Kanalgebühren steigen

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Reit im Winkl - Die Gemeinde Reit im Winkl erhöht die Gebühren für die Beseitigung des Abwassers. Mit großer Mehrheit hat der Gemeinderat in seiner Sitzung am Dienstagabend die neuen Tarife abgesegnet. Sie gelten ab dem nächsten Monat.

Bei 1,50 Euro je Kubikmeter Abwasser lag die Einleitungsgebühr bisher, 1,85 Euro wird sie ab dem kommenden Monat betragen - eine Steigerung von knapp 24 Prozent. Die jährliche Grundgebühr bei einer Wasserzähler-Nenngröße von 2,5 Kubikmeter je Stunde wird von 44,40 Euro auf 60 Euro, bei einer Nenngröße von sechs Kubikmetern je Stunde von 66 Euro auf 90 Euro und bei einer Größe von über sechs Kubikmetern je Stunde von 90 Euro auf 120 Euro erhöht.

Begründet wurde diese Steigerung mit der Anhäufung von mehr und mehr Schulden im Abwasserhaushalt in den vergangenen sechs Jahren, jetzt betrage das Defizit rund 76000 Euro. "Insbesondere in den vergangenen beiden Jahren war der Betrieb der gemeindlichen Abwasserbeseitigung mit Verlusten von jeweils über 25000 Euro nicht mehr kostendeckend", wie aus dem Begründungsschreiben der Gemeindeverwaltung zu entnehmen war, die deshalb dringend zu einer Gebührenerhöhung riet.

"Wir können hier nicht sehenden Auges eine Schuldenmehrung zulassen", sagte Bürgermeister Josef Heigenhauser, der sich dem Vorschlag der Verwaltung anschloss.

"Wenn wir die Gebühren wie vorgesehen erhöhen, liegen wir mit 3,79 Euro für Wasser- und Kanalgebühren je Kubikmeter zum Teil um bis zu 300 Prozent höher als manche Nachbarorte", meinte hingegen Michael Neumaier (Freie Wähler). Für Familien und Betriebe am Ort sei dies "wenig attraktiv". Auch Lorenz Mühlberger (CSU) äußerte Zweifel, ob die Anhebung in dieser Höhe wirklich erforderlich sei, viele Betriebe seien "wirtschaftlich am Anschlag". Des Weiteren solle hier "kein Gewinn angestrebt werden".

Davon könne keine Rede sein, stellten demgegenüber Bürgermeister Heigenhauser und auch Amtsleiter Michael Englert fest. Falls diese Erhöhung zu stark ausfallen sollte, müsste dies den Anschlussnehmern in den kommenden Jahren verrechnet werden.

Für die Erhöhung wurden im Laufe der Diskussion weitere Argumente in den Raum gestellt: So seien für die Sanierung des teils maroden Leitungsnetzes heuer bereits 30000 Euro im Haushaltsplan verankert, 2008 seien es noch 15000 Euro gewesen. Gestiegen seien ferner die Stromkosten und auch die Beträge für die Entsorgung des Klärschlamms. Schließlich habe sich der Fremdenverkehrsort in seiner Abwasser-Planung an der maximalen Belegung zu orientieren: Der Ort zähle rund 2500 Einwohner, in Spitzenzeiten kämen allerdings bis zu 5000 übernachtungsgäste dazu, dies wirke sich freilich auch auf die dafür notwendige Infrastruktur zur Abwasserentsorgung aus. Des Weiteren sei aus geografischen Gründen die Schaffung eines Abwasserzweckverbandes, der vielen Orten bei der Kostenersparnis hilft, in Reit im Winkl nicht möglich: "Wir haben hier eine Art Insellage", so der Bürgermeister, die Entfernung zu den Nachbarorten sei einfach zu groß.

Das Gremium folgte schließlich mit großer Mehrheit dem Vorschlag, die entsprechende "Beitrags- und Gebührensatzung" zu ändern, soll heißen, die Erhöhungen wurden wie vorgeschlagen gebilligt. Zwei Gemeinderäte, Michael Neumaier und Lorenz Mühlberger, votierten gegen diese Beitragssteigerung. ost

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