Jetzt geht's leichter um Raiten rum

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Dieses Luftbild verdeutlicht die neue, rund zwei Kilometer lange Trasse, mit der die Verkehrsbelastung in Raiten um 90 Prozent verringert wird.

Schleching - "Bereits 1972 habe ich anlässlich einer Kreisratssitzung in Schleching beschlossen, dass Raiten eine Umgehungsstraße braucht", sagte Verkehrsminister Dr. Peter Ramsauer. "Es ist ein Wunschtraum von mir gewesen."

Er durfte damals als Schüler des Staatlichen Landschulheims Marquartstein im Rahmen einer Facharbeit an der Sitzung teilnehmen. Es war ein langer Weg von fast vier Jahrzehnten und über vier Bürgermeister-Generationen - Josef Wehweck, Leo Bachmann, Fritz Irlacher und jetzt Josef Loferer - bis zur feierlichen Freigabe der Verlegung der Bundesstraße 307 um Raiten am Samstag.

Bereits beim Spatentisch, dem ersten in seiner Heimat, hatte der Verkehrsminister versprochen, zur Freigabe wieder zu kommen. Er kam einige Minuten zu spät, weil er persönlich seinen früheren Lehrer Dr. H. Peter Stolberg am Staatlichen Landschulheim Marquartstein aus Unterwössen zum Festakt abgeholt hatte.

Dr. Ramsauer hob besonders hervor, dass es keine einzige Einwendung seitens der Bürger gegen die Maßnahme gegeben habe. "Ich bin immer für (und nicht gegen) etwas gewesen, Raiten ist eine lebendige Initiative dafür."

"Der Bau dieser rund zwei Kilometer langen Verlegung nach nur elf Monaten Bauzeit sei ein gutes Beispiel für die Stärkung des ländlichen Raumes, weil damit nicht nur eine Verbesserung für die Wohnsituation der Raitener Bürger erreicht worden sei, sondern auch eine Verbesserung der Mobilität aus und in das Achental", sagte Baudirektor Sebald König, Staatliches Bauamt Traunstein in seinem Willkommensgruß. Für die Gemeinde Schleching war es war bereits der zweite Grund zum Feiern, nachdem im August die Radweglücke entlang der B 307 zwischen Raiten und Mettenham geschlossen und freigegeben wurde.

"Die Baumaßnahme liegt ein einem sensiblen Umfeld, in dem wasserwirtschaftliche und naturschutzrechtliche Fragen eine besondere Bedeutung haben", sagte König. Bei der Lösung dieser Fragestellungen habe das Landratsamt Traunstein gut unterstützt. König sprach hierfür Landrat Steinmaßl und seinen Mitarbeiten seinen Dank aus. Wesentliche Voraussetzung für den Grunderwerb war die Durchführung eines Flurbereinigungsverfahrens, das Peter Oster, Amt für Ländliche Entwicklung Oberbayern, engagiert und routiniert abgewickelt habe.

Insgesamt investierte der Bund in die Verlegung der B 307 und den neuen Radweg insgesamt rund 2,6 Millionen Euro, mit denen Arbeitsplätze in der Bauwirtschaft gesichert würden.

Die neue Straße liegt im Wesentlichen im Retentionsraum der Tiroler Ache. Um diesen Eingriff zu kompensieren, mussten insgesamt zirka 12000 Kubikmeter Erdmaterial südlich von Raiten direkt an der Tiroler Ache abgegraben werden, um den Hochwasserabfluss nicht negativ zu verändern. Die Ortschaft Raiten wurde über zwei Anschlüsse an die verlegte B 307 angebunden. Wegen der reizvollen Landschaft im Schlechinger Tal wurde bei der Planung ein besonderes Augenmerk auf die ökologischen Belange gelegt.

Neben der Renaturierung des Raitener Baches und der Gestaltung von Ausgleichsflächen wurde im Rahmen einer Umweltbaubegleitung dem Naturschutz in besonderer Weise Rechnung getragen. Die neue Bundesstraße verläuft überwiegend in Dammlage. Zwei neue Brückenbauwerke über den Raitener Bach im Norden und Süden erforderten die langwierigsten Baumaßnahmen.

Das Band ist durchschnitten: Bürgermeister Josef Loferer, Landrat Hermann Steinmaßl, Dr. Marcel Huber MdL, Zweite Bürgermeisterin Elfie Bachmann, Verkehrsminister Dr. Peter Ramsauer, Baudirektor Sebald König, MdL Klaus Steiner, Altbürgermeister Fritz Irlacher und Pfarrer Josef Kreuzpointner (von links).

In Vertretung von Innenminister Joachim Herrmann hielt Dr. Marcel Huber, Staatssekretär im bayerischen Staatministerium für Unterricht und Kultus, die Festansprache. "Unser erklärtes Ziel ist es, den Verkehr auf gut ausgebauten, verkehrssicheren Achsen zu bündeln und das nachgeordnete Straßennetz dadurch bestmöglich zu entlasten", so Dr. Huber. Mit der Verlegung der Bundesstraße werde die Verkehrsbelastung in Raiten um 90 Prozent reduziert. "Wer im Achental unterwegs ist, kann nicht auf eine U-Bahn zurückgreifen." Dr. Huber würdigte die Eigentümer und Pächter, die bereit waren, den erforderlichen Grund im Zuge des Flurbereinigungsverfahrens abzutreten.

Die Wichtigkeit der Mobilität der Jugend und bis ins hohe Alter verdeutlichte Landrat Hermann Steinmaßl mit der Zahl von 149000 zugelassenen Fahrzeugen bei 170000 Einwohnern im Landkreis Traunstein. Mit der Umgehung von Raiten werde die Lebensqualität der Bürger und der Pendler- und Güterverkehr verbessert sowie die Attraktivität des Tourismus gesteigert. Schließlich sprach Bürgermeister Josef Loferer in seinem Grußwort im Sinn der Vorredner den Dank der Gemeinde an alle Beteiligten aus.

Den kirchlichen Segen erteilte Pfarrer Josef Kreuzpointner. "Nur wenn wir uns verantwortungsbewusst und rücksichtsvoll verhalten, dürfen wir auf die Hilfe Gottes hoffen."

Die "Musikkapelle Schleching" mit dem Zweiten Dirigenten Peter Hell und die "Dorfmusik Schleching" führten den Zug zum Festakt an und begleiteten die Gäste über die neue Brücke Raiten-Süd. Anschließend ließen Honoratioren und Bürger gemeinsam die Feier im Gasthof "Zellerwand" ausklingen.

Chiemgau-Zeitung

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