"Isar I nicht verlängern"

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Grassau - Nach dem Traunsteiner Stadtrat hat nun auch der Grassauer Marktgemeinderat einstimmig und fraktionsübergreifend an die Bundesregierung appelliert, die Laufzeit des Atomkraftwerks "Isar I" nicht zu verlängern.

Auch wenn kein Atomkraftwerk sichtbar und in unmittelbarer Nähe ist, so ist eine mögliche Gefährdung nicht auszuschließen. Vor allem das Atomkraftwerk in Ohu bei Landshut rief nun den Grassauer Marktgemeinderat in der jüngsten Sitzung auf den Plan mit einem gemeinsamen, fraktionsübergreifenden Aufruf

In einem Atomkonsens hatte die damalige rot-grüne Bundesregierung 2000 mit den betroffenen Energieversorgungsunternehmen ein Abkommen zum Atomausstieg beschlossen. Danach sollte das Atomkraftwerk Isar 1 bei Landshut Ende 2010 oder 2011 vom Netz gehen.

Wie Bürgermeister Rudi Jantke informierte, hat das Bundeskabinett von CDU/CSU und FDP im September beschlossen, dass alle Kernkraftwerke länger betrieben werden dürfen. Die Werke, die vor 1980 gebaut wurden, dürfen acht Jahre länger am Netz hängen. Auch Isar 1, seit 1977 in Betrieb, gehöre dazu.

"Grassau im engeren Gefahrenbereich"

Nun sei das Atomkraftwerk gerade einmal 100 Kilometer Luftlinie von Grassau entfernt. Insofern betreffe ein möglicher Unfall auch die Marktgemeinde. Er als Bürgermeister könne diesen Antrag der Fraktionen, eine Resolution an die Bundesregierung, die Bundeskanzelerin und alle involvierten Minister zu schicken, nur unterstützen. Das Atomkraftwerk sei seit 31 Jahren am Netz und gelte bauartbedingt als einer der unsichersten Atommeiler in der Bundesrepublik, heißt es. Zudem gebe es keinen Schutz vor Flugzeugabstürzen und Terrorangriffen . Der Markt Grassau liege im "engeren Gefahrenbereich".

Jantke erinnerte auch an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Damals sei die Achentalregion eines der am stärksten von radioaktiven Niederschlägen betroffenen Gebieten in Deutschland. Grassau spreche also aus Erfahrung. Schließlich müsse noch heute Wildfleisch aus vielen Gebieten, wie aus der Kendlmühlfilzen, auf radioaktive Strahlung untersucht werden. Vereinzelt komme es auch heute noch vor, dass Wildfleisch auf Grund zu hoher radioaktiver Belastung nicht zum Verzehr freigegeben werden, zitierte der Rathauschef aus dem Begleitschreiben der Fraktionen.

Sorge um Gesundheit der Kindeskinder

"Wir fürchten um die Gesundheit unserer Kinder und Kinderkinder", steht im Appell an die Regierung. Hans Jawurek (Allgemeine Einwohnerschaft Rottau, AE) erklärte, dass er selbst im Anlagenbau tätig war und von Materialermüdung wisse. "Wenn bei einem Störfall dann auch noch der Zufall hinzukommt und der Wind aus Nord-Osten bläst, bedeute dies für uns den Supergau", sagte Jawurek. Isar 1 sei das am wenigsten gesicherte Kernkraftwerk.

"Falls etwas passiert, dürfen es die Kommunen und Bürger ausbaden", ergänzte Xaver Schreiner (SPD). Mit diesem Aufruf wolle man zum Ausdruck bringen, wie besorgt die Gemeinde sei. Aus reinem Geschäftsinteresse würden, so Schreiner, die Probleme wohlwissend von der Regierung verdrängt.

Marktgemeinde setzt ein Signal

Eine Diskussion, ob dies ein Anliegen der Gemeinde ist, wollte Hans Münch (CSU) gar nicht aufkommen lassen, denn sollte etwas passieren, betreffe es alle und damit werde es zum Anliegen der gesamten Bevölkerung. Mehdi Akbari (UGL) fügte hinzu, dass die Zeit des Atomkraftwerks vorbei ist. Man müsse umdenken und ein Signal setzen. Er glaube, wenn noch mehr dieser Signale aus den Kommunen kämen, könnte es bald "leuchten". Einstimmig wurde sodann der Appell vom Gemeindeparlament beschlossen.

tb/Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © pa

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