Jeden zweiten Tag Trauer

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Hauptmann Sven Darius Schulze mit afghanischen Kindern.

Grassau (CH-Z) - Auf Anregung des Krieger-, Soldaten- und Reservistenvereins Grassau kam Hauptmann Sven Darius Schulze in den kleinen Heftersaal, um über seinen nicht ungefährlichen Einsatz in Afghanistan zu berichten.

Charly Nedwed, Schriftführer des Vereins, hatte den Kontakt zum Hauptmann hergestellt. Umrahmt von vielen Bildern erhielten die zahlreichen Zuhörer einen Einblick von der ungezähmten, kargen Landschaft, erfuhren viel über die Lebensweise der Afghanen und auch Wissenswertes über das Leben der Soldaten fern der Heimat.

Viereinhalb Monate dauerte der Einsatz des Hauptmanns, der gemeinsam mit der Gebirgsjägerbrigade 23 und insgesamt 450 Soldaten und Zivilisten von November 2008 bis März 2009 im Nordosten des Landes tätig war. Das Feldlager lag am Rande der Stadt Feyzabad. Schulze beschrieb die Landschaft als sehr felsig, die im Winter teilweise nicht zugängig sei und hohe Anforderungen an Mensch und Material stelle.

Es sei schwierig, nach nur viereinhalb Monaten ein Resümee zu ziehen, denn dieses Land werde noch viel Zeit brauchen, um stabil den Anforderungen der Zeit gerecht zu werden. Schließlich kenne das Land schon seit langem keinen Frieden mehr.

Hauptaufgabe der Soldaten sei es, den Wiederaufbau und die Entwicklung einer "verantwortungsvollen Regierung" zu unterstützen und beratend zur Seite zu stehen. Zudem wurden auch afghanische Sicherheitskräfte ausgebildet. Weil auch der Kontakt zur Bevölkerung wichtig sei, werden beim Besuch der Stadt immer Dolmetscher mitgenommen.

Jeden zweiten Tag hätten die Flaggen im Feldlager auf Halbmast gehangen, was darauf hinwies, dass ein Soldat oder Verbündeter zu Tode kam. Sprengfallen und Feuer aus dem Hinterhalt seien keine Seltenheit gewesen. Natürlich sei es wichtig, sich auch mit der Kultur des Landes auseinanderzusetzen. So waren Friedhöfe oft nicht als diese zu erkennen und wenn der Konvoi hier Rast machte, hätte dies missverstanden werden können. Altes Kriegsgerät, ausgediente Panzer und vieles mehr säumten die Wege.

Zu den Erfolgen zählte Schulze die Grundsteinlegung einer neuen Kaserne, die medizinische Versorgung der afghanischen Bevölkerung im Rettungszentrum und die Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte sowie letztlich die Eröffnung einer Mädchenschule.

Wie Aufbauhilfe organisiert werde, interessierte Gerd Spranger, den Vorsitzenden der Kameradschaft. Neben finanzieller Hilfe werde versucht, auch die einheimischen afghanischen Firmen einzubeziehen, um das Land wirtschaftlich voranzubringen. Über politische Hintergründe des Einsatzes wollte sich Schulze nicht äußern. Für die Soldaten im Einsatzgebiet sei es aber wichtig, dass sie den Rückhalt in der Bevölkerung spüren. Eingesetzt würden nur freiwillige Wehrdienstleistende, Grundwehrdienstler kämen prinzipiell nicht in Frage, da bereits die Grundausbildung für einen derartigen Einsatz zwischen neun und zwölf Monate dauere.

Als Beweis dafür, wie wichtig die Mission sei, nannte der Hauptmann den Kosovo. Hier könnten bereits die Truppen reduziert werden. Auch in Afghanistan habe man das Ziel, sich einmal ganz zurückzuziehen.

Abschließend bat Bürgermeister Rudi Jantke den Hauptmann, seinen Dank an den Kommandeur der Gebirgsjäger auszurichten, der jedes Jahr eine Tragtierabordnung zum traditionellen Leonhardiritt nach Weiher sendet.

tb/Chiemgau-Zeitung

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