Simon war klinisch tot

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Die Retter, die Eltern und der kleine Simon: Günther Braun (links) und Toni Auer (rechts) leisteten lebensrettende Erste Hilfe. In der Mitte die Eltern des Buben, Willi und Silvia Schwarz, an der Stelle, wo das Unglück geschah. Der Teich ist inzwischen zugeschüttet.

Reit im Winkl - Der kleine Simon war klinisch tot Es muss der Alptraum aller Eltern sein, den Silvia und Willi Schwarz aus Birnbach, einem Ortsteil von Reit im Winkl, vor gut einer Woche durchlitten haben: Einen kleinen Moment lang weiß niemand, wo ihr Sohn, der kleine Simon ist.

13 Monate ist der Bub alt und ständig unterwegs in den Räumen der elterlichen Gastwirtschaft, aber jetzt ist er nicht zu finden. "Instinktiv", sagt Willi Schwarz rückblickend, "bin ich auf der Suche nach dem Buben zu unserem Weiher vors Haus gegangen." Was er dort sehen muss, wird er sein Leben lang wohl nicht vergessen: Inmitten von Wasserpflanzen und Algen treibt der Bub und rührt sich nicht mehr. Nach einer dramatischen Rettung und einigen Tagen im Krankenhaus saust Simon nun schon wieder umher, gerade so, als sei nie etwas gewesen. Viele der Helfer und auch Ärzte sprechen von einem "Wunder".

Es war ein Glücksfall, dass zwei ausgebildete Rettungskräfte vor Ort waren, die sofort wussten, was zu tun ist. Nachdem Vater Willi (37) in den Teich gesprungen war, um seinen Sohn zu bergen, waren schnell die Mutter Großeltern und Gäste der Wirtschaft dazugekommen. Bis auf den benachbarten Golfplatz waren deren Schreie zu hören, während der Vater seinen Sohn im Arm hielt: "Simon, bleib da, Simon bleib da!", flehte er den Buben immer wieder an, doch der rührte sich nicht. Günther Braun (39), Nachbar und als Mitglied der örtlichen Feuerwehr intensiv als Ersthelfer geschult, nahm ihm den Buben energisch aus dem Arm. "Ich war wie gelähmt, ich wusste einfach nicht, was ich tun soll", sagt der Vater.

Braun legt den leblosen Körper im Gang der Gastwirtschaft ab und beginnt mit der Reanimation. Der Bub hat keinen Herzschlag mehr, seine Körpertemperatur ist auf 35 Grad abgesunken. Toni Auer (51), ausgebildeter Flugretter der Bergwacht, ist als Gast in der Wirtschaft und reagiert sofort, als er die Situation erfasst. Während Braun versucht, das kleine Herz wieder zum Schlagen zu bringen, muss Auer den Atmungsweg des Buben absaugen. Er hat Wasser geschluckt und einiges Pflanzenmaterial eingesogen. Ein weiterer Gast, Andreas Hausberger, verständigt die Rettung. Plötzlich bewegt sich ein Fuß des Buben, kurz darauf beißt er Toni Auer in den Finger. "Da hab´ ich gewusst, dass wir ihn wieder haben", sagt Auer und spricht von einem sehr "angenehmen" Schmerz. Sechs Minuten nach der Alarmierung treffen Sanitätswagen und Polizei ein, zwei Minuten darauf der Rettungshubschrauber Christoph 14 aus Traunstein. "Wären die beiden ausgebildeten Helfer nicht so schnell zur Stelle gewesen und hätten sie nicht sofort das Richtige gemacht, der Bub wäre wohl nicht mehr am Leben", wird der Notarzt Markus Ewald (36) später sagen.

Auf der Intensivstation dauert es eineinhalb Stunden, bis der kleine Simon wieder richtig zu sich kommt. "Es war unglaublich, was die Ärzte und Schwestern geleistet haben", sagt Willi Schwarz und auch die tiefe Anteilnahme im Dorf habe sehr geholfen. Wie ein Lauffeuer hatte sich in Reit im Winkl die Nachricht von dem Unglück herumgesprochen und allerorten war tiefe Betroffenheit zu spüren. Doch die Sorge, dass der Bub körperliche oder geistige Schäden davontragen könnte, verflüchtigen sich schnell. Die Eltern animieren ihn, die paar Wörter, die er schon sprechen kann aufzusagen, was er zur Erleichterung auch macht.

Am Abend saust Simon schon wieder umher "und hat uns damit wieder Kraft gegeben", so der Vater. Kraft, um zumindest den ersten Schock zu überstehen. Zweimal besucht Notarzt Ewald den Buben. "Mir war die Sache sehr nahe gegangen und dass wir ihn haben retten können, war das allergrößte Glücksgefühl". Am fünften Tag dürfen Mutter und Sohn das Krankenhaus wieder verlassen. Umfangreiche Tests hatten ergeben, dass Simon den Unfall ohne bleibende Schäden überstanden hat. "Wir werden künftig jedes Jahr zweimal den Geburtstag unseres Sohnes feiern", sagt abschließend Willi Schwarz, "aber auch noch einige Zeit brauchen, bis wir diesen Schrecken verarbeitet haben", ergänzt Mutter Silvia.

Hannes Ostermaier/Chiemgau-Zeitung

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