzuwirken haben, sei gesetzlich festgelegt, so Schantz. Das regele die Verordnung zur Durchführung des Asylverfahrensgesetzes, des Asylbewerberleistungsgesetzes und des Aufnahmegesetzes. Demnach errichten und betreiben die Regierungen in den Landkreisen und kreisfreien Gemeinden jeweils mindestens eine Gemeinschaftsunterkunft, sofern ein entsprechender Bedarf gegeben ist.

Eigentlich hat der Landkreis Traunstein seine Hausaufgaben bereits erfüllt, was die Zahl der Unterbringung von Asylbewerbern betrifft, wurde aus dem Gespräch mit der Behörde deutlich. Laut Vorgaben müssten in seinen Städten und Kommunen vier Prozent der oberbayerischen Asylbewerber untergebracht werden, das entspricht 144 Personen, erklärte die Pressesprecherin. "In den beiden staatlichen Gemeinschaftsunterkünften leben insgesamt 174 Bewohner - in Grassau 89 und in Engelsberg 85 Personen." Zum Vergleich: Der Landkreis Rosenheim ist laut der Münchener Behörde aktuell verpflichtet, 206 Asylbewerber aufzunehmen; untergebracht sind derzeit dezentral 53 Personen.

Bei der anstehenden Entscheidung über eine mögliche Umnutzung der ehemaligen JVA-Wohnungen in Rottau werde selbstverständlich berücksichtigt, dass in Grassau bereits eine Gemeinschaftsunterkunft existiert, hieß es abschließend.

tb/ul (Chiemgau-Zeitung)/Charivari

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